Handy, PDA & Co.: Ein Daumen ist nicht genug. Fazit der Leitkonferenz zu mobilen Diensten

Vier Tage präsentierten und diskutieren rund 300 Teilnehmer aus Wissenschaft und Industrie Konzepte und Ideen zu Einsatz und Bedienung von mobilen Geräten. Bedienkonzepte für Handys und PDAs waren ein Schwerpunkt der diesjährigen MobileHCI. Organisatoren waren das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT und die Universität Siegen.

Kernthema der Konferenzserie MobileHCI ist die Gebrauchstauglichkeit von mobilen Geräten in wechselnden Nutzungssituationen. Heutige Geräte sind außerordentlich vielfältig und entwickeln sich ständig weiter. Beispielsweise hat sich das Mobiltelefon in kurzer Zeit vom voluminösen „Tragetelefon“ in ein Mini-Allzweckgerät zum Fotografieren, Navigieren und Interagieren mit Gruppen oder Netzen verwandelt.

„Dabei ist der Benutzer in Bewegung, das heißt, die Interaktion mit den Geräten muss 'nebenbei' und zumeist einhändig erfolgen können – und möglichst, ohne andere Handlungen zu stören“, erläutert Prof. Dr. Reinhard Oppermann vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT, der als General Conference Chair der diesjährigen Konferenz vorsteht. „Beim Mobiltelefon sind neben dem Telefonieren SMS schreiben und die mobile Internetnutzung die meist genutzten Funktionen. Viele Forscher suchen daher nach Lösungen für eine schnelle, bequeme Texteingabe“, so Oppermann weiter.

Beispielsweise stellten Forscher aus Georgia einen Two-Thumb-Charding-Ansatz vor, bei dem der Benutzer nicht einzelne Tasten drückt, sondern Akkorde greift, also mehrere Tasten gleichzeitig drückt. Diese Methode ist schneller, erfordert aber auch einen höheren Lernaufwand. Andere Wissenschaftler untersuchen, wie die Kraft, mit der man auf den Bildschirm tippt, genutzt werden kann, um die Eingabe einfacher zu machen. So erzeugt etwa leichtes Tippen Kleinbuchstaben und starkes Tippen Großbuchstaben.

Einen völlig neuen einhändigen Bedienansatz für Smartphones bietet das „Dual Interface“. Hier ist das Gerät mit einem zusätzlichen Touch-Pad auf der Rückseite ausgestattet. So kann der Benutzer mit Hilfe des Daumens auf der Vorderseite und des Zeigefingers auf der Rückseite sehr effizient navigieren. Noch einen Schritt weiter geht der „HoverFlow“-Ansatz zweier Forscher aus Deutschland. Sie demonstrierten eine neue Form der berührungslosen Gestenerkennung für das iPhone, bei der Infrarot-Distanzsensoren verwendet werden. So entsteht ein erweiterter Interaktionsraum um das Gerät herum. Durch verschiedene Gesten, wie beispielsweise Auf- und Abwärtsbewegungen der Handfläche zum Gerät oder Winkbewegungen von links nach rechts, kann das Gerät bedient werden.

„Insgesamt wurden 176 Forschungsbeiträge aus aller Welt eingereicht, von denen wir etwa ein Fünftel auf der Konferenz zeigen konnten“, berichtete Volker Wulf, Professor für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien an der Universität Siegen und Leiter des Geschäftsfelds Benutzerorientierte Softwaretechnik bei Fraunhofer FIT. Wulf war zusammen mit Prof. Dr. Matthias Jarke und Dr. Markus Eisenhauer, beide ebenfalls Fraunhofer FIT, Program Chair der diesjährigen Konferenz.

Doch nicht alles drehte sich nur ums Handy. Mobile Geräte oder Assistenten direkt integriert in Kleidung oder Sportgeräte gehören heute schon (fast) zum Alltag. Englische Wissenschafter etwa beschäftigten sich in ihrem Beitrag „Tacticycle“ mit dem Design von interaktiven Anwendungen für Fahrradfahrer, z.B. mit Vibration an den Lenkergriffen als Richtungsweiser. Die Autoren stellten auch einen Leitfaden für interaktive Anwendungen für Radfahrer vor, der den Besonderheiten, wie etwa der Sicherheit im Straßenverkehr, den Interaktionsmöglichkeiten bei physischer Anstrengung etc., Rechnung trägt.

In 2009 wurde die MobileHCI vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT und der Universität Siegen ausgerichtet, in Kooperation mit ACM SIGCHI und ACM SIGMOBILE. Unterstützt wurde die MobileHCI 2009 von der B-IT Research School und dem UMIC Cluster on Mobile Communications der RWTH Aachen.

Kontakt:
Alex Deeg
pr@fit.fraunhofer.de
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