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Die erfolgreichsten Einwanderer in San Francisco

09.09.2002


Weltweite Studie: Die erfolgreichsten Einwanderer in San Francisco

Es sind nicht die Schweden, nicht die Italiener, nicht die Mexikaner. Es sind Pflanzen, die die erfolgreichsten Einwanderer in San Francisco sind. Müssen diese erfolgreichen Pflanzen bekämpft werden? Führen sie zum Verlust der Vielfalt in Städten im Sinne der Deklaration des Weltgipfels für Umwelt in Rio 1992 bzw. Johannesburg 2002? Warum breiten sich diese Pflanzen in Städten aus und was sind die Gründe für den Erfolg dieser Stadtpflanzen? Gibt es weltweit erfolgreiche Besiedler in Großstädten?
Solchen und ähnlichen Fragen geht ein Forschungsprojekt von Professor Dr. Norbert Müller (FH Erfurt, Landschaftsarchitektur) nach, das er in seinem Forschungssemester mit Kollegen aus San Francisco, Los Angeles, New York, Berlin, Rom und Tokyo durchführt. Dazu arbeitet er derzeit an verschiedenen Universitäten in den amerikanischen Städten und führt entsprechende Feldstudien durch.

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Erste Ergebnisse besagen jetzt: Die erfolgreichsten Einwanderer in San Francisco kommen aus Europa. Zumindest ist das bei den Pflanzen so. Auf der Liste der Top Ten der erfolgreichsten Stadtpflanzen liegen die europäischen Einwanderer ganz vorne. Besonders sind erfolgreich sind davon einjähriges
Rispengras, Gänsedistel und Vogelknöterich, die Down Town in San Francisco sogar noch in Pflasterritzen überleben. Aber auch der aus Südeuropa als Gemüse eingeführte Fenchel hat sich aus den Gärten in den Grünflächen der Stadt eingebürgert. Während er auf Brachflächen geduldet ist, wird er von den Naturschützern in San Francisco auf den wenigen natürlichen Felsenhügeln, die nicht der Besiedlung zum Opfer fielen, heftig bekämpft. Ein fast aussichtsloser Kampf, wenn man die jetzt im Herbst blühende mannshohe Staude an allen Ecken sehen und riechen kann. Aussichtsloser ist der Kampf gegen ein südafrikanisches Gras, das sich erst seit 30 Jahren überall in der Stadt in Parks, Gärten, Brachflächen und Wegrändern rasant ausgebreitet hat.

Professor Müller lehrt seit 1998 am FB Landschaftsarchitektur der FH Erfurt Landschaftspflege und Naturschutz. Er kann bereits auf einige Forschungserfahrung zum Thema zurückgreifen. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit den Wildpflanzen in Großstädten und hat 1997 ein Jahr in Tokio gearbeitet. Neben dem vielfältigen Austausch mit Kollegen aus aller Welt arbeitet in dem Projekt auch eine wissenschaftliche Mitarbeiterin aus dem Institut für Ökologie in Berlin mit.
Neben den wissenschaftlichen und naturschützerischen Erkenntnissen sind die Ergebnisse dieser Studie vor allen Dingen auch wichtig für die Stadt- und Grünplanung in der Stadt. Den schließlich machen die häufigsten Wildpflanzen den Hauptanteil der Biomasse in der Stadt aus und beeinflussen damit positiv das Klima und den Wasserhaushalt in der Stadt. Häufig sind sie die einzigen Elemente von Natur, mit denen der Stadtbewohner täglich Kontakt hat. Sie sind aber auch die Pflanzen in der Stadt, die keine gärtnerische Pflege benötigen. In Zeiten immer knapper werdenden Haushaltsmittel gewinnen sie darum auch aus ökonomischer Sicht zunehmend Bedeutung.

Der Kontakt zu Professor Müller ist derzeit nur per Mail über n.mueller@fh-erfurt.de. Er hält sich in SF auf und hat von dort Zugriff auf seine Mailbox.

Roland Hahn | idw

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