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Soziale Absicherung von türkischen Einwanderern. Studie vergleicht Deutschland und Australien

17.12.2007
Die soziale Absicherung von Einwandererfamilien ist nicht nur in Deutschland ein aktuelles Thema. Prof. Dr. Claudia Derichs wird im Rahmen eines vom DAAD-geförderten Forschungsprojekts den Blick weit über Deutschland hinaus, ganz genau nach Australien richten und gemeinsam mit Forscherkollegen der Monash University das Verhalten muslimisch-türkische Migrantengemeinschaften untersuchen.

Das Hauptaugenmerk gilt der Frage, ob türkische Muslime in beiden Ländern auf die traditionellen islamischen Institutionen sozialer Sicherung zurückgreifen oder sich vollständig auf die vom Staat gewährten Sozialleistungen einlassen. Derichs erwartet aus dem bis 2009 angelegten Projekt Ergebnisse, welche für den Umgang mit kultureller Diversität neue, für die Sozialpolitikformulierung verwertbare Erkenntnisse hervorbringen.

Das Projekt richtet sich auf die Untersuchung der Konzepte von sozialer Sicherung innerhalb der türkisch-muslimischen Migrantengemeinschaften in Austra-lien und Deutschland. Die Förderung dieses Projekts ist in eine Kooperation des DAAD mit der Gruppe der besten acht Universitäten Australiens (Group of eight) einzuordnen. Durch die Kooperation mit der Monash University, die zu diesem Australischen Exzellenzcluster zählt, wurde die Hildesheimer Forschergruppe um Professorin Derichs in das Förderprogramm aufgenommen.

Der gemeinsame Antrag der beiden Universitäten konnte sich gegen 93 Wettbewerber durchsetzen und zählt nun zu der Gruppe von 26 bewilligten Projekten. Den beteiligten Wissenschaftlern stehen jährlich cirka 20.000 Euro vor allem für Reisekosten zur Verfügung. Gemeinsame Workshops und Feldforschungsunternehmungen sowie eine gemeinsame Buchpublikation sind das Ziel der Arbeitskooperation und können durch die finanzielle Unterstützung realisiert werden.

Forschungsziel

Hinsichtlich der Projektziele orientieren sich beide Arbeitsgruppen auf substanzielle Erkenntnisse zum Verhältnis zwischen der Inanspruchnahme traditioneller nicht-staatlicher und formaler staatlicher Sozialleistungen in den Wohlfahrtgesellschaften Australiens und Deutschlands. Die untersuchten Bevölkerungsgruppen sind in beiden Fällen die türkisch-muslimischen Migrantengemeinschaften in den urbanen und industriellen Ballungsräumen (Melbourne in Australien, das Ruhrgebiet in Deutschland). In beiden Ländern sind diese Gemeinschaften in besonderer Weise vom Rückgang der industriellen Güterproduktion betroffen worden und stellen heute einen vergleichsweise hohen Anteil der arbeitslosen/arbeitsuchenden Bevölkerung. Ihre soziale Mobilität ist auch in der zweiten und dritten Generation im Vergleich zur Mehrheitsgesellschaft niedriger. Die sozialen Sicherungssysteme in Australien und Deutschland erfassen die Migrantengemeinschaften, stellen jedoch unserer Vermutung nach nicht die einzigen Quellen dar, um Arbeitslosigkeit, Armut oder sozialen Abstieg abzufedern. Inwieweit indes traditionelle Institutionen des Islam wie baitumal oder zakat in einer säkular organisierten, mehrheitlich nicht-muslimischen Gesellschaft zum Tragen kommen, ist ein Erkenntnisziel der Projektarbeit.

Dr. Iris Klaßen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hildesheim.de/

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