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Erkennung von Essstörungen über ein neuropsychologisches Modell

07.12.2004


Es gibt bereits zahlreiche Untersuchungen zu den Auswirkungen, die soziale und genetische Faktoren sowie das Umfeld einer Person auf Essstörungen haben. Als Ergebnis dieser Studien erschien diese Thematik, die bisher mit vielen Missverständissen behaftet war, in einem völlig neuen Licht. Man hofft, dass damit die mit solchen Störungen verbundenen Vorurteile gegenüber den betroffenen Personen weniger werden. Außerdem soll dadurch die Behandlung solcher Krankheiten verbessert werden.


In vielen Gesellschaften herrscht heutzutage der Zwang, schlank sein zu müssen. Dünn zu sein ist der neue Trend, und schlanke Menschen werden als schön und modisch betrachtet und scheinbar von allen geliebt. Deshalb überrascht es nicht, dass ätiologische Untersuchungen zum Theme Magersucht und Bulimie bestätigen, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus und Zwanghaftigkeit als Risikofaktoren für diese Essstörungen anzusehen sind. Einer der Hauptuntersuchungsbereiche war das Umfeld, welches wiederum das Selbstbewusstsein beeinflusst und die Persönlichkeit formt.

Um zu dieser Schlussfolgerung zu gelangen, wurde eine Hypothese aufgestellt, die behauptet, dass neuropsychologische Beeinträchtigungen das Verhalten und die Persönlichkeitsmerkmale von zwanghaften Personen widerspiegeln. Verkürzt lässt sich also behaupten, dass psychologische Prozesse eine psychologische Grundlage haben. Deshalb wurde ein Model entwickelt, das aus ausgewählten neuropsychologischen Tests bestand, welche die Messung verschiedener Aspekte von kognitiver Inflexibilität umfassten. Die Tests wurden in drei Teile unterteilt. Im ersten Teil wurden mit Hilfe ausgewählter Tests drei Gruppen untersucht. Zu diesen Gruppen gehörten Personen mit schwerwiegenden Formen der Magersucht und Bulimie sowie eine gesunde Vergleichs- bzw. Kontrollgruppe. Man fand heraus, dass eine kognitive Fehlfunktion ein typisches Merkmal von Magersucht ist.


Während des zweiten Teils der Untersuchung wurden Patienten mit schwerwiegender Magersucht mit denjenigen Patienten verglichen, die zwar unter der gleichen Essstörung leiden, aber wieder ihr normales Gewicht erlangt hatten. Außerdem wurden diese Patienten mit Patienten verglichen, die wieder vollkommen gesund sind und seit mindestens einem Jahr keine Symptome für eine Essstörung zeigten. Patienten, die ihre Essstörung überwunden hatten, zeigten zwar eine bessere Leistung als diejenigen Personen, die unter einer schwerwiegenden Essstörung litten. Aber im Vergleich mit der Kontrollgruppe war ihre kognitive Leistung deutlich geringer.

Die Leistung bei ausgewählten kognitiven Tests wurde mit den vor Beginn der Essstörung beobachteten zwanghaften Charaktereigenschaften in Beziehung gesetzt. Dazu gehörten auch Persönlichkeitsmerkmale, die sich in der Kindheit gezeigt hatten. Auch hier war ein Zusammenhang zu erkennen und es zeigte sich eine verstärkte Anfälligkeit gegenüber Essstörungen.

Das entwickelte Modell betont den Zusammenhang zwischen Essstörungen und ernsthaften kognitiven Beeinträchtigungen sowie neurologischen Störungen. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten der therapeutischen Intervention, die zusammen mit weiteren gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen zu verbesserten Präventivmaßnahmen und Behandlungsmethoden führen werden.

Prof. David Collier | ctm
Weitere Informationen:
http://www.iop.kcl.ac.uk

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