Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Füllhorn exotischer Sterne - Neue VISTA-Aufnahme des Sternhaufens 47 Tucanae

10.01.2013
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Diese neue Infrarotaufnahme vom VISTA-Teleskop der ESO zeigt den Kugelsternhaufen 47 Tucanae in beeindruckender Detailfülle.

Der Sternhaufen enthält nicht nur Millionen von Sternen, in seinem Zentrum haben sich auch einige exotische Sterne mit sehr ungewöhnlichen Eigenschaften angesammelt. Die Untersuchung solcher Objekte in Sternhaufen wie 47 Tucanae könnte uns dabei helfen zu verstehen, wie sich diese Sonderlinge bilden und wie sie miteinander wechselwirken.


Der Kugelsternhaufen 47 Tucanae
Bild: ESO/M.-R. Cioni/VISTA Magellanic Cloud survey. Acknowledgment: Cambridge Astronomical Survey Unit

Kugelsternhaufen sind große, kugelförmige Ansammlungen alter Sterne, die durch ihre eigene Schwerkraft zusammengehalten werden. Sie umkreisen die Zentren von Galaxien, ähnlich wie Satelliten die Erde umkreisen. Sie enthalten nur sehr wenig Gas und Staub zusätzlich zu den Sternen, die sich bereits vor Milliarden von Jahren gebildet haben. Man geht davon aus, dass alles zusätzliche Material entweder durch starke Sternwinde und bei Supernovaexplosionen von Sternen aus dem Haufen herausgeblasen oder durch Wechselwirkung des Haufens mit interstellarer Materie herausgerissen wurde.

Aus diesem Grund sind Kugelsternhaufen für Astronomen besonders interessant. 47 Tucanae, der manchmal auch NGC 104 genannt wird, ist ein besonders großer, alter Kugelsternhaufen und etwa 15.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er ist bekannt dafür, viele seltsame, dafür aber umso interessantere Sterne und Sternsysteme zu enthalten.

47 Tucanae befindet sich im südlichen Sternbild Tucana (der Tukan) und umkreist unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße. Er hat einen Durchmesser von etwa 120 Lichtjahren und ist deshalb trotz seiner großen Entfernung mit bloßem Auge am Himmel sichtbar und nimmt dort etwa dieselbe Fläche wie der Vollmond ein. Er besteht aus mehreren Millionen Sternen und ist einer der hellsten und massereichsten Kugelsternhaufen überhaupt [1]. Inmitten der des dichten Sterngetümmels in seinem Zentrum gibt es viele ungewöhnliche Sternsysteme, zum Beispiel solche, die starke Röntgenquellen sind, aber auch veränderliche Sterne, sogenannte Vampirsterne oder außergewöhnlich hell leuchtende „normale” Sterne, die man Blaue Nachzügler nennt. Hinzu kommen kleine Sternleichen, die erstaunlich schnell rotieren, sogenannte Millisekundenpulsare [2].

Rote Riesensterne, die den Brennstoff in ihrem Zentralbereich bereits verbraucht haben und sich daraufhin stark ausgedehnt haben, sind über die gesamte VISTA-Aufnahme verteilt und anhand ihrer tieforangen Farbe, die sich deutlich von dem hellen weißgelben Leuchten der Hintergrundsterne unterschiedet, leicht auszumachen. Der dichte Kernbereich des Kugelsternhaufens steht in starkem Kontrast zu seinen dünn besiedelten Außenbereichen. Im Hintergrund sieht man außerdem die unzähligen Sterne der Kleinen Magellanschen Wolke.

Dieses Bild stammt vom VISTA-Durchmusterungsteleskop der ESO (VISTA steht für Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy) und wurde im Rahmen einer Studie der Umgebung der Magellanschen Wolken aufgenommen, der beiden nächsten Nachbargalaxien unserer Milchstraße. 47 Tucanae befindet sich deutlich näher an der Erde als die beiden Magellanschen Wolken. Da er aber zufällig in derselben Richtung wie die Kleine Magellansche Wolke (eso1008) liegt, wurde er bei der Durchmusterung mit aufgenommen.

VISTA ist das größte Teleskop der Welt, das ausschließlich der Durchmusterung des Himmels gewidmet ist. Es befindet sich am Paranal-Observatorium der ESO in Chile und zeigt den Südsternhimmel als Infrarotteleskop mit hohem Lichtsammelvermögen dank großem Hauptspiegel, großem Gesichtsfeld und hochempfindlicher Kamera in einem völlig neuen Licht. Mithilfe von scharfen Infrarotaufnahmen wie dem hier gezeigten VISTA-Bild in Kombination mit Aufnahmen im sichtbaren Licht können Astronomen die Bestandteile und die Lebensgeschichte von Objekten wie 47 Tucanae detailliert untersuchen.

Endnoten

[1] Es gibt über 150 Kugelsternhaufen, die unsere Milchstraße umkreisen. 47 Tucanae ist nach Omega Centauri (eso0844) der zweitmassereichste von ihnen.

[2] Millisekundenpulsare sind die besonders schnell rotierende Version normaler Pulsare, die wiederum die Überreste längst vergangener Sterne darstellen. Sie haben ein starkes Magnetfeld und senden während ihrer Rotation starke Strahlung aus, die die Erde in Form von Pulsen erreicht. Man kennt 23 Millisekundenpulsare in 47 Tucanae – mehr als in allen anderen Kugelsternhaufen außer einem namens Terzan 5.

Zusatzinformationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT & Survey Telescopes Press Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Handy: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dr. Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Neuer exotischer Teilchenzustand gibt Rätsel auf
31.08.2015 | Excellence Cluster "Universe"

nachricht Forscher entwickeln Methode zur Manipulation von Molekülen
28.08.2015 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrofahrzeuge kabellos laden und entladen

Über ein kabelloses Ladesystem können Elektroautos künftig nicht nur tanken, sondern die Energie ins Stromnetz zurückspeisen. Auf diese Weise helfen sie das Netz zu stabilisieren. Das kostengünstige Ladesystem erreicht hohe Wirkungsgrade – über den vollen Leistungsbereich von 400 Watt bis 3,6 Kilowatt. Die Abstände zwischen Auto und Ladespule können bis zu 20 Zentimeter be- tragen. Auf der Internationalen Automobil Ausstellung IAA in Frankfurt stellen Fraunhofer-Forscher den Prototyp vom 15. bis 18. September 2015 vor (Halle 4, Stand D33).

Es regnet in Strömen. Wer jetzt ein dickes unhandliches Kabel zwischen Elektrofahrzeug und Ladesäule einstecken muss, wird patschnass. Doch es nützt nichts,...

Im Focus: Increasingly severe disturbances weaken world's temperate forests

Longer, more severe, and hotter droughts and a myriad of other threats, including diseases and more extensive and severe wildfires, are threatening to transform some of the world's temperate forests, a new study published in Science has found. Without informed management, some forests could convert to shrublands or grasslands within the coming decades.

"While we have been trying to manage for resilience of 20th century conditions, we realize now that we must prepare for transformations and attempt to ease...

Im Focus: Meeresinseln als Heimat einmaliger Pflanzenarten

Warum leben in manchen Ökosystemen auffallend viele, in anderen Ökosystemen nur wenige Pflanzenarten? Wie kommt es, dass einige Arten jeweils nur in einer bestimmten, klar abgrenzbaren Region der Erde zuhause sind? Mit diesen Fragen hat sich Dr. Manuel Steinbauer in einer Reihe wissenschaftlicher Studien an der Universität Bayreuth befasst. Für seine Forschungsarbeiten wird der Bayreuther Ökologe, der zurzeit als Postdoc an der dänischen Universität Aarhus forscht, mit dem diesjährigen Wilhelm Pfeffer-Preis der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) ausgezeichnet. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Wenn es darum geht, den Gründen für die Verbreitung pflanzlicher Arten auf die Spur zu kommen und theoretische Erklärungsansätze zu überprüfen, sind...

Im Focus: OU astrophysicist and collaborators find supermassive black holes in quasar nearest Earth

A University of Oklahoma astrophysicist and his Chinese collaborator have found two supermassive black holes in Markarian 231, the nearest quasar to Earth, using observations from NASA's Hubble Space Telescope.

The discovery of two supermassive black holes--one larger one and a second, smaller one--are evidence of a binary black hole and suggests that supermassive...

Im Focus: Optische Schalter - Lernen mit Licht

Einem deutsch-französischen Team ist es gelungen, einen lichtempfindlichen Schalter für Nervenzellen zu entwickeln. Dies ermöglicht neue Einblicke in die Funktionsweise von Gedächtnis und Lernen, aber auch in die Entstehung von Krankheiten.

Lernen ist nur möglich, weil die Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn fortwährend umgebaut werden: Je häufiger bestimmte Reizübertragungswege...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Frankfurter Hochhausfassadentage 2015: Frankfurt UAS veranstaltet Symposium und Hochhausführung

31.08.2015 | Veranstaltungen

Erreger unter Superlupen – Aufbruch in unsichtbare Welten

31.08.2015 | Veranstaltungen

Fehlermeldungen des Gehirns auf der Spur

31.08.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fehlgeleitete Galileo-Satelliten für Forschungsmission freigegeben

31.08.2015 | Geowissenschaften

Frankfurter Hochhausfassadentage 2015: Frankfurt UAS veranstaltet Symposium und Hochhausführung

31.08.2015 | Veranstaltungsnachrichten

Siemens-Lösungen unterstützen Diagnose und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen

31.08.2015 | Messenachrichten