Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 3. Quartal 2010

23.11.2010

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung vom 12. November 2010 mitgeteilt hat, war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – preis-, saison- und kalenderbereinigt – im dritten Quartal 2010 nach vorläufigen Berechnungen um 0,7% höher als im zweiten Quartal. Somit hat sich der Aufschwung der deutschen Wirtschaft weiter fortgesetzt, wenn auch – wie nach dem Rekordergebnis im zweiten Vierteljahr erwartet – mit etwas abgeschwächtem Tempo.

Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt, verkettet
(saison- und kalenderbereinigte Werte nach Census X-12-ARIMA)
Veränderung gegenüber dem Vorquartal: 2009 2010
1. Vierteljahr 2. Vierteljahr 3. Vierteljahr 4. Vierteljahr 1. Vierteljahr 2. Vierteljahr 3. Vierteljahr

– 3,4% + 0,5% + 0,7% + 0,3% + 0,6% + 2,3% + 0,7%

Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Die inländische Verwendung hatte dabei den größeren Anteil am Anstieg des BIP im Berichtsquartal: Die privaten Konsumausgaben sind nun schon das dritte Vierteljahr in Folge gestiegen (+ 0,4%), wenn auch nicht ganz so deutlich wie die staatlichen (+ 1,1%). In Ausrüstungen wurde wiederum deutlich mehr investiert (+ 3,7%) als im zweiten Quartal 2010. Dagegen gingen die Bauinvestitionen leicht zurück (– 0,4%), was allerdings nach dem starken, von Nachholeffekten geprägten zweiten Quartal 2010 nicht überrascht.

Der Außenhandel stützte auch im dritten Vierteljahr 2010 den Aufschwung der deutschen Wirtschaft: Die Exporte von Waren und Dienstleistungen (+ 2,3%) stiegen zum Vorquartal etwas stärker als die Importe (+ 1,9%), sodass der Exportüberschuss (Außenbeitrag) einen Wachstumsbeitrag von 0,3 Prozentpunkten am BIP hatte.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den Vorjahresvergleich:

Auch im Vorjahresvergleich hat die Wirtschaftsleistung wieder kräftig zugelegt: Das preisbereinigte BIP stieg im dritten Quartal 2010 gegenüber dem dritten Quartal 2009 um 3,9%.
Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt, verkettet (Ursprungswerte)
Veränderung gegenüber dem Vorjahr: 2009 2010
1. Vierteljahr 2. Vierteljahr 3. Vierteljahr 4. Vierteljahr 1. Vierteljahr 2. Vierteljahr 3. Vierteljahr

– 6,3% – 6,8% – 4,4% – 1,3% + 2,2% + 4,3% + 3,9%

Die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2010 wurde nach vorläufigen Berechnungen von 40,7 Millionen Erwerbstätigen im Inland erbracht, das waren 307 000 Personen oder 0,8% mehr als ein Jahr zuvor.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigen, ist im dritten Quartal 2010 um 3,1% gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal gestiegen. Je Erwerbstätigenstunde hat sich die Arbeitsproduktivität dagegen nach ersten vorläufigen Berechnungen nur um 0,7% erhöht. Ursache hierfür ist der Anstieg der durchschnittlichen Arbeitszeit je Erwerbstätigen um 2,4% im Vergleich zum dritten Quartal 2009. Wesentlich dazu beigetragen haben die verringerte Inanspruchnahme von Kurzarbeit sowie der leichte Anstieg der normalen Wochenarbeitszeit und der Überstunden.

Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche war im dritten Vierteljahr 2010 um 4,1% höher als ein Jahr zuvor. Maßgeblichen Anteil an diesem Anstieg hatte wiederum das Verarbeitende Gewerbe mit einem deutlichen Plus von 10,4%. Allerdings hatte es hier 2009 auch die stärksten Rückgänge in Folge der Wirtschaftskrise gegeben. Auch das Baugewerbe (+ 3,5%) sowie die Dienstleistungsbereiche sind gegenüber dem Vorjahr gewachsen: Handel, Gastgewerbe und Verkehr um 3,9%, Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister um 2,5% sowie öffentliche und private Dienstleister um 2,1%.

Auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts kamen die Wachstumsimpulse auch im Vorjahresvergleich sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Die fast unverminderte Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland hat dazu geführt, dass auch im dritten Quartal 2010 preisbereinigt deutlich mehr exportiert wurde als vor einem Jahr (+ 16,5%). Die Importe stiegen etwas weniger stark (+ 15,2%). Der daraus resultierende Exportüberschuss (Außenbeitrag) lieferte einen Wachstumsbeitrag von + 1,1 Prozentpunkten zum BIP.

