Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmals erkunden die Europäer den Mond: SMART 1 vor dem Start

22.09.2003



Impressionen von SMART 1


Erster europäischer Flug zum Mond soll nun am 28. September starten

... mehr zu:
»Foing »Kourou »Mond »Sonde

Mehr als drei Jahrzehnte nach der letzten Apollo-Mondlandung der Amerikaner wollen jetzt erstmals die Europäer den immer noch geheimnisvollen Erdtrabanten erkunden. «SMART 1» heißt die 350 Kilogramm schwere und mit zehn Experimenten bestückte Sonde, die in dieser Woche auf dem europäischen Raumfahrtbahnhof von Kourou im Dschungel von Französisch-Guyana startklar gemacht wird.

In der Nacht zum 28. September soll die «SMART 1» genannte Mond- Sonde - nach zwei Start-Verschiebungen - mit einer Ariane-5-Rakete in den Weltraum befördert werden. «SMART 1» nähert sich dann in einer immer enger gezogenen Spirale gemächlich dem Mond, dessen Schwerefeld die Sonde in etwa 16 Monaten erfasst und in seine Umlaufbahn lenkt. Auf dem Erdtrabanten landen wird Europas Kundschafter jedoch nicht.


«Unser Wissen über den Mond ist erstaunlich lückenhaft», sagt Bernard Foing, zuständiger Projektwissenschaftler der Mond-Mission. Trotz der sechs Apollo-Flüge der Amerikaner und der drei unbemannten sowjetischen Raumfahrzeuge, die auf dem Mond gelandet sind, gilt es also noch eine ganze Menge Rätsel zu lösen. «Wir möchten weiterhin wissen, wie das Erde-Mond-System entstanden ist und sich entwickelt hat», erklärt Foing. Auch Vulkanismus, Tektonik, Kraterbildung und Mond-Erosion werfen noch viele Fragen auf. Und nicht zuletzt sollen Landegebiete für weit ehrgeizigere Flüge ausgekundschaftet werden.

Im Juni hatte die Europäische Weltraumorganisation (ESA) den «Mond-Botschafter» von ihrem niederländischen Technologiezentrum in Noordwijk nach Kourou bringen lassen. Der Flug der Sonde dient auch dem mit Spannung erwarteten Test eines solar-elektrischen Antriebs, der später die Erforschung benachbarter Planeten erleichtern könnte.

«Klein, kostengünstig und kompakt», das ist das Motto, mit dem die Europäer trotz der Kosten der Weltraumstation ISS und der Krise auch der Raumfahrtindustrie weiterhin Flagge zeigen wollen. «SMART 1» ist der Vorläufer einer «neuen Philosophie», die Weltraumforschung mit leichtgewichtigen und nicht so teuren Sonden voranzutreiben.

Der genau 101,5 Millionen Euro teure «SMART 1» wird aus einer elliptischen Umlaufbahn heraus über sechs Monate - womöglich auch ein Jahr lang - Daten sammeln. Mit an Bord sind eine hochauflösende Mini- Kamera sowie zwei Spektrometer, darunter ein Infrarotgerät des Max- Planck-Instituts für Aeronomie, das einen sehr tiefen Blick in den schattigen Südpolkrater werfen soll. Praktisch die wichtigste Schlüsseltechnologie von «SMART 1» (Small Mission for Advanced Research and Technology) bleibt indessen der neue Ionenantrieb der Sonde. Denn wenn er funktioniert, dann erst werden auch ein Flug Europas zum Merkur sowie der Start eines Sonnen-Orbiters möglich.

Der ESA-Projektwissenschaftler der Mond-Sonde hat immer auch das Futuristische im Kopf. Auf dem Mond könnte viel Energie produziert werden, davon ist Foing überzeugt. «Wir kehren zum Mond zurück, weil wir denken, dass Leben und Arbeiten dort wirklich eine Zukunft hat.»

Die zahlreichen Anhänger von Mond-Missionen sehen auf dem 384 000 Kilometer entfernten Trabanten des Planeten Erde Siedlungen auch für touristische Zwecke entstehen, Industrieanlagen und Testgelände für künftige Fernreisen, die auch zum Roten Planeten Mars führen könnten.

Jetzt müssen die Europäer jedoch erst einmal den Anfang machen. Dass die Reise wegen der Probleme der neueren Ariane-S-Plus-Rakete später als geplant beginnt, ist für Foing kein Beinbruch: «So hatten wir umso mehr Zeit, unseren Mondbotschafter ausführlich zu testen.»

| pro-physik.de
Weitere Informationen:
http://www.ssc.se/ssd/smart1.html
http://sci.esa.int/science-e/www/area/index.cfm?fareaid=10
http://www.arianespace.com/

Weitere Berichte zu: Foing Kourou Mond Sonde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Quanten-Boten kommunizieren doppelt so schnell
22.02.2018 | Österreichische Akademie der Wissenschaften

nachricht Highlight der Halbleiter-Forschung
20.02.2018 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics