Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Altenheim braucht Innovationen

03.09.2008
Wachsender Versorgungsbedarf bei Personalengpässen - IAT begleitet innovatives Projekt der stationären Altenhilfe

Im Alter ins Heim will eigentlich keiner - trotzdem erweist sich die stationäre Altenhilfe zurzeit als stark wachsender Sektor der Gesundheitswirtschaft, der auch in den nächsten Jahrzehnten große Bedeutung haben wird. Die Branche muss sich jedoch wegen des zunehmenden Versorgungsbedarfs und ungelöster Personalprobleme schwierigen Herausforderungen stellen.

Das zeigen aktuelle Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Fachhochschule Gelsenkirchen zur Situation der stationären Altenhilfe in Deutschland. Neben politischen und wissenschaftlichen Anstrengungen ist insbesondere auch die Initiative der Träger gefragt, innovative Entwicklungsprojekte können Vorbild sein.

2005 wurden von den offiziell 2.128.550 pflegebedürftigen Menschen 1.451.968 (68,2%) zu Hause gepflegt und 676.582 (31,8%) in einer stationären Pflegeeinrichtung. Dabei verzeichnet der stationäre Sektor gegenüber der Versorgung zu Hause wesentlich stärkeren Zuwachs: Während die Zahl der ambulant betreuten Leistungsempfänger von 2000 bis 2006 um 3,9% anstieg, lag die Steigerung stationär im selben Zeitraum bei 17,4%. Das Altenheim ist also keineswegs ein "Auslaufmodell", sondern auf Wachstumskurs, zumal laut Prognosen die Zahl der Pflegebedürftigen von heute rund 2,13 Millionen auf 3,36 Millionen im Jahr 2030 steigen soll. Die Beschäftigtenzahlen in den Heimen stiegen von 1999 bis 2005 von 440.940 auf 546.397, also um 23,9%. Sie stellen damit rund 12% der etwa 4,7 Millionen Menschen, die in der Gesundheitswirtschaft arbeiten.

Trotz des Wachstums bleibt die Personalsituation durch enge Stellenpläne, Krankheitsausfälle, Qualifikationsdefizite und Nachwuchsprobleme angespannt. Gleichzeitig steigt der Grad der Pflegebedürftigkeit, weil viele Alte so lange wie möglich in der eigenen Wohnung leben und erst sehr spät in ein Heim ziehen. Nicht selten führen Selbst- und Fremdgefährdung zum Umzug, in vielen Fällen auch fortschreitende demenzielle Erkrankungen. Nach Schätzungen sind rund 60% aller Bewohner in Pflegeheimen demenziell verändert.

"Die Schere zwischen fachlich feststellbarem Pflegebedarf und der Personalausstattung hat sich in den letzten Jahren auf diese Weise immer weiter geöffnet", stellt der IAT-Gesundheitswirtschafts-Experte Christoph Bräutigam fest. Insbesondere demenziell veränderte Personen erfordern häufig zeitaufwändige individuelle Begleitung, Zuwendung und Beaufsichtigung, die kaum noch leistbar ist. "Vorstellungen von der Altenpflege als einer zwar körperlich belastenden, intellektuell aber eher einfachen Tätigkeit, die vor allem ein "gutes Herz" verlangt, gehen an der Realität und den gewachsenen Qualitätsansprüchen vorbei", so Bräutigam.

Trotz hohen Engagements von Beschäftigten und Leitungen sind viele Einrichtungen von einer allgemein zufrieden stellenden Qualität und professionellen Pflege noch weit entfernt. Aber es existieren Beispiele guter Praxis, die verdeutlichen, wie auch unter den gegebenen Bedingungen eine fachlich gute, menschenwürdige Pflege leistbar ist, die zu einer guten Lebensqualität pflegebedürftiger alter Menschen entscheidend beiträgt. So wurde beispielsweise in dem EU-geförderten deutsch-niederländischen Projekt "Messen, bewerten, besser werden" unter wissenschaftlicher Begleitung des IAT ein praxistaugliches Modell für das Qualitätsmanagement entwickelt. Die Ergebnisse des dreijährigen Projekts der Altenheime der Stadt Mönchengladbach sollen auch weiteren Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden.

IAT Forschung Aktuell, Nr. 09/2008 im Internet:
Bräutigam, Christoph, 2008: Die stationäre Altenhilfe: Situation, Herausforderungen und beispielhafte Entwicklung. Internet-Dokument. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik

http://www.iat.eu/publikation/fa.php

Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:
Christoph Bräutigam,
Durchwahl: 0209/1707-222, E-Mail: braeutigam@iat.eu
Institut Arbeit und Technik
der Fachhochschule Gelsenkirchen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14, 45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176, Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iat.eu

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iat.eu
http://www.iat.eu/publikation/fa.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie