Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf der Suche nach der zweiten Erde

22.10.2003


Seitenansicht von Eddington im Weltall


Gibt es Leben auf Monden von Riesenplaneten? Die Suche nach Planeten erfolgt in engen Grenzen der Entfernung vom Mutterstern.


Weit über 100 Exoplaneten sind bislang entdeckt worden. Allesamt Gasriesen, ähnlich dem Jupiter in unserem Sonnensystem. Jetzt will die ESA einen Riesenschritt vorangehen. Mit geschärftem Superblick ihres Weltraumteleskops Eddington sollen ab 2008 erdähnliche – möglicherweise bewohnte – Planeten in den Tiefen des Alls aufgespürt werden. Mehr noch: Sogar Monde, halb so groß wie die Erde, stehen auf der Fahndungsliste.

... mehr zu:
»ESA »Eddington »Exoplanet »Jupiter

Die Planetenjagd soll nunmehr auf die kleinen Monde in fremden Sonnensystemen ausgeweitet werden. Wobei „klein“ ein sehr relativer Begriff ist. Ihr Durchmesser schwankt zwischen wenigen Kilometern bis zu mehreren tausend Kilometern. Ein Mond kann durchaus größer als ein Planet sein – beispielsweise Merkur oder Pluto. Newtons Gravitationsgesetze gelten überall. Selbst Asteroiden können kleine Monde besitzen. Entscheidend sind stets die Relationen zwischen dem jeweilig größeren Körper zu den ihn umkreisenden kleineren Monden.

Allein in unserem Sonnensystem sind inzwischen mehr als hundert Monde unterschiedlichster Größe bekannt. Auch wenn der Beweis noch aussteht: Weshalb sollten Exoplaneten keine Monde als Begleiter haben?


Nachdem über vier Jahrzehnte der Erdmond als nächster Himmelskörper das Ziel zahlreicher Sonden und sogar von Menschen war, rücken die Monde der Riesenplaneten Jupiter und Saturn immer mehr in den Blickpunkt der Betrachtungen. Das heißt jedoch nicht, dass der Erdbegleiter für die Wissenschaftler uninteressant geworden ist, wie die gerade erst gestartete ESA-Mondsonde SMART-1 beweist.

In zwei Jahren landet der von der Europäischen Weltraumorganisation ESA gebaute Lander Huygens – er befindet sich huckepack auf der amerikanischen Muttersonde Cassini – auf dem Saturnmond Titan und kann dann detaillierte Daten zur Erde übermitteln. Damit wird erstmals der Mond eines anderen Planeten direkt untersucht.

Nach den Aufsehen erregenden Fotos des Jupitersystems durch die deutsch-amerikanische Raumsonde Galileo warten die vier großen Monde Io, Europa, Ganymed und Callisto auf ihre detailliertere Erforschung. Besonders Europa ist für die Wissenschaftler interessant, vermuten sie doch, dass sich unter seiner Eisoberfläche ein Ozean befindet. Einige Forscher spekulieren sogar auf mögliches primitives Leben in diesem Ozean.

Eddington: Auf der Jagd nach erdähnlichen Planeten und Monden

In den 20er Jahren äußerte der Namensgeber des ESA-Weltraumteleskops, der britische Astronom Arthur Eddington, „es wäre arg voreilig anzunehmen, dass die Natur das merkwürdige Experiment, das sie auf der Erde durchgeführt hat, nirgends im Universum wiederholt hätte“. Wie Recht der vorausschauende Denker doch hatte. Mittlerweile sind bereits über 100 Exoplaneten, zumeist größer als die Gasriesen Jupiter und Saturn, entdeckt worden.

Damit hat die Jagd nach den fernen Himmelskörpern aber erst begonnen. Mehrere Satelliten mit speziellen Sensoren zur systematischen Suche nach extrasolaren Planeten und deren Monden werden in den nächsten Jahren gestartet. Die ESA beteiligt sich an der Suche u.a. mit dem 2008 zu startenden hochempfindlichen Eddington-Teleskop. Es überwacht die Helligkeit hunderttausender Sterne. Dabei achtet es auf minimalste Helligkeitsänderungen. Eddington ist derart lichtempfindlich, dass es bei einem Schwarm von 20 000 Glühwürmchen das Verlöschen eines einzigen Glühwürmchens in Lichtjahrentfernung feststellen würde.

Wie findet man einen Planeten?

Mit den heutigen Instrumenten auf der Erde oder an Bord von Satelliten ist es nicht möglich, extrasolare Planeten und deren Monde direkt zu erfassen. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, die Begleiter eines Sternes indirekt aus der hochgenauen Messung der Bahnparameter sowie auftretender Helligkeitsänderungen zu ermitteln.
Die am häufigsten angewandte Methode ist das so genannte Transitverfahren: Zieht ein unsichtbarer Himmelskörper – Exoplanet oder Mond – vor seinem Heimatstern entlang, schluckt er einen Teil des Sternenlichts. Diese temporäre Verdunklung registriert der Astronom am Teleskop. Genau so funktioniert Eddington, das mit einem extrem präzisen Photometer für die Erfassung der Helligkeitsschwankungen ausgerüstet ist. Durch die Auswertung längerer Beobachtungsreihen lassen sich so die Umlaufbahnen und die Größe von Sternenbegleitern ermitteln.

Die an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler und Techniker wollen 500 000 Sterne absuchen. Krönung der Mission wäre es, wenn sie erdähnliche Doppelsysteme – Planet plus Mond – in gleicher Entfernung von ihrer Sonne finden könnten. Die Wahrscheinlichkeit, dort extraterrestrische Lebensformen anzutreffen, wäre ziemlich groß. Späteren Generationen bliebe die Kontaktaufnahme vorbehalten.

| European Space Agency
Weitere Informationen:
http://www.esa.int

Weitere Berichte zu: ESA Eddington Exoplanet Jupiter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Schnell wachsende Galaxien könnten kosmisches Rätsel lösen – zeigen früheste Verschmelzung
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht 3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind
24.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften