Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Nordsee wird nicht das neue Mittelmeer

01.10.2010
Abschluss-Workshop des DFG-Schwerpunktprogramms „Aquashift“ in Kiel

Sechs Jahre lang haben Wissenschaftler von 16 deutschen Forschungseinrichtungen im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Aquashift“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Auswirkungen von Klimaschwankungen auf das Leben im Wasser untersucht – mit teils überraschenden Ergebnissen.

Beim Abschlussworkshop vom 4. bis 7. Oktober in Kiel treffen sich rund 200 Experten, darunter Gäste aus insgesamt 18 Nationen, um die Resultate zu diskutieren.

Wein, der sogar in Dänemark gedeiht, atlantische Planktonarten, die sich plötzlich in der Arktis wohl fühlen – auf den ersten Blick verschiebt der Klimawandel die Verbreitungsgebiete vieler Pflanzen- und Tierarten immer weiter in Richtung der Pole. „Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Die Zusammenhänge sind viel komplexer, zumindest im Wasser. Das wissen wir jetzt“, sagt Professor Ulrich Sommer, Meeresbiologe am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Sommer hat in den vergangenen sechs Jahren das Schwerpunktprogramm „Aquashift“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) koordiniert. 150 Wissenschaftler von 16 deutschen Universitäten und Instituten haben sich dabei mit den Auswirkungen von Klimaschwankungen auf Tiere und Pflanzen im Süß- und Meerwasser beschäftigt. Das Projekt endet in diesem Herbst. Vom 4. bis 7. Oktober findet in Kiel der Abschlussworkshop statt.

Während des Workshops werden noch einmal zahlreiche Einzelergebnisse aus den verschiedenen Arbeitsbereichen zusammengetragen. „In einer Beziehung sind alle vergleichbar: Die Temperatur ist nur einer von sehr vielen Faktoren, die Veränderungen in einem Ökosystem bestimmen. Und jedes Ökosystem ist anders“, erklärt Professor Sommer. So waren die Wissenschaftler immer wieder überrascht, weil sie auf Einflüsse stießen, die in bisherigen Überlegungen zum Klimawandel kaum eine Rolle spielten. „Ein sehr einfaches, aber plastisches Beispiel ist das Licht. Steigende Wassertemperaturen können zu früherem Phytoplanktonwachstum führen. Wenn gleichzeitig aber die Wolkenbedeckung in den entscheidenden Wachstumsphasen zunimmt, bekommt das Plankton weniger Licht, und der Effekt kann sich umkehren“, erläutert Professor Sommer. Auch die Beziehungen zwischen den einzelnen Arten eines Ökosystems spielen eine wichtige Rolle. „Erst wenn man all diese Wechselbeziehungen in einem Ökosystem versteht, kann man verlässliche Aussagen treffen, wie es sich bei verändertem Klima verhält“, sagt Sommer. Der Klimawandel verwandle die Nordsee also nicht automatisch in eine Kopie des Mittelmeers, sondern verändere sie in einer ganz eigenen Weise. „Wie genau, müssen viele weitere Studien in jedem Ökosystem zeigen“, betont er.

Zum Abschlussworkshop in Kiel haben sich knapp 200 Wissenschaftler angemeldet, darunter auch viele Experten aus dem Ausland. „Wir begrüßen Sprecher und Gäste aus insgesamt 18 Nationen. Das zeigt das internationale Interesse an den Ergebnissen aus dem Aquashift-Programm“, sagt Sommer. Auf Grundlage dieser Ergebnisse arbeiten viele Arbeitsgruppen nach dem Ende von Aquashift weiter in ihren jeweiligen Spezialgebieten, auch in internationalen Kooperationen. „Für uns in Kiel steht dabei der Ausbau einer Forschungsinfrastruktur von Mesokosmen im Vordergrund, mit der auf europäischer Ebene weitere Versuche zum Planktonwachstum bei sich verändernden Umweltbedingungen durchgeführt werden können“, beschreibt Professor Sommer die Aufgaben der Zukunft.

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/go/aquashift

Weitere Berichte zu: Klimaschwankung Klimawandel Mittelmeer Nordsee Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Wärmebildkameras, Infrarotthermometer und deren richtige Anwendung
21.02.2017 | Optris GmbH

nachricht Pflanzen und Böden besser verstehen
21.02.2017 | Hochschule Rhein-Waal

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungen

Problem Plastikmüll: Was können wir gegen die Verschmutzung der Meere tun?

23.02.2017 | Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Alternativer Therapieansatz für die Fettspeicherkrankheit Morbus Gaucher

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Kühler Zwerg und die sieben Planeten

23.02.2017 | Physik Astronomie