Im Inland wurde im dritten Quartal 2010 im Vorjahresvergleich sowohl deutlich mehr konsumiert als auch investiert. So lagen die privaten Konsumausgaben im Vorjahresvergleich erstmals seit über einem Jahr wieder über ihrem Vorjahresniveau und stiegen preisbereinigt um 1,2%. Der Staat erhöhte ebenfalls seine Konsumausgaben, und zwar um 1,6%. Daneben sorgten insbesondere die Investitionen von Staat und Unternehmen dafür, dass sich der Aufschwung der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal 2010 fort­setzte: Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen preisbereinigt um 11,4% gegenüber dem dritten Quartal 2009, die Bauinvestitionen um 4,4%. Der Lageraufbau setzte sich im Vorjahresvergleich in abgeschwächter Form fort (Wachstumsbeitrag der Vorratsveränderungen zum BIP: + 0,5 Prozentpunkte).

Für die inländische Verwendung insgesamt ergibt sich daraus ein Anstieg von 2,9% gegenüber dem dritten Quartal 2009.

In jeweiligen Preisen gerechnet war das Bruttoinlandsprodukt im Berichtsquartal um 4,2% und das Bruttonationaleinkommen um 3,8% höher als im dritten Quartal 2009. Das Volkseinkommen, das sich aus dem Arbeitnehmerentgelt und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen zusammensetzt, hat um 5,0% zugenommen. Während das Arbeitnehmerentgelt aber lediglich um 3,1% anstieg, verzeichneten die Unternehmens- und Vermögenseinkommen einen deutlicheren Zuwachs von 8,7%. Die Nettolöhne und -gehälter der Arbeitnehmer waren trotz deutlich gestiegener Sozialbeiträge um 4,0% höher als vor einem Jahr, da die gezahlte Lohnsteuer der Arbeitnehmer das sechste Quartal in Folge zurückging. Je Arbeitnehmer im monatlichen Durchschnitt gerechnet war der Anstieg der Nettolöhne und -gehälter mit 3,1% etwas weniger stark, da auch die Anzahl der Arbeitnehmer im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen ist (+ 0,8%). Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte hat sich um 3,0% erhöht. Die nominalen Konsumausgaben der privaten Haushalte waren um 3,1% höher als im Vorjahresquartal. Daraus errechnet sich für die Sparquote der privaten Haushalte im dritten Vierteljahr 2010 ein Wert von 9,6% – wie vor einem Jahr.

Im Zusammenhang mit der erstmaligen Berechnung des dritten Vierteljahres 2010 wurden auch die bisher veröffentlichten Ergebnisse für die ersten zwei Quartale 2010 überarbeitet. Dabei wurden die Veränderungsraten des BIP in beiden Quartalen nach oben revidiert, und zwar um bis zu 0,2 Prozentpunkte. In einzelnen Komponenten des BIP fallen die Korrekturen deutlich größer aus. Darüber hinaus kann es bei einzelnen saison- und kalenderbereinigten Reihen zu geänderten Ergebnissen in der gesamten Zeitreihe kommen.

Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen können auf den Seiten des Fachbereichs abgerufen werden. Außerdem werden in der Fachserie 18 "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen", Reihe 1.2 "Vierteljahresergebnisse" (Bestellnummer 2180120) sowie Reihe 1.3 "Saisonbereinigte Vierteljahresergebnisse nach Census X-12-ARIMA und BV 4.1" (Bestellnummer 2180130) tiefer gegliederte Ergebnisse zur Verfügung gestellt. Diese und weitere Veröffentlichungen sind online im Publikationsservice des Statistischen Bundesamtes kostenfrei erhältlich. Einen ausführlichen Qualitätsbericht für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen finden Sie in der Rubrik "Qualitätsberichte".

Weitere Auskünfte gibt:
VGR-Infoteam,
Telefon: +49 611 75 2626,
E-Mail: bip-info@destatis.de

| Statistisches Bundesamt
Weitere Informationen:
http://www.destatis.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Statistiken:

nachricht Frauenanteil in Professorenschaft 2015 auf 23 % gestiegen
14.07.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Mehr Habilitationen von Frauen im Jahr 2015
28.06.2016 | Statistisches Bundesamt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Statistiken >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften