Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

One Man, One Dollar? Erhöht das Spendenlimit den Einfluss des "kleinen Mannes" auf den Wahlausgang?

24.04.2008
Die Vorstellung, dass die Fähigkeit, Spenden zu sammeln, ein Maß der öffentlichen Unterstützung für einen Kandidaten darstellt, findet in der (amerikanischen) Öffentlichkeit große Zustimmung.

So verkünden derzeit Hillary Clinton und Barack Obama regelmäßig ihr jeweiliges Spendenergebnis, um ihren Anspruch auf die Präsidentschaftskandidatur zu untermauern. Nicht nur aus diesem Grunde ist die Festlegung einer Höchstgrenze für Spenden zur Wahlkampffinanzierung eine wichtige Verordnung des amerikanischen Wahlgesetzes.

Ein weit verbreitetes Argument für diese Beschränkung lautet, dass unabhängig von ihrem Vermögen alle Wählerinnen und Wähler die gleiche Chance erhalten sollen, den Wahlausgang in ihrem Sinne zu beeinflussen. Das Wahlkampfbudget, so die Argumentation weiter, stünde dann unmittelbar in Relation zur "wahren" Popularität eines Kandidaten bzw. einer Kandidatin. Implizit geht dieses Argument also davon aus, dass "populäre" Kandidaten einen größeren Anteil ihres Budgets aus kleinen Spenden erhalten, während diejenigen, welche Einzelinteressen vertreten, einen größeren Anteil ihres Geldes von großen Einzelspendern erhalten.

In seiner Studie "One Man, one Dollar"? Campaign contribution limits, equal influence, and political communication" entwickelt Christoph Vanberg vom Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena erstmals ein formales Modell zur empirischen Überprüfung des "Gleichstellungsarguments" und schätzt dieses Modell unter Verwendung der Daten der Wahlen zum amerikanischen Repräsentantenhaus der Jahre 1992 bis 2000. Seine Ergebnisse weisen in die entgegengesetzte Richtung: Nicht die "wirklich populären" unter den Kandidierenden profitieren von der Festsetzung eines Spendenlimits, vielmehr sind gerade sie es, die besonders auf hohe Einzelspenden angewiesen sind. Dieses Ergebnis nährt Zweifel daran, ob eine Begrenzung der Spendenhöhe wirklich geeignet ist, zu einer Demokratisierung des amerikanischen Wahlrechts beizutragen.

... mehr zu:
»Spendenlimit

Zum Modell: Das Modell geht davon aus, dass die Kandidierenden sowohl beobachtbare und somit kommunizierbare als auch nicht beobachtbare/nicht kommunizierbare Charakteristika haben. Sowohl kommunizierbare als auch nicht kommunizierbare Eigenschaften können jeweils solche sein, die von den Wählerinnen und Wählern erwünscht bzw. abgelehnt werden. Durch das Senden von Nachrichten, in denen die Kandidierenden ihre - von der Wählerschaft positiv bewerteten Eigenschaften kommunizieren - gelingt es ihnen, die Stimmen bislang uninformierter Wählerinnen und Wähler zu erhalten. Für das Senden dieser Nachrichten werden die eingeworbenen Spendenmittel verwendet. Nutzbringend aus Sicht des uniformierten Teils der Wählerschaft wäre es also, wenn "wirklich populäre" Kandidierende über ein höheres Budget verfügten und damit mehr Stimmen erringen könnten.

Für eine zweite Gruppe, die der "informierten Wählerinnen und Wähler" macht das keinen Unterschied. Sie nutzen andere, "objektive" Informationsquellen und wissen, welcher Kandidat bzw. welche Kandidatin "besser" ist. Hält man, so das Modell, die Ausgaben aller Kandidierenden auf gleicher Höhe, lässt sich über das Wahlverhalten der informierten Wähler beobachten, welcher Kandidat bzw. welche Kandidatin "besser" ist. Wenn nun der Kandidat bzw. die Kandidatin, welche/-r das Wahlkampfbudget aus einer größeren Zahl von kleineren Einzelspenden erzielt hat, die Wahl gewinnt, würde dies das Gleichstellungsargument unterstützen.

Kontakt:
Max-Planck-Institut für Ökonomik, Jena, Christoph Vanberg, Forschungsgruppe Strategische Interaktion, https://people.econ.mpg.de/~vanberg/.

Vanberg, Christoph, "One Man, One Dollar"? Campaign contribution limits, equal influence, and political communication, Journal of Public Economics, 92 (2008), 514-531.

Petra Mader | idw
Weitere Informationen:
http://www.econ.mpg.de

Weitere Berichte zu: Spendenlimit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten