Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blick in die explosive Vergangenheit der Sterne

19.03.2013
Wer das Archiv des Astronomischen Instituts der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) betritt, kann mit eigenen Augen ein kleines Kapitel der Geschichte des Universums betrachten.

Dort – in der Bamberger Dr.-Remeis-Sternwarte – lagern, in Stahlschränken sicher verwahrt, rund 40.000 gläserne Fotoplatten, die etwa fünf Jahrzehnte aus dem Leben der Sterne zeigen. Ein großer Teil der Aufnahmen ist weltweit einzigartig und für die Forschung von unschätzbarem Wert. Deshalb haben die Wissenschaftler der FAU jetzt begonnen, die Aufnahmen in einem aufwändigen Verfahren zu digitalisieren.


Die etwa 16 mal 16 Zentimeter große Fotoplatte entstand bei der Durchmusterung des Südhimmels und wurde am Boyden-Observatorium in Südafrika aufgenommen. Sie zeigt die Große Magellansche Wolke, die nächste Nachbargalaxie unserer Milchstraße. Mit den Markierungen kennzeichnete ein Forscher, Sterne, die möglicherweise „Veränderliche“ sein könnten.
Foto: FAU

In dem Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, kooperieren sie mit Fachkollegen der Universität Hamburg und dem Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam, die noch einmal insgesamt 45.000 historische Fotoplatten verwahren. Mehrere Generationen von Wissenschaftlern haben daran gearbeitet, das Archiv des Astronomischen Instituts zusammenzutragen. Es beherbergt die Ausbeute zweier Himmelsdurchmusterungen, deren­ Ziel es war, so genannte veränderliche Sterne zu finden – Sterne, deren Helligkeit über längere Zeiträume betrachtet schwankt – und zum Beispiel mehr über den Lebenszyklus der Sterne und die Häufigkeit von Sternenexplosionen herauszufinden.

Im Jahr 1925 haben die Bamberger Astronomen damit begonnen, den nördlichen Sternenhimmel systematisch abzufotografieren. Zwischen 1963 und 1976 widmeten sich die Forscher dann von Observatorien in Südafrika, Neuseeland und Argentinien aus der Beobachtung des Südhimmels. Diese Aufnahmen – immerhin 20.000 Platten – sind weltweit einmalig, denn in den 1960er Jahren gab es keine weiteren astronomischen Projekte, die den Südhimmel überwachten.

Den Sternenhimmel auf eine Fotoplatte zu bannen, war ein aufwändiges Verfahren: Rund eine Stunde musste das Negativ händisch in der Weitwinkelkamera belichtet werden, um auch schwach leuchtende Sterne sichtbar zu machen. Heute stehen den Wissenschaftlern robotisch arbeitende Teleskope zur Verfügung, die über das Internet verbunden sind, außerdem hoch empfindliche Kameras, die selbst schwache Lichtquellen abbilden können.

Mühselig gestaltete sich auch die Auswertung der Fotoplatten, denn jede einzelne zeigt zehntausend bis hunderttausend Sterne. Die Suche nach „Veränderlichen“ war also sprichwörtlich eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Wichtigstes technisches Hilfsmittel der Astronomen war der Blinkkomparator, mit dem sich je zwei Aufnahmen des gleichen Himmelsabschnitts miteinander vergleichen lassen und der ganz ähnlich wie ein Daumenkino funktioniert: Der Apparat zeigt die beiden Fotoplatten abwechselnd in schneller Folge, so dass veränderliche Sterne als blinkende Punkte zu erkennen sind. Auf diese Weise haben FAU-Wissenschaftler rund 1700 solcher Sterne entdeckt, die als die „Bamberger Veränderlichen“ in die Fachliteratur eingegangen sind. „Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs“, meint Prof. Dr. Ulrich Heber vom Astronomischen Institut der FAU. „Mit modernen Computertechniken können wir nun die Liste der Bamberger Veränderlichen verlängern – und das fast 40 Jahre nach dem Ende der Durchmusterungen.“

Deshalb haben die Wissenschaftler die Platten aus den Archiven geholt und damit begonnen, sie in hoher Auflösung einzuscannen und mit den so genannten Logbuch-Einträgen zu verknüpfen. Das sind Notizen, die die Wissenschaftler beim Beobachten und Auswerten der Aufnahmen gemacht haben. Aus diesen Informationen lässt sich zum Beispiel ablesen, wann und wo die Aufnahmen angefertigt wurden. Die gewaltigen Datenmengen, die dabei generiert werden – insgesamt etwa zehn Terabyte –, müssen verarbeitet und mit komplexen Algorithmen genau kalibriert werden. Dann können künftig Wissenschaftler aus aller Welt damit arbeiten. Über das internationale Virtual Observatory werden die Bilder mit unzähligen anderen Himmelsaufnahmen vernetzt und sind jedermann zugänglich. So lassen sich die historischen Aufnahmen mit aktuellen Bildern vergleichen und erlauben ganz neue Erkenntnisse über das Werden, Sein und Vergehen der Sterne ...

Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Ulrich Heber
Tel.: 0951/95222-14
Ulrich.Heber@sternwarte.uni-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.sternwarte.uni-erlangen.de/d_index.html

Weitere Berichte zu: Archiv Astronom FAU Fotoplatten Sternenhimmel Südhimmel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Heiß & kalt – Gegensätze ziehen sich an
25.04.2017 | Universität Wien

nachricht Astronomen-Team findet Himmelskörper mit „Schmauchspuren“
25.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie