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NASA testet neues Elektro-Mondfahrzeug in Arizona

18.09.2009
Astronauten laden im Notfall die Akkus mittels Hometrainer

Die NASA hat einen Feldtest für das neue Mondfahrzeug "Lunar Electric Rover" (LER) erfolgreich abgeschlossen. Zwei Wochen lang erlebten zwei Astronauten eine simulierte Mondmission in der Wüste von Arizona. Sie verließen das Mondfahrzeug dabei nur in ihren Raumanzügen.


Das neue Mondfahrzeug hat eine Reichweite von 241 Kilometern (Foto: NASA/R.Geeseman)

"Wüsten wie in Arizona eignen sich gut für solche Tests, weil die Bodenbeschaffenheit der am Mond sehr nahe kommt", sagt Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im pressetext-Gespräch. Zwar werde auch Spitzbergen wegen seines felsigen Terrains gern zum Testen von derartigen Fahrzeugen genutzt, die Amerikaner greifen jedoch hauptsächlich auf Wüsten zurück. Der Test wird von US-Experten zwar als ein weiterer Fortschritt auf dem Weg, bis 2020 wieder Menschen auf den Mond zu schießen, gewertet. Dieses ehrgeizige Ziel steht derzeit allerdings auf der Kippe, da eine Kommission das amerikanische Raumfahrtprogramm prüft und kontroverse Diskussionen rund um die Mondpläne der NASA entbrannt sind. Noch laufen die Vorbereitungen für eine neue Mondlandung aber.

Teil der Vorbereitungen ist unter anderem auch die Entwicklung eines neuen Mondfahrzeuges. Die Entwicklung des LER begann schon 2007. "Er ist schon nahe an der vollen Funktionstüchtigkeit", sagt Michael Gernhardt, Astronaut und Manager des Environmental Physiology Laboratory im Johnson-Space-Center. Hatte das erste Mondfahrzeug von 1969 nur eine Reichweite von rund zehn Kilometern, operiert der LER in einem Umkreis von 241 Kilometern rund um die Landefähre. Angetrieben wird das Gefährt dabei von Elektromotoren. Geht dem Vehikel der Strom aus, steht im Inneren ein an die Akkus angeschlossener Hometrainer bereit, um diese wieder aufzuladen.

Das neue Mondfahrzeug verfügt über eine Druck-Kabine, um den Astronauten das sichere Erkunden größerer Areale der Mondoberfläche zu ermöglichen. Das erlaubt ihnen, bei einem unerwarteten Zwischenfall mit dem Fahrzeug im Inneren auf Hilfe zu warten - bei der letzten Mondlandung war der Einsatzbereich des Mondfahrzeugs vor allem deshalb beschränkt, weil die Astronauten im Notfall die Distanz zur Landefähre in ihren Raumanzügen zurücklegen mussten, die wiederum nur für eine Strecke von rund zehn Kilometern Sauerstoffvorräte boten. Dadurch, dass bei zukünftigen Mondmissionen immer mindestens zwei Fahrzeuge auf der Oberfläche des Erdtrabanten aktiv sein sollen, können größere Areale erkundet werden - erleidet eines der Fahrzeuge eine Panne, kommt das andere, um die Besatzung zu retten.

Der LER bewegt sich auf zwölf Rädern fort, die durch zwei Elektromotoren angetrieben werden. Alle Räder sind frei drehbar, wodurch sich das Mondfahrzeug, ähnlich einer Krabbe, seitwärts bewegen kann. "Wenn die Situation kompliziert wird, findet das LER einen Weg, sich zu befreien", sagt Rob Ambrose, ein Roboingenieur des Johnson Space Center, der am Lunar Electric Rover mitarbeitet. Das vier Tonnen schwere Fahrzeug hat einen 20-PS-Motor, befährt Abhänge mit Neigungen von bis zu 30 Grad und kann meterhohe Hindernisse überwinden. "Es ist ein Tier", scherzt Ambrose. Der Akku des LER ist über Kabel aufladbar und auch die Batterietechnik ähnelt der in normalen Elektrofahrzeugen. Die Kabine des LER schützt unter anderem vor Sand- und Solarstürmen, kann aber entfernt werden. Die Astronauten nutzen dann das Fahrgestell des Gefährts, den sogenannten "Chariot", um Erkundungstouren zu machen oder schwere Gegenstände zu transportieren. Das mit vier Tonnen hohe Gewicht des Fahrzeugs wirft zwar Diskussionen auf, wie dieses zum Mond transportiert werden soll, eine Lösung dürfte aber gefunden werden. "Wenn die neuen Ares-Raketen nicht stark genug sind, um die Ausrüstung direkt zum Mond zu schaffen, wird man in der Erdumlaufbahn einen Zwischenstopp machen müssen und es von dort weiter transportieren", sagt Schütz.

Die Versuche in der Wüste von Arizona verliefen jedenfalls vielversprechend. "Die Tests gaben uns die Gelegenheit, die Voraussetzungen, die wir bei einer Forschung erfüllen müssen, die Missions-Szenarios und die Zeitpläne auszuloten", sagt Mission-Manager Joe Kosmos. Der Fokus bei der 14-Tage-Probemission lag neben dem Testen des LER vor allem darauf, die Bedingungen für Astronauten zu prüfen. Auch verschiedene Methoden der Kommunikation, beispielsweise durchgehende, begrenzte und unterbrechungstolerante Netze, wie sie derzeit auch auf der ISS erprobt werden (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090709001/) , wurden in Hinblick auf die Produktivität der Astronauten untersucht. "Wir haben die 14-tägige Mission erfolgreich abgeschlossen und gezeigt, dass zwei Crew-Mitglieder im Inneren des LER diesen Zeitraum gut überstehen", sagt Kosmos. Derzeit werden nur in den USA Pläne, Menschen auf den Mond zu schicken, geschmiedet. "Bei der ESA und dem DLR gibt es diesbezüglich derzeit keine Diskussionen", so Schütz. Unbemannte Forschung auf dem Mond sei jedoch geplant. Ob und wann diesbezüglich Fortschritte zu erwarten sind, hänge unter anderem auch vom Haushaltsplan der neuen deutschen Bundesregierung ab, gibt er zu bedenken.

Dominik Erlinger | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.nasa.gov
http://www.dlr.de

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