Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ulmer Wissenschaftler koordinieren Weltraum-Projekt

10.01.2008
Die Spannung wächst, auch an der Universität Ulm. Professor Hans-Jörg Fecht, Direktor des Instituts für Mikro- und Nanomaterialien, und sein Mitarbeiter Dr. Rainer Wunderlich warten hier seit Wochen auf den schon mehrfach verschobenen Start der US-Raumfähre Atlantis.

Die soll bekanntlich das europäische Weltraumlabor "Columbus" zur internationalen Raumfähre ISS transportieren und davon erwarten sich die beiden Ulmer Wissenschaftler einen "großen Schub" für ihre materialwissenschaftliche Forschung. Fecht koordiniert darüber hinaus die Nutzung des "Columbus"-Labors für diesen Bereich auch auf europäischer Ebene. Kein leichtes Unterfangen.

Beteiligt sind schließlich nicht weniger als 18 Unternehmen und fünf weitere Universitäten oder wissenschaftliche Einrichtungen in mehreren Ländern, darunter das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.

"Columbus" selbst freilich bietet nur die Basis für das von Fecht geleitete Projekt. Voraussetzung ist auch die Implementierung einer elektromagnetischen Levitationsanlage im Weltraumlabor. Sie wird derzeit in Friedrichshafen gebaut, von einer Tochterfirma der EADS im ehemaligen Dornier-Werk am Bodensee.

... mehr zu:
»Weltraum »Weltraumlabor

Die 30 Millionen Euro teure Anlage ermöglicht kontaktlose Untersuchungen thermophysikalischer Eigenschaften von metallischen Schmelzen, seit vielen Jahren bereits eine der Kernkompetenzen des Ulmer Uni-Instituts. Ganz neu ist die Entwicklung allerdings nicht. "Im Grund ist es eine Variation der Anlage, die früher schon mit einer Raumfähre unterwegs war", erläutert Professor Fecht. Aus Platz- und Gewichtsgründen müsste die Anlage jedoch stark verkleinert werden.

Gleichwohl werde auch die gemeinsam mit den Ulmer Wissenschaftlern konzipierte Neuentwicklung rund 400 Kilogramm wiegen. Konsequenz: "Wir können sie nur in Raten nach oben bringen", sagt Fecht, " auch das muss beim Bau berücksichtigt werden". Ebenso die Notwendigkeit, dass Astronauten die Anlage im Weltraumlabor zusammenbauen und installieren müssen. Dem Zeitplan nach übrigens im Jahr 2011, stets abhängig indes von den Diensten der Amerikaner, speziell der NASA. "Und irgendwann fliegt kein Shuttle mehr", weiß auch der international renommierte Ulmer Wissenschaftler, der 1998 mit dem Leibniz-Forschungspreis ausgezeichnet worden ist, der wertvollsten wissenschaftlichen Auszeichnung auf nationaler Ebene.

"Zunächst am wichtigsten ist aber der Start der Atlantis mit dem Columbus-Labor", sagt Professor Hans-Jörg Fecht, "daran hängt im Prinzip alles".

Auch seine eigenen Forschungsvorhaben im Weltraum natürlich. "Das bietet uns eine Perspektive für die nächsten zehn Jahre", so Fecht. Und an interessierten Auftraggebern und Partnern herrsche kein Mangel. Zumal die Levitationsanlage gerade mal ein Magazin mit 17 Proben zulasse. In diesem Fall mittels magnetischer Spulen auf 1700 bis 1800 Grad erhitzte Tropfen metallischer Legierungen, die in der Schwerelosigkeit des Weltraums kontaktlos in der Schwebe gehalten, untersucht und mit hoch auflösenden Kameras beobachtet werden können. Wobei die registrierten Daten zum Teil per Funk übermittelt, zum Teil beim Austausch des Magazins zur Erde zurückgebracht werden sollen.

Auf die Ergebnisse warten werden jedenfalls neben Fecht und Wunderlich auch verschiedene Auftraggeber, darunter mit den Ulmer Wieland-Werken auch ein Unternehmen der Region. Thema hier: Die Entwicklung spezieller Kupferwerkstoffe für dünne Bleche und Folien. Ebenfalls mit an Bord: Leichtmetall-Legierungen für künftige Flugzeug- oder Gasturbinen zum Einsatz in Kraftwerken, Halbleiter-Materialien auf Silizium-Basis für Solarzellen sowie Proben zur Optimierung von Herstellungsprozessen von Gießereiprodukten. "Betreiben wollen wir aber auch Grundlagenforschung", betont Rainer Wunderlich. Mit Schmelzen von grundlegendem metallphysikalischem Interesse vor allem, metallische Glasbildner zum Beispiel.

Bei allen unbestrittenen Vorteilen der Schwerelosigkeit: Ausschließlich auf die Weltraum-Forschung verlassen wollen und können sich die Ulmer Materialwissenschaftler aus naheliegenden Gründen nicht. Die Alternativen? Parabelflüge mit einem speziell umgebauten Airbus vor der Westküste Frankreichs über dem Atlantik. "Für die Experimente in der Schwerelosigkeit bleiben dabei jedoch stets nur zehn bis 20 Sekunden", weiß Rainer Wunderlich. Immerhin kostbare drei Minuten bietet dagegen die Forschungsrakete, die Ende Januar vom nordschwedischen Kiruna aus in die Luft gehen soll, auch sie von Professor Fechts Institut für verschiedene wichtige Versuche gebucht. Sein Mitarbeiter Dr. Rainer Wunderlich, der die Experimente vor Ort betreuen wird: "Für präzise Messungen ist die verbleibende Zeit natürlich relativ kurz. Aber das ist allemal besser als nichts."

Weitere Informationen: Prof. Dr. Hans-Jörg Fecht, Tel. 0731/50-25490 oder Dr. Rainer Wunderlich, Tel. 0731/50-26457

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Berichte zu: Weltraum Weltraumlabor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation
13.12.2017 | Max-Planck-Institut für Quantenoptik

nachricht Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn
11.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften