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Globaler Trend zum Offshoring bei Finanzdienstleistern

29.07.2003


Offshoring, ein strategisches Konzept, das sich in den USA bereits bewährt hat, verspricht auch europäischen Finanzdienstleistern eine Verbesserung ihrer Position im internationalen Wettbewerb. Mittel- und langfristig lassen sich Einsparpotenziale von 30 Prozent und mehr erschließen.


Dies ergab eine Studie, die die Top-Management-Beratung A.T. Kearney heute in Frankfurt vorstellte. Besondere Bedeutung kommt hier Standorten in Osteuropa zu. Gleichzeitig sieht A.T. Kearney Nachholbedarf bei den europäischen Banken und Versicherungen.

US-Finanzdienstleister verlagern derzeit verstärkt administrative Aktivitäten außer Landes. Davon versprechen sie sich Einsparungen in Höhe von über 30 Milliarden US-Dollar jährlich. Dieser Trend zum Offshoring hat nun auch Europa erreicht, so Robert Kremlicka, Leiter der Financial Institutions Group bei A.T. Kearney in Zentraleuropa: "Um ihre Profitabilität im internationalen Wettbewerb zu erhalten, müssen auch europäische Finanzinstitute die Möglichkeiten des Offshoring nutzen." Heute werden in Europa die Vorzüge des Offshoring nur zögerlich genutzt, so Andreas Pratz, Autor der Studie: "Die Initiativen konzentrieren sich bislang in erster Linie auf die Konsolidierung der Transaktionsabwicklung im Inland. Die Verlagerung von Funktionen in Niedriglohnländer findet nur selten statt."


Einsparungen von rund fünf Milliarden Euro jährlich

Dennoch werden auch europäische Banken und Versicherungen signifikante Einsparpotenziale durch die verstärkte Auslagerung personalintensiver Back-office-Aktivitäten realisieren können. Binnen fünf Jahren können so Einsparungen von bis zu fünf Milliarden Euro jährlich erreicht werden. Längerfristig werden die Europäer darüber hinaus auch komplexere Geschäftsprozesse in anderen Ländern ansiedeln und damit ihren amerikanischen Wettbewerbern folgen. Dies dürfte das Einsparpotenzial verdoppeln.

"Grundsätzlich eignen sich alle standardisierbaren und personalintensiven Geschäftsprozesse für eine Offshore-Verlagerung", so Pratz. Dazu zählen neben den IT-Services und der Transaktionsabwicklung auch Finanzen und Rechnungswesen, Call Center sowie analytische und technische Services.

Im Fokus: Osteuropa

Bei der Auswahl von Offshoring-Zielen setzen Europas Finanzdienstleister andere Akzente als ihre US-Kollegen: Während 90 Prozent der US-Unternehmen Indien für sehr attraktiv halten, sind es bei den Europäern nur knapp die Hälfte. Dagegen interessieren sie sich deutlich stärker für zentral- und osteuropäische Länder wie Ungarn, Rumänien oder die Slowakei.

Dabei nehmen sie auch bewusst Nachteile in Kauf: Während der Offshoring-Standort Indien langfristig ein Einsparpotenzial von bis zu 50 Prozent verspricht, dürfte dieses in Osteuropa bei 30 Prozent liegen. Im Gegenzug sind Offshoring-Initiativen in Osteuropa allerdings auch deutlich einfacher zu realisieren. Pratz dazu: "Besonders wegen der Öffnung der Europäischen Union gewinnt Offshoring zunehmend an Bedeutung, da die heutigen Personalkostenunterschiede auch mittelfristig attraktiv bleiben dürften. Allerdings ist bei einem Offshoring für europäische Finanzdienstleister die sprachliche, rechtliche und steuerliche Vielfalt zu berücksichtigen. Von den EU-Kandidaten erscheint derzeit Ungarn als ein besonders attraktiver Standort."

Pratz ist optimistisch: "Zunächst müssen die Institute Voraussetzungen schaffen. Dazu gehört ein weiteres Standardisieren der Prozesse, ein konsequentes Bündeln von Volumina im Heimatmarkt sowie die Definition der gewünschten Service-Level. Unsere Studie zeigt, dass europäische Finanzdienstleister die Chancen erkannt haben und aktiv an Lösungen arbeiten, mit denen sie den Vorsprung der US-Unternehmen rasch aufholen können."

Marion M. Sommerwerck | A.T. Kearney
Weitere Informationen:
http://www.atkearney.de

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