Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekülwolken im Zentrum der Milchstraße

09.02.2006


H.E.S.S.-Farbbild der Molekülwolken


Die Teleskope des H.E.S.S.-Experiments in Namibia, 1800 m über dem Meeresspiegel, mit einem Bild von Viktor F. Hess, Entdecker der Kosmischen Strahlung. ©H.E.S.S.-Experiment


H.E.S.S.-Arbeitsgruppe sucht Hadronenbeschleuniger
RUB-Forscher berichten in NATURE



Mit dem in Namibia aufgebauten H.E.S.S. (High Energy Stereoscopic System)-Experiment, einem System von vier miteinander verschalteten Teleskopen, haben Forscher mehrere Molekülwolken im Zentrum unserer Milchstraße im Licht hochenergetischer Photonengammastrahlung entdeckt. Als Quelle für die Strahlung, deren Energie mehr als 100 Giga-Elektronenvolt beträgt, vermuten sie entweder eine Supernova oder das supermassive Schwarze Loch in der Mitte der Milchstraße. "Das europäische H.E.S.S.-Experiment, das kürzlich als Finalist bei der europäischen EU-Descartes Preisvergabe ausgezeichnet wurde, setzt seine bahnbrechenden Entdeckungen damit fort", freut sich Prof. Dr. Reinhard Schlickeiser, Leiter der an der H.E.S.S.-Kollaboration beteiligten RUB-Arbeitsgruppe (Lehrstuhl für Theoretische Physik IV). Über ihre Entdeckung berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin NATURE vom 9. Februar 2006.

Kandidaten für die Beschleunigung

Um Photonen solch hoher Energie zu generieren, müssen geladene Hadronen der kosmischen Strahlung auf noch höhere Energien beschleunigt werden. Hadronen sind Teilchen, die der sog. Starken Wechselwirkung unterliegen. Prominenteste Vertreter sind die Grundbausteine der Atomkerne in der Materie, die Protonen und Neutronen. Im Falle der hochenergetischen Photonengammastrahlung werden meist Protonen beschleunigt, bevor sie im Zusammenstoß mit den Wasserstoffmolekülen in den Molekülwolken neutrale Pionen erzeugen, die dann sofort in hochenergetische Photonen zerfallen. "Das Neuartige an der H.E.S.S.-Beobachtung ist die Erkenntnis, dass die dazu nötige Hadronenintensität weit stärker sein muss als in unserer Sonnensystem-Umgebung, um die gemessene Gammastrahlungsintensität zu erklären", erläutert Prof. Schlickeiser. Ein naher aktiver kosmischer Hadronenbeschleuniger im galaktischen Zentrum sorgt für diese Verstärkung. Die zukünftige genaue Vermessung der Molekülwolkenverteilung und der Gammastrahlenverteilung soll helfen, ihn genau zu lokalisieren. Kandidaten sind sowohl die gigantischen Sternexplosionen (Supernova-Explosionen) im Zentralbereich unserer Milchstraße als auch das supermassive Schwarze Loch in ihrem Zentrum.

Gammastrahlungshimmel unter Beobachtung

Am Lehrstuhl für Theoretische Physik IV (Weltraum- und Astrophysik) der Ruhr-Universität gehen die Forscher Fragestellungen der Hochenergieemission von astronomischen Objekten, insbesondere deren Teilchenbeschleunigung nach. Neben Supernova-Überresten stehen die diffuse galaktische Gammastrahlung, die aus Wechselwirkungen der Kosmischen Strahlung in unserer Milchstraße resultiert, und die Jet-Emission in Aktiven Galaktischen Kernen (AGN) im Fokus der Bochumer Forscher. Für die Erforschung dieses breiten Spektrums an Objekten am Gammastrahlungshimmel nutzen die Bochumer Forscher sowohl Satellitendaten als auch erdgebundene Experimente wie die Teleskope des H.E.S.S.-Experimentes.

Forscher des H.E.S.S.-Experiments genießen internationales Renommée

Neben Prof. Schlickeiser arbeiten in der Bochumer H.E.S.S.-Arbeitsgruppe zurzeit Dipl.-Phys. Ralf Schröder, Dr. Andreas Shalchi und Dr. Felix Spanier. Die anderen Bochumer Ko-Autoren (Dr. Anita Reimer, Dr. Olaf Reimer, Dr. Mark Siewert und Dr. Claudia Schuster) haben das Bochumer Institut verlassen, um Anstellungen an anderen Instituten in Deutschland und den USA wahrzunehmen. "Das H.E.S.S.-Experiment gibt unseren Nachwuchswissenschaftlern einen hervorragenden internationalen Ruf, sodass sie von anderen Forschungsinstitutionen abgeworben werden", stellt Prof. Schlickeiser zufrieden fest. "Das ist einerseits natürlich begrüßenswert. Andererseits müssen wir schnell Absolventen in diesem dynamischen Forschungsbereich ausbilden, um unsere umfangreichen Pflichten, wie die Beobachtungsschichten in Namibia, dem Standort des H.E.S.S.-Teleskops, die Datenauswertung und Dateninterpretation und die begleitende theoretische Modellierung innerhalb der Kollaboration zu erfüllen."

Titelaufnahme

F. Aharonian et.al.: Discovery of very-high-energy g-rays from the Galactic Centre ridge. In: Nature Volume 439 Number 7077, 9. Februar 2006

Weitere Informationen

Prof. Dr. Reinhard Schlickeiser, Lehrstuhl für Theoretische Physik IV, Fakultät für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22032, Fax: 0234/32-14177, E-Mail: rsch@tp4.ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin

Weitere Berichte zu: Molekülwolke Molekülwolken Physik Strahlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Reisetauglicher Laser
22.01.2018 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

nachricht Magnetische Kontrolle per Handzeichen: Team entwickelt elektronische „Haut“ für virtuelle Realität
22.01.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics