Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alkohol und Tabak in der Schwangerschaft: Fachleute bewerten Risiken für das Ungeborene unterschiedlich

03.09.2008
Schweizer Gynäkologen und Hebammen schätzen die Gefahren des Rauchens und Trinkens während der Schwangerschaft unterschiedlich ein.

Entsprechend uneinheitlich sind ihre Empfehlungen zum Tabak- und Alkoholkonsum an Schwangere. Dies ergab eine Studie, die Forschende der Universität Basel im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit durchgeführt haben.

Konsumieren Frauen während der Schwangerschaft Nikotin oder Alkohol, besteht die Gefahr einer Fehlentwicklung beim ungeborenen Kind. Bereits mässiger Konsum dieser Substanzen kann die Entwicklung eines Kindes kurz- oder langfristig beeinflussen, wobei der schädigende Effekt mit der Dosis steigt. Auch eine Mangel- oder Fehlernährung kann die vorgeburtliche Entwicklung beeinträchtigen.

Wie Schweizer Fachleute die werdenden Mütter auf den Konsum von schädlichen Substanzen und ihr Ernährungsverhalten ansprechen und wie sie über allfällige Risiken aufklären, haben Forschende der Universität Basel im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit untersucht. Sie befragten dazu rund 850 Gynäkologinnen, Gynäkologen und Hebammen in der ganzen Schweiz.

Unterschiedliche Risikoeinschätzung

Neun von zehn Frauenärztinnen und -ärzten fragen Schwangere nach ihren Rauchgewohnheiten und erklären ihnen die damit verbundenen Risiken. Die meisten empfehlen den Frauen, während der Schwangerschaft ganz auf Zigaretten zu verzichten. Eine Mehrheit spricht auch den Alkoholkonsum an, doch plädiert hier nur etwas mehr als die Hälfte für eine strikte Abstinenz. Vier von zehn Gynäkologinnen und Gynäkologen belassen es beim Rat, höchstens ab und zu ein Glas zu trinken.

Auch von den Hebammen thematisiert eine deutliche Mehrheit den Zigaretten- und Alkoholkonsum und informiert über die Risiken. Die Meinungen gehen indes auseinander, ob während der Schwangerschaft Zigaretten und Alkohol in reduziertem Mass konsumiert werden dürfen. Rund die Hälfte der befragten Hebammen empfiehlt, auf beide Genussmittel ganz zu verzichten, während die andere Hälfte zu einer Reduktion des Zigaretten- und Alkoholkonsums rät. Fast ein Viertel der Hebammen hält zwei bis drei Gläser Alkohol pro Woche für unbedenklich.

Weit verbreitet sind routinemässige Abklärungen zu Lebensmittelrisiken, zur Versorgung mit Mikronährstoffen wie z.B. Vitaminen und Spurenelementen, zum Gewichtsverlauf und zu Schwangerschaftsdiabetes. Hingegen scheint es noch wenig üblich zu sein, Schwangere auf allfällige Essstörungen anzusprechen.

Fachgesellschaften gefordert

Ob eine Hebamme oder ein Gynäkologe zu Zurückhaltung oder Abstinenz rät, hängt davon ab, wie gross die Fachperson das Risiko von Nikotin- und Alkoholkonsum für das Kind einschätzt. Die uneinheitlichen Empfehlungen zeigen, dass Standards fehlen, wie Fachpersonen Schwangere über den Konsum von schädlichen Substanzen befragen und an welche Richtwerte sie sich halten sollen. Eine Mehrheit ist überzeugt, dass sich die Prävention mit der Einführung von Richtlinien durch die entsprechenden Fachgesellschaften verbessern liesse. Zugleich fänden sie es nützlich, wenn in ihrer Aus- und Weiterbildung dem Alkohol- und Tabakkonsum von Schwangeren mehr Platz eingeräumt würde und sie über besseres Informationsmaterial verfügten.

Originalbeitrag
Grob, A. & Lemola, S. (2008). Substanzkonsumscreening in der Schwangerschaftsvorsorge. Schlussbericht einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit.
Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Alexander Grob,
Institut für Psychologie der Universität Basel,
Missionsstrasse 60/62, 4055 Basel,
Tel. 061 267 05 70, E-Mail: Alexander.Grob@unibas.ch

Reto Caluori | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie