Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissen, was zwischen den Sternen liegt: DFG fördert Erforschung des Interstellaren Mediums

17.06.2010
Der Raum zwischen den Sternen ist nicht leer, sondern gefüllt mit geladenen Teilchen, Atomen, Molekülen sowie Staubkörnern. Er wird beeinflusst durch Sternstrahlung, stellare Explosionen, Gravitationseffekte und Magnetfelder. Diese Mixtur nennt man das Interstellare Medium, kurz ISM. Seine Bedeutung für die Entwicklung der Galaxien ist enorm, denn im ISM entstehen die Sterne. Dort findet man die Staubkörner und organischen Moleküle aus denen später Planeten und Leben entstehen kann.

Bis heute weiß man jedoch nur wenig über Struktur und Entwicklung des Interstellaren Mediums. In dem neuen Schwerpunktprogramm „Physics of the Interstellar Medium“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 14,4 Millionen Euro über sechs Jahre gefördert wird, soll ab Juni 2010 unter der Leitung des Departments für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München Licht in die noch unerforschten Bereiche des ISM gebracht werden.

„Wir wollen erstmals ein konsistentes Modell des ISM entwickeln, in dem alle bekannten und teilweise hoch komplexen dynamischen und chemischen Prozesse berücksichtigt sind und das eine solide physikalische Basis für viele Bereiche der Astrophysik liefert, in denen das ISM eine Rolle spielt“, sagt der Koordinator Andreas Burkert, Professor für Astronomie und Astrophysik an der LMU.

In einer gemeinsamen Zusammenarbeit zwischen Forschern an deutschen Universitäten und Wissenschaftlern der Max-Planck-Institute soll ein tief greifendes und umfassendes physikalisches Verständnis des ISM und der damit verbundenen dynamischen Prozesse erarbeitet werden. Bekannt ist, dass die durchschnittliche Dichte des ISM 1 cm-3 beträgt und damit so gering ist, dass sie auf der Erde nicht nachgebildet werden kann. Die ISM bietet somit ein faszinierendes Feld, um die Physik von stark verdünnten Gasen, chemischen Prozessen und Atom-, Molekül- und Festkörperphysik unter extremen Bedingungen zu studieren. Im Vergleich zu den Sternen enthält das interstellare Gas mit einem Teilchenanteil von einem Prozent nur wenig schwere Elemente. Das Gros, nämlich 90 Pozent, entfällt auf atomaren und molekularen Wasserstoff, neun Prozent sind Helium. Neben dem Gas spielt auch der interstellare Staub eine wichtige, noch nicht vollständig erforschte Rolle im Gefüge des ISM. Seine Zusammensetzung ist nicht zweifelsfrei geklärt. Nachgewiesen wurden bislang Silikate, Grafit und Eisen. Die Körner sind „nadelförmig“und richten sich im Magnetfeld der Galaxie aus. Das Licht der Sterne wird durch den interstellaren Staub teilweise absorbiert.

Die Physik des ISM spielt eine entscheidende Rolle in vielen Bereichen der Astronomie. Die Entstehung und Entwicklung von Galaxien zählt ebenso dazu wie die Bildung von Sternen, Fragen zur Häufigkeit der Struktur und dem Wachstum der Staubkörner, die die Grundbausteine der Planeten darstellen. Trotz dieser großen Bedeutung des ISM, ist seine Struktur und Entwicklung noch kaum verstanden. Neue Beobachtungen mit leistungsfähigen Teleskopen haben jedoch zu einem Paradigmenwechsel in unserem Verständnis des ISM geführt. Das bisher zur Anwendung kommende Gleichgewichtsmodell muss ersetzt werden durch ein hochdynamisches Modell von stark gekoppelten, interaktiven und turbulenten Mischgas-Phasen, die weit vom Gleichgewicht entfernt sind und die ständig durch energetische Prozesse durchmischt und bewegt werden, die wir noch kaum verstehen. Diesen Paradigmenwechsel wollen die Forscher mit den Mitteln des DFG-Schwerpunktprogramms analysieren und erforschen. (ms)

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Andreas Burkert
Department für Physik
Lehrstuhl für Astronomie und Astrophysik
Tel.: 089 / 2180 - 5992
E-Mail: burkert@usm.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Erforschung von Elementarteilchen in Materialien
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie

nachricht Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis
16.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau