Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bewegungsstörungen kündigen schizophrene Psychose an

13.03.2006


Koordination verschlechtert sich kurz vor Ausbruch


Motorische Störungen sind Biomarker für den Verlauf schizophrener Erkrankungen



Heidelberger Wissenschaftler haben herausgefunden, dass scheinbar unwichtige Bewegungsstörungen den Ausbruch einer schizophrenen Psychose ankündigen. In der weltweit ersten prospektiven Studie zur Bedeutung dieser sanften Symptome konnte das Forscherteam um Johannes Schröder zeigen, dass Koordinationsschwächen in akuten Krankheitsphasen vermehrt auftreten. Erholen sich die Patienten dagegen, werden auch Bewegungsstörungen seltener. "Damit stellen diese sanften Symptome körperliche Marker für eine seelische Störung dar", erklärt Johannes Schröder, Leiter der Sektion Gerontopsychiatrische Forschung der Psychiatrischen Uni-Klinik Heidelberg im pressetext-Interview.

... mehr zu:
»Bewegungsstörung »Kranke »Psychose


Über einen Zeitraum von einem Jahr haben die Heidelberger Wissenschaftler eine Gruppe von 39 schizophrenen Patienten mit einer Gruppe von 22 Gesunden verglichen. Dazu absolvierten Kranke und Gesunde 16 verschiedene Tests, die hauptsächlich die Bewegungskoordination sowie ihre Verknüpfung mit den Sinneswahrnehmungen und der räumlichen Orientierung prüfen. So mussten beispielsweise die Daumen der Fingerreihe einander gegenüber gestellt oder auf einer geraden Linie balanciert werden.

Bei den Tests fanden die Forscher heraus, dass sich die Testergebnisse der in ambulante Behandlung entlassenen Patienten während eines Jahres signifikant verbesserten. Die sanften Symptome für eine schizophrene Psychose wurden seltener, womit sich die Reduzierung von durchschnittlich 15,7 auf 10,1 Punkte der Heidelberger Skala erklären lässt. In der Kontrollgruppe blieb der Wert annähernd konstant (von 4,8 auf 4,6). Bemerkenswert ist überdies, dass sich die Werte von 18 Kranken nicht verbesserten, da ihre schizophrene Psychose zu einem chronischen Leiden wurde. Ihr Wert senkte sich mit einer Änderung von 13,8 auf 13,5 Punkte kaum. Bei den 21 Patienten, deren Zustand sich besserte, schrumpfte dieser Wert dagegen deutlich von 17,3 auf 7,2 Punkte.

"Der Blick auf motorische Ausfälle erlaubt es, den Krankheitsverlauf zu beurteilen und erleichtert gleichzeitig das Verständnis um die Entstehung", betont Schröder die Bedeutung des Studienergebnis. Weltweit sind etwa ein Prozent der Bevölkerung von schizophrener Psychose betroffen. Die Erkrankung beginnt meist im frühen Erwachsenenalter und führt meist zu schweren Einschränkungen der Selbstständigkeit und Arbeitsfähigkeit. Was genau zum Ausbruch führt, ist noch ungeklärt. Als Grundlage dafür wird eine besondere Verletzlichkeit betrachtet, die wahrscheinlich von Geburt an besteht und genetisch bedingt ist. Dadurch sind diese Menschen anfälliger für Stressfaktoren wie familiäre Probleme oder Verluste. Die Bewegungsstörungen sind das Resultat krankheitsbedingter Veränderungen im Gehirn.

Lisa Hartmann | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Bewegungsstörung Kranke Psychose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen

24.05.2017 | Geowissenschaften