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Mit gestärktem Geist besser durch die Strahlentherapie

09.08.2005


Psychologen der Universität Jena befragten Tumorpatienten in Strahlentherapie zur individuellen Wahrnehmung der Nebenwirkungen. Ihre Studie zeigt hohen Bedarf für psychosoziale Betreuung auf



Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper: Ist der Körper krank, so leidet auch die Psyche. Gerade bei schweren Erkrankungen wie Krebs spielt aber die psychische Verfassung des Patienten nicht nur für die Krankheitsverarbeitung, sondern auch für den Erfolg der Therapie eine wichtige Rolle. "Neben den objektiven medizinischen und krankheitsspezifischen Faktoren haben die individuellen Eigenschaften und Ressourcen, die in der Persönlichkeit jedes einzelnen Patienten liegen, einen großen Einfluss auf Verlauf und Erfolg der Bewältigung einer Krebserkrankung", sagt Prof. Dr. Bernhard Strauß, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie der Universität Jena. Unter seiner Leitung haben die Psychologinnen Christine Schleußner und Christina Brix untersucht, wie Tumorpatienten in Abhängigkeit von ihrer psychischen Konstitution die Nebenwirkungen der Strahlentherapie wahrnehmen.



"Unser Ziel war es, eine geeignete Methode zu finden, mit der diejenigen Patienten rasch erkannt werden können, die eine besondere psychosoziale Unterstützung benötigen", erklärt Christine Schleußner. Für die Studie, die in Kooperation mit den Medizinern der Klinik für Radiologie des Jenaer Universitätsklinikums durchgeführt wurde, befragten die Psychologinnen 250 Tumorpatienten vor und nach ihrer Strahlentherapie. Jetzt liegen die Ergebnisse der zweijährigen Studie vor, die von der Münchener Wilhelm Sander Stiftung gefördert wurde.

Sie bestätigen zum einen die Annahmen der Psychologen, dass psychisch widerstandsfähigere Patienten weniger unter den Nebenwirkungen der Strahlentherapie leiden. Psychisch labilere Patienten leiden hingegen stärker unter den Nebenwirkungen wie der Fatigue, einer extremen Erschöpftheit, die sich selbst durch Schlaf und Ruhe nicht kompensieren lässt. Darüber hinaus haben die Jenaer Psychologen jedoch bei den Patienten in der Strahlentherapie allgemein einen hohen Bedarf für eine psychosoziale Betreuung ausgemacht. "Laut unseren Ergebnissen ist bei etwa 70 % der Betroffenen eine psychosoziale Betreuung angezeigt", sagt Christina Brix. "Dieser Bedarf ist in der Gruppe der weniger widerstandsfähigen Patienten häufiger gegeben als bei Patienten mit höherer psychischer Widerstandskraft. "Bereits das Angebot mit Außenstehenden über Gefühle und Ängste vor und nach der Therapie zu sprechen, wie bei unseren Interviews geschehen, wurde von den Patienten dankbar angenommen", berichtet Christina Brix.

Allgemein wünschen sich die Patienten, besser informiert zu werden. "Es verunsichert sie z. B. wenn die Strahlenbehandlung einen Tag ausfällt. Schon ein ausliegendes Faltblatt könnte hier Abhilfe schaffen, indem es Antworten auf Fragen gibt, die Ärzte und Schwestern in der Hektik des Alltags nicht im einzelnen beantworten können", so die Psychologin.

Die Strahlentherapie wird neben Operation und Chemotherapie zur Bekämpfung bösartiger Tumore genutzt. Das Wissen um die schwere Erkrankung, starke Hoffnung auf Heilung, längere stationäre Aufenthalte oder die tägliche ambulante Behandlung sowie die verschiedenen akuten oder längerfristigen Nebenwirkungen sind für den Patienten sehr belastend. "Der Radiologe steht vor der Aufgabe, eine optimale Tumorkontrolle bei relativ minimalen Nebenwirkungen zu erzielen. Dabei ist es wichtig, den Verlauf durch gezielte unterstützende Maßnahmen positiv zu beeinflussen", erklärt Christine Schleußner. "Ein psychologisches Beratungsangebot wäre eine solche Maßnahme."

Um dies künftig am Uniklinikum Jena zu etablieren, musste zunächst geklärt werden, ob man anhand der Resilienz, so heißt die psychische Widerstandskraft im Fachjargon, die Patienten ermitteln kann, die eines psychologischen Zusatzangebots bedürfen. Da dies der Fall ist, wollen die Psychologen nun in einer Folgestudie mehrere Therapien miteinander vergleichen, die dabei helfen könnten, die Fatigue der Patienten zu vermindern und/oder ihre Resilienz zu erhöhen. Neben einem Entspannungstraining sollen eine gezielte Information über die Behandlung (Psychoedukation) sowie ein Selbstsicherheits- und Sozialtraining zum Einsatz kommen.

Der Abschlussbericht der Studie "Zum Einfluss von Resilienz und anderen persönlichkeitsbezogenen Merkmalen auf die subjektiven Nebenwirkungen (Fatigue) bei Tumorpatienten in der Strahlentherapie" kann bei Christina Brix angefordert werden.

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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