Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie der Bertelsmann Stiftung: Zu viel Zeitaufwand für Bürokratie

04.02.2008
Belastung von Bürgern kann um über 20 Prozent verringert werden

Die Bundesbürger haben im Alltag erhebliche bürokratische Hürden zu überwinden -das kostet nicht nur Nerven, sondern auch viel Zeit und Geld. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, mit der die Bürokratiebelastung der Deutschen erstmals gemessen wurde.

Dabei wurden exemplarisch drei Gruppen untersucht: Eltern von behinderten Kindern, Angehörige von pflegebedürftigen älteren Personen und ehrenamtliche Vorstände von Fußballvereinen. Die Messung erfolgte nach dem sogenannten Standardkosten-Modell, mit dem auf Bundesebene bereits die Bürokratiebelastung von Unternehmen erhoben wird. Dabei wurde deutlich: Die Informationspflichten von Menschen in besonderen Lebenssituationen könnten um über 20 Prozent reduziert werden.

Demnach werden in Deutschland rund 162.000 behinderte Kinder von ihren Eltern gepflegt. Diese verbringen rund 40 Stunden im Jahr damit, ihre bürokratischen Pflichten zu erfüllen. Bei allen Eltern zusammengenommen sind das 6,4 Millionen Stunden im Jahr. Eine ihrer 23 Informationspflichten ist beispielsweise der Antrag auf nicht-technische Pflegehilfsmittel. So müssen Eltern durchschnittlich alle fünf Wochen den Weg zum Arzt antreten, um immer wieder neue Rezepte für Windeln oder Pflegesalben abzuholen, obwohl die Behinderung auf Dauer besteht. Längerfristige ärztliche Verordnungen könnten mindestens die Hälfte dieser Arztbesuche einsparen. Die Studie zeigt, der bürokratische Zeitaufwand von Eltern behinderter Kinder kann insgesamt um über ein Viertel verringert werden - durch einheitliche Formularvordrucke, bundesweite Infoportale, eine unabhängige Patientenberatung und Langzeitrezepte.

Auch für die beiden anderen Gruppen zeigt sich ein großer bürokratischer Aufwand. Die Angehörigen pflegebedürftiger älterer Menschen verwenden rund 32 Stunden im Jahr auf ihre gesetzlichen Informationspflichten. In Deutschland gibt es 1,2 Millionen pflegebedürftige ältere Menschen, für die deren Angehörige neben der Pflege insgesamt 36,6 Millionen Stunden bürokratischen Aufwand erfüllen müssen. Ein großes Problem für die Angehörigen ist die fehlende Zugänglichkeit von Informationen - sie brauchen summiert rund sieben Millionen Stunden im Jahr, um sich zu informieren und beraten zu lassen. Der zeitliche Aufwand von pflegenden Angehörigen könnte um 23 Prozent gesenkt werden.

Bei der Gruppe der ehrenamtlichen Vorstände von Fußballvereinen sind es sogar 42 Stunden im Monat, die sie unbezahlt und freiwillig für Bürokratie einsetzen müssen. Hier handelt es sich nur um die Pflichten gegenüber dem Staat. Die erheblichen Informationspflichten gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund sind noch nicht berücksichtigt. Neben der zeitlichen Belastung kommt ein großer finanzieller Aufwand für die ehrenamtlichen Vorstände von Fußballvereinen hinzu. Kosteneinsparungen von bis zu einer Million Euro sind hier möglich.

"Mit dem Standardkosten-Modell können wir nicht nur aufzeigen, wie hoch die Belastung bestimmter Gruppen ist, sondern auch wie diese verringert werden kann", so Frank Frick, Projektleiter Agenda Moderne Regulierung in der Bertelsmann Stiftung. "Sicher muss der Staat über viele Leistungen, die er für seine Bürger erbringt, Bescheid wissen. Das ist wichtig für die Gesetzgebung. Aber Menschen in besonderen Lebenssituationen dürfen deshalb vom Staat nicht unnötig mit Bürokratie belastet werden. Und die Studie zeigt, dass Bürokratieabbau möglich ist, ohne berechtigte Informationsinteressen des Staates einzuschränken", so Frick.

Rückfragen an: Frank Frick, Telefon: 0 52 41 / 81-81 253
E-Mail: frank.frick@bertelsmann.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen
01.02.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie