Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weg vom Öl, hin zur Pflanze

18.06.2012
Bundesregierung stellt Roadmap Bioraffinerien auf der ACHEMA vor / Staatssekretär Schütte: „Chemische Industrie steht vor einem Wandel“

Noch sind Erdöl und Erