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Alkoholiker: Wer andern hilft, ist schneller trocken

01.02.2011
Austausch von Erfahrungen bestätigt sich als Therapie

Wer mit einem Alkohol- oder Drogenproblem kämpft und anderen Menschen in der gleichen Situation hilft, schafft den Ausstieg leichter. Dieses einfache Therapiekonzept der Anonymen Alkoholiker (AA) wurde nun auch wissenschaftlich bestätigt.

"Wer anderen hilft, ist weniger egozentriert und selbstsüchtig, was oft die Wurzel der Krankheit ist. Davon profitieren die Trinkgewohnheiten, jedoch auch Körper und Psyche", berichtet die Psychiaterin Maria E. Pagano von der Case Western Reserve University in der Zeitschrift "Alcoholism Treatment Quarterly".

Verzicht gelingt leichter

Pagano verglich mehrere große US-Studien zu Alkoholismus. Immerhin 40 Prozent der Alkoholiker gelingt es demnach im Anschluss an eine dreimonatige medizinische Therapie, mindestens ein Jahr lang auf jeglichen Alkohol zu verzichten, wenn sie dabei anderen in einer ähnlichen Situation halfen. Von denen, die es nicht taten, gelang nur 22 Prozent der Verzicht. Bessere Ergebnisse erzielten die Helfer auch bei der Therapietreue, bei der Anfälligkeit für Depressionen sowie im eigenen Selbstbild.

Bereitschaft zum Aufhören nötig

"Die wichtigste Hilfe, die Alkoholkranke anderen weitergeben können, sind die eigenen Erfahrungen", erklärt Hermann Pelstring, zweiter Vorsitzender der Anonymen Alkoholiker Interessengemeinschaft e.V. http://www.anonyme-alkoholiker.de , im pressetext-Interview. Die Lebensgeschichten und Gefühlssituationen von Alkoholikern ähneln sich und sind daher vergleichbar. "Voraussetzung für ein positives Ergebnis ist jedoch die Bereitschaft der Gesprächspartner, mit dem Trinken aufzuhören", so der Experte.

Mut statt Zeigefinger

An das Prinzip der gegenseitigen Hilfe halte sich die Anonymen Alkoholiker seit ihrer Gründung vor 75 Jahren. Der Austausch erfolgt in regelmäßigen Meetings sowie außerhalb im informellen Kontakt der Mitglieder. "Man redet dabei über sich selbst, hört von anderen, wie sie im Alltag Probleme meistern, erhält jedoch auch Rückmeldung über eigene Stärken", so Pelstring. Die Methode kommt ganz ohne den erhobenen Zeigefinger aus und belässt jedem die Freiheit im Handeln. "In kritischen Situationen gibt das Kraft und den Mut, die Flasche stehen zu lassen, was bei einer Rückfallkrankheit wie Alkoholismus wichtig ist."

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://casemed.case.edu

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