Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Forscher starten neues Projekt zur Laserkernfusion

10.10.2008
Am 6. Oktober wurde eine EU-finanzierte Initiative zur Demonstration der Möglichkeit, Kernfusion per Laser zukünftig als größte Energiequelle einzusetzen, auf den Weg gebracht.

An dem Projekt mit dem Namen HIPER (High power laser for energy research) arbeiten 26 Partner aus 10 Ländern zusammen. Neben der Aufgabe, den Weg für den Bau eines großtechnischen Kraftwerks für die Laserkernfusion zu ebnen, wird mit HIPER auch die Erkundung einiger der extremsten im Universum vorkommenden Bedingungen vereinfacht, wie sie z.B. im Mittelpunkt der Sonne oder bei einer explodierenden Supernova herrschen. In der HIPER-Anlage werden Temperaturen von mehreren hundert Millionen Grad herrschen, der Druck wird dem Milliardenfachen des Luftdrucks entsprechen, und es werden enorme elektrische und magnetische Felder erzeugt.

"Für die Kernfusion ist dies eine wirklich aufregende Zeit", meint HIPER-Projektkoordinator Professor Mike Dunne vom Science and Technology Facilities Council (STFC) im Vereinigten Königreich. "Die Europäische Gemeinschaft hat einen Strategieplan erstellt, der sich mit diesem neuen Projekt beschäftigt. 26 Institutionen aus 10 Nationen arbeiten daran, diese Herausforderung zu meistern, und vereinen dafür die Wissenschaft des Extremen mit einer der fesselndsten Fragen unserer Gesellschaft. Kernfusion ist keine kurzfristige Lösung, sondern soll den langfristigen Anforderungen unserer Zivilisation genügen."

Kernfusion ist die Energiequelle der Sonne und der Sterne. Sie tritt auf, wenn Deuterium und Tritium (zwei verschiedene Formen von Wasserstoff) durch äußeren Einfluss zu einem Helium-Atom vereint werden, wobei zusätzlich ein Teilchen, das Neutron, und viel Energie freigesetzt werden. Damit diese Reaktion zustande kommt, muss der Brennstoff auf mehrere Millionen Grad Celsius erhitzt werden. Gewöhnlich dehnt sich ein Material beim Erhitzen aus, und je weiter sich die Atome ausbreiten, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sie zusammenhalten.

Damit die Atome eng beieinander bleiben, muss der Brennstoff auf kleinstem Raum gehalten werden. Eine Möglichkeit hierfür ist der Einschluss des Plasmas in einem magnetischen oder elektrischen Feld. Dieser Ansatz wird im internationalen ITER-Experiment verfolgt, das derzeit in Südfrankreich aufgebaut wird.

Das HIPER-Projekt schlägt einen alternativen Weg ein. Hier werden Laser eingesetzt, um eine winzige Perle des Deuterium-Tritium-Brennstoffs sehr hohem Druck auszusetzen; die Atome des Brennstoffs werden wirkungsvoll zusammengepresst, woraufhin sie sich leichter miteinander verbinden. Anschließend wird der Brennstoff mit einem Hochleistungslaser bestrahlt, wodurch er die für die Fusion erforderliche Temperatur erreicht.

Die Vorbereitungsphase für HIPER soll den Plänen zufolge 2011 zu Ende gehen; eine Übereinkunft zur Errichtung der Anlage sollte etwa zwei Jahre später erzielt werden. Die Projektpartner hoffen, dass kurz darauf mit dem Bau begonnen werden kann, sodass die Anlage bis 2020 fertig gestellt sein wird.

"Die Vorteile der Kernfusionsenergie können vor dem globalen Hintergrund, dass Klimawandel, Umweltverschmutzung, Energiesicherheit und ein unaufhörlich steigender Energieverbrauch zu den größten Problemen der Menschheit geworden sind, nicht genug betont werden", findet Professor Dunne. "HIPER stellt einen überaus wichtigen Schritt zur Lösung dieser Probleme dar."

HIPER wird unter dem Siebten Rahmenprogramm (RP7) finanziert. Es ist eine der Infrastrukturen in der Liste der Europäischen Roadmap für Forschungsinfrastrukturen, die im Oktober 2006 vom ESFRI (Europäisches Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen) veröffentlicht wurde.

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://www.hiper-laser.org
http://cordis.europa.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht ESO-Beobachtungen zeigen, dass der erste interstellare Asteroid mit nichts vergleichbar ist, was wir bisher kennen
21.11.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

nachricht Von Hannover auf Weltreise und zum Mars: LZH liefert Laser für ExoMars 2020 aus
21.11.2017 | Laser Zentrum Hannover e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt

21.11.2017 | Studien Analysen

Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss

21.11.2017 | Informationstechnologie

Nanopartikel helfen bei Malariadiagnose – neuer Schnelltest in der Entwicklung

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie