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Das Very Large Telescope der ESO feiert 15 Jahre erfolgreicher Arbeit

23.05.2013
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dieser neuen Aufnahme eines beeindruckenden Sternentstehungsgebiets feiert die ESO das 15-jährige Jubiläum des Very Large Telescope (VLT) - des fortschrittlichsten optischen Instruments der Welt.

Das Bild zeigt dichte Klumpen aus Staub, die sich vor einer rötlich leuchtenden Gaswolke abzeichnen, die unter Astronomen als IC 2944 bekannt ist. Die undurchsichtigen Flecken wirken wie Tropfen dunkler Tinte, die in einem Erdbeercocktail schwimmen. Ihre eigenartigen Strukturen sind durch die energiereiche Strahlung entstanden, die von den nahelegenen hellen, jungen Sternen ausgeht.


Das Very Large Telescope macht einen Schnappschuss eines Sternentstehungsgebiets und feiert damit 15 erfolgreiche Betriebsjahre
Bild: ESO

Dieses neue Bild feiert ein wichtiges Jubiläum für das Very Large Telescope, denn es ist mittlerweile 15 Jahre her, dass das erste der vier Hauptteleskope am 25. Mai 1998 sein „First Light“ hatte. Seitdem wurden die ursprünglichen vier gro0en Teleskope durch vier Hilfsteleskope ergänzt, die Teil des VLT-Interferometers (VLTI) sind. Das VLT ist eine der leistungsstärksten und produktivsten bodengebundenen astronomischen Einrichtungen, die es gibt. Im Jahr 2012 wurden mehr als 600 begutachtete wissenschaftliche Fachartikel basierend auf den Daten des VLT und des VLTI veröffentlicht.

Interstellare Staub- und Gaswolken sind die Kinderstuben, in denen Sterne geboren werden und heranwachsen. Das neue Bild zeigt eine von ihnen, IC 2944. Sie erscheint als ein sanft leuchtender, rötlicher Hintergrund [1]. Dieses Bild ist die schärfste Aufnahme, die jemals von diesem Objekt von der Erde aus gemacht wurde [2]. Die Wolke liegt etwa 6500 Lichtjahre von uns entfernt im südlichen Sternbild Centaurus (der Zentaur). Dieser Teil des Himmels ist die Heimat vieler ähnlicher Nebel, die gründlich von Astronomen untersucht werden, um den Mechanismus der Sternentstehung zu erforschen.

Emissionsnebel wie IC 2944 bestehen hauptsächlich aus Wasserstoffgas, das in einem charakteristischen Rotton leuchtet. Dieses Leuchten wird durch die intensive Strahlung verursacht, die von den vielen hellen, neugeborenen Sternen ausgeht. Gegen diese helle Kulisse zeichnen sich eigenartige, dunkle Klumpen aus undurchsichtigem Staub ab. Diese kalten Wolken sind unter dem Namen Bok-Globulen bekannt. Sie sind nach dem niederländisch-amerikanischem Astronomen Bart Bok benannt, der in den 1940er Jahren als erster die Aufmerksamkeit auf sie lenkte, da sie als mögliche Stätten der Sternentstehung in Frage kamen. Diejenigen Globulen, die in dem Bild zu sehen sind, tragen zusätzlich den Spitznamen Thackeray-Globulen [3].

Größere Bok-Globulen fallen leicht in sich zusammen und bringen neue Sterne hervor, sofern sie sich an einem ungestörten Ort befinden. Die Globulen in diesem Bild jedoch befinden sich sozusagen unter heftigem Beschuss, und zwar durch die UV-Strahlung von nahegelegenen heißen, jungen Sternen. Sie werden dadurch sowohl erodiert als auch fragmentiert, ähnlich wie Butterstücke, die in eine heiße Pfanne geworfen werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Thackeray-Globulen zerstört werden, bevor sie kollabieren und Sterne bilden können.

Bok-Globulen zu untersuchen ist nicht einfach, da sie für sichtbares Licht undurchlässig sind. Dadurch wird es für Astronomen schwer, ihre inneren Vorgänge zu beobachten, so dass andere Mittel benötigt werden, um ihre Geheimnisse zu enthüllen. Das Werkzeug dazu stellen Beobachtungen im Infrarot- und Submillimeterbereich des elektromagnetischen Spektrums dar. In diesem Wellenlängenbereich leuchten zum Beispiel Staubwolken hell auf, deren Temperatur nur einige Grad über dem absoluten Nullpunkt liegt. Solche Untersuchungen der Theckaray-Globulen haben bestätigt, dass in ihrem Inneren zur Zeit keine Sternentstehung abläuft.

Diese Himmelsregion wurde schon früher vom NASA/ESO Hubble Space Telescope (opo0201a) abgebildet. Dieses neue Bild des FORS-Instruments am Very Large Telescope der ESO auf dem Paranal-Observatorium im Norden Chiles [4] deckt jedoch einen größeren Ausschnitt des Himmels ab als Hubble und zeigt die gesamte Sternentstehungslandschaft.

Endnoten

[1] Der Nebel IC 2944 gehört zum hellen Sternhaufen IC 2948, so dass beide Namen manchmal auch mit der gesamten Region assoziiert werden. Viele der hellen Sterne des Sternhaufens tauchen in diesem Bild auf.

[2] Das Seeing während der Aufnahme des blauen Bildes fü dieses Farbkomposit war besser als 0,5 Bogensekunden, was außergewöhnlich gut für ein bodengebundenes Teleskop ist.

[3] Sie wurden 1950 von dem englischen Astronomen A. David Thackaray von Südafrika aus entdeckt.

[4] Dieses Bild stammt vom Cosmic Gems-Programm (wörtlich „kosmische Edelsteine“), einer ESO-Initiative zur Erstellung von astronomischen Aufnahmen für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Das Programm nutzt hauptsächlich Zeiten, während derer die Beobachtungsbedingungen nicht den strengen Ansprüchen wissenschaftlicher Beobachtungsarbeit genügt, um Bilder von interessanten, faszinierenden oder von Himmelsobjekten anzufertigen, die einfach schön anzusehen sind. Die Bilddaten sind anschließend im wissenschaftlichen Archiv der ESO für jedermann zugänglich. Auch professionelle Astronomen können sie für ihre Zwecke nutzen.
Zusatzinformationen

Der FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph (kurz FORS, wörtlich "Brennweitenreduzierer und niedrigauflösender Spektrograf") ist das vielseitigste Instrument des Very Large Telescope. Die Kombination aus astronomischer Kamera und Spektrograf wurde gemeinsam von den Universitätssternwarten in Heidelberg, Göttingen und München und der ESO entwickelt und gebaut.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner bei den neuartigen Verbundteleskop ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO, Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Handy: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dr. Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org

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