Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kliniken: wenig Geld, wenige Ärzte

01.12.2004


Kostendruck und Personalmangel gehören derzeit mit zu den drängendsten Problemen für deutsche Krankenhäuser. Nachdem der Europäische Gerichtshof entschieden hat, dass der Bereitschaftsdienst der Klinikärzte auf deren Arbeitszeit angerechnet werden muss, wollen die Krankenhäuser den Dienst nun umstrukturieren. Neun von zehn Kliniken planen dafür in den kommenden Jahren zusätzliche Investitionen, so ein Ergebnis des „Branchenkompasses 2004 Gesundheitswesen“ von Mummert Consulting und dem F.A.Z.-Institut.


Ob eine einfache Neuordnung ausreicht, ist fraglich: Als Folge des Gerichtsurteils müssen in den kommenden Jahren schätzungsweise 15.000 weitere Ärztestellen besetzt werden. Das führt neben Kosten- auch zu Personalproblemen: Schon jetzt sind fast 5.000 Arztstellen in Kliniken vakant – obwohl die Zahl ausländischer Mediziner steigt.

Die Kosten, die durch die Abschaffung des Bereitschaftsdienstes entstehen, betragen nach Schätzung des Marburger Bundes in den kommenden drei Jahren rund eine Milliarde Euro. Durch die Abschaffung der Ausbildungszeit als „Arzt im Praktikum“ (AiP) am 1. Oktober 2004 kommen noch einmal zirka 300 Millionen Euro pro Jahr hinzu. Berufsanfänger können nun sofort Assistenzarzt werden. Diese Maßnahme soll den Anreiz einer ärztlichen Berufslaufbahn erhöhen. Derzeit wollen immer weniger Absolventen eines Medizinstudiums noch als Arzt arbeiten; im vergangenen Jahr waren es nur 45 Prozent eines Studienjahrganges. Grund für die sinkende Beliebtheit des Arztberufes sind die unattraktiven Arbeitsbedingungen: Extrem lange Arbeitszeiten und leistungsunabhängige Bezahlung schrecken junge Mediziner ab. Auch der hohe Arbeitsaufwand zur Erfüllung bürokratischer Vorschriften sowie sich unablässig ändernde gesetzliche und kassenärztliche Bestimmungen erschweren die Entscheidung für den Arztberuf. Viele Absolventen eines Medizinstudiums suchen daher Beschäftigung in anderen Berufsfeldern wie der Unternehmensberatung, der Krankenversicherung oder der Pharmazie.


Wegen der unattraktiven Arbeitsbedingungen im ärztlichen Bereich wandern auch viele Mediziner ins Ausland ab. So arbeiten derzeit in Norwegen rund 650 deutsche Ärzte, in Großbritannien sogar 2.600. Wie viele Mediziner insgesamt Deutschland jedes Jahr den Rücken kehren, ist nicht bekannt. Die Ärztewanderung ist jedoch nicht eingleisig, es kommen auch ausländische Ärzte in die Bundesrepublik. Diese stammen häufig aus Osteuropa, wo das Lohnniveau deutlich unter dem deutschen liegt. Ende 2003 waren insgesamt 17.318 ausländische Ärzte in der Bundesrepublik tätig, 9.360 davon an Krankenhäusern – das sind 12,3 Prozent mehr als im Vorjahr. In den Kliniken der neuen Bundesländer werden vakante ärztliche Stellen inzwischen fast nur noch mit Ärzten aus Polen, Russland, der Ukraine, Tschechien und der Slowakei besetzt.

Um das Personalproblem im ärztlichen Bereich längerfristig lösen zu können, müssen die Kliniken die Arbeitsbedingungen für Mediziner verbessern, was jedoch weitere Kosten verursacht. Um den steigenden Kostendruck zu bewältigen, rationalisieren die meisten Krankenhäuser. Dazu gehören verschiedene Maßnahmen: Über 70 Prozent der Kliniken wollen demnächst ihre interne Logistik optimieren; rund die Hälfte plant, durch den Bettenabbau im Rahmen der DRGs das erforderliche Pflegepersonal abzubauen, so Befragungsergebnisse des „Branchenkompasses Gesundheitswesen“. Von 2004 bis 2006 soll zirka ein Zehntel aller Investitionen in die Standardisierung von Geschäftsprozessen fließen.

Diese Presseinformation basiert auf der Studie „Branchenkompass 2004 Gesundheitswesen“ von Mummert Consulting und dem F.A.Z.-Institut. Für die Studie wurden im Mai 2004 hundert Topmanager aus 35 deutschen und 15 österreichischen Krankenhäusern sowie 50 deutschen Krankenkassen und -versicherungen über ihre Investitionsziele und ihre Marktpolitik bis 2006 befragt.

Mummert Consulting ist eine der führenden europäischen Unternehmensberatungen für Dienstleistungsunternehmen. Zu den Kunden zählen vor allem Kreditinstitute, Versicherungen, öffentliche Dienstleister, die Energiewirtschaft und das Gesundheitswesen. Darüber hinaus berät das Unternehmen weitere Dienstleistungsunternehmen in speziellen Aufgabenstellungen, für die Mummert Consulting hervorragendes Know-how besitzt. Beispiele hierfür sind Telekommunikations- und Logistikunternehmen. Mit rund 1.200 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 144,5 Millionen Euro (nach IAS im Konzern im Geschäftsjahr 2003) gehört Mummert Consulting zu den Top Ten der Branche in Deutschland.

| Mummert Consulting
Weitere Informationen:
http://www.mummert-consulting.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie