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Deutsche Jugendliche sind Europameister im Zigarettenrauchen

04.06.2004


Zum sechsten Mal haben Forschungsteams aus fast allen europäischen Ländern die Ergebnisse der Studie "Health Behavior in School Children (HBSC)" vorgelegt. Die Erhebung bei über 160.000 Jugendlichen in 35 europäischen Ländern sowie den USA und Kanada, an der Deutschland mit 5.600 Jugendlichen beteiligt war, wurde im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation durchgeführt.



"Die gesundheitliche Situation der deutschen Jugendlichen ist im internationalen Vergleich nicht schlecht", so Projektleiter Prof. Klaus Hurrelmann und die beiden Gesundheitswissenschaftler Matthias Richter und Anja Langness, die die deutsche Studie an der Universität Bielefeld mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung und des Landesministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie NRW durchgeführt haben. "Aber beim Konsum von Zigaretten sind die deutschen Jugendlichen Europameister. Bei den 15-jährigen gehören 25% der Jungen und 27% der Mädchen zu den täglichen Konsumenten. Diese Zahlen sind ungewöhnlich hoch. In ihnen schlägt sich der hohe Druck wider, sich als eine interessante Persönlichkeit zu profilieren. Im Unterschied zu anderen Ländern spiegelt sich aber auch die unklare und unglaubwürdige Tabakpolitik von Bundes- und Landesregierungen. Angesichts der verheerenden gesundheitlichen Folgen des täglichen Zigarettenkonsums sind dringend überzeugende Präventionsprogramme und klare Rechtsgrundlagen erforderlich", so die Bielefelder Gesundheitswissenschaftler.



Die Untersuchungen in den 35 beteiligten Ländern werden jeweils zum gleichen Zeitpunkt mit einem identischen Erhebungsinstrumentarium durchgeführt. Auf diese Weise war es möglich, die Gesundheitsdaten der 11- bis 15-jährigen Jugendlichen in allen Ländern miteinander zu vergleichen. Hieraus können Schlüsse gezogen werden, welche gesundheitspolitischen Schritte besonders dringlich sind. In Deutschland sind sie bei Tabak nötig. "Zigarettenrauchen ist ein Indiz für geringe Lebenszufriedenheit, negative gesundheitliche Selbsteinschätzung und geringen Schulerfolg. Wer viel raucht hat auch schlechte Beziehungen zu den Eltern. Insgesamt sind Zigaretten ein klares Zeichen für einen persönlichen Entwicklungsdruck", so Professor Hurrelmann.

Auch der Alkoholkonsum ist hoch

Auch beim Konsum von Alkohol fallen deutsche Jugendliche unangenehm auf. Sie liegen hinter den Briten, Holländern und Dänen im oberen Viertel. So berichten 15% der 13-Jährigen und 46% der 15-Jährigen von wöchentlichem Alkoholkonsum. Bezüglich alkoholbedingter Rauscherfahrungen befinden sich die 13- und 15-Jährigen im oberen Mittelfeld der Länderrangfolge. So berichten 39% der 15-Jährigen Deutschen, dass sie bereits zwei oder mehr Rauscherfahrungen gemacht haben. Das Einstiegsalter für Alkoholkonsum liegt in Deutschland bei 13 Jahren; der erste Alkoholrausch findet mit durchschnittlich 14 Jahren statt. Auch diese Werte sind im europäischen Vergleich hoch.

Das Ernährungsverhalten ist recht gut

In vielen anderen Bereichen schneiden die deutschen Jugendlichen hingegen gut ab. Täglicher Obst- und Gemüsekonsum ist in allen beteiligten Ländern relativ niedrig und nimmt darüber hinaus mit zunehmendem Alter ab. Nur etwa 38% der 11-Jährigen, 33% der 13-Jährigen und 29% der 15-Jährigen essen täglich Obst. In allen Altersgruppen essen zudem Mädchen häufiger täglich Obst als Jungen. In Bezug auf Gemüsekonsum ist ein ähnliches Muster festzustellen. In Deutschland berichten durchschnittlich 40% der Jugendlichen von täglichem Obstkonsum und 31% von täglichem Gemüsekonsum. Für Deutschland zeigt sich damit ein relativ zufrieden stellendes Ergebnis.

Jungen sind in allen Ländern signifikant häufiger übergewichtig als Mädchen. Im Durchschnitt aller Länder ist etwa jeder fünfte Junge übergewichtig, allerdings steigt diese Zahl in den USA, dem Land mit den höchsten Raten an Übergewichtigen, auf über ein Drittel an. In Deutschland sind durchschnittlich 11 % der 13- und 15-Jährigen von Übergewicht und Adiositas betroffen. Jugendliche aus Deutschland finden sich mit anderen Mittel- bzw. Westeuropäischen Ländern (wie z.B. Frankreich, Österreich und Belgien) in der Mitte der Länderrangfolge wieder.

Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ebenso wie Diätverhalten sind sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen verbreitet. Nach wie vor glauben mehr Mädchen als Jungen, sie seien zu dick (mehr als jedes dritte Mädchen im Vergleich zu etwa jedem fünften Jungen). 42% der Mädchen und 23% der Jungen in Deutschland machen derzeit eine Diät oder denken, eine Diät machen zu müssen. Dieses Verhalten nimmt bei Mädchen mit dem Alter deutlich zu, bei den Jungen bleibt es in allen Altersgruppen relativ konstant.

In Deutschland finden sich unabhängig vom Geschlecht und Alter im internationalen Vergleich mit die höchsten Raten von Kindern und Jugendlichen, die mit ihrem Körper unzufrieden sind. So sind durchschnittlich 39% der Befragten mit ihrem Körper unzufrieden, sie nehmen sich als ein wenig oder viel zu dick wahr. Durchschnittlich 34% der Jugendlichen machen zur Zeit eine Diät oder sind der Meinung, eine Diät machen zu müssen.

In Bezug auf die körperliche Aktivität befindet sich Deutschland in allen Altersgruppen eher im unteren Bereich. Eine noch geringere körperliche Aktivität findet sich nur unter 11- und 13-Jährigen in Frankreich, Belgien und Estland. 11- und 13-Jährige aus Deutschland sind im Durchschnitt etwa einen ganzen Tag pro Woche weniger körperlich aktiv als Jugendliche aus den Ländern mit den höchsten Raten an körperlicher Betätigung. Auch die Rate der deutschen Kinder und Jugendlichen, die an fünf oder mehr Tagen in der Woche für mindestens eine Stunde körperlich aktiv sind, ist im internationalen Vergleich eher unterdurchschnittlich.

Bei Mobbing und Schlägereien an der Spitze

Die Studie zeigt weiter, dass Mobbing und die Beteiligung an Schlägereien unter den 11- bis 15-Jährigen verbreitet ist. Jeder dritte Jugendliche gibt an, im vergangenen Jahr an mindestens einer Form aggressiven Verhaltens beteiligt gewesen oder ihr zum Opfer gefallen zu sein. Jedoch schwanken auch diese Zahlen deutlich im Ländervergleich. Deutschland befindet sich bei den 13- und 15-Jährigen unter den ersten vier Ländern, die besonders hohe Mobbingraten aufweisen. Dies trifft auch auf wiederholtes Mobbing von Mitschülern zu. Auch bei Mobbing-Opfern weist Deutschland hohe Raten auf und befindet sich bei den 13- und 15-Jährigen unter den zehn Ländern mit den jeweils höchsten Raten. Deshalb sind nach Auf-fassung der Bielefelder Wissenschaftler dringend Präventionsmaßnahmen an deutschen Schulen gefordert. Inzwischen berichten 30% der deutschen Kinder und Jugendlichen, dass sie in den letzten 12 Monaten in eine Schlägerei verwickelt waren.

Kontakt: Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Telefon 0521/106 4669.

Dr. Gerhard Trott | WHO
Weitere Informationen:
http://www.euro.who.int/eprise/main/who/progs/yph/hbsc/20030130_2
http://www.uni-bielefeld.de/Universitaet/Einrichtungen/Pressestelle/dokumente/Pressemitteilung_WHOStudie.pdf
http://www.uni-bielefeld.de/Universitaet/Einrichtungen/Pressestelle/dokumente/Faktenblatt_WHOStudie.pdf

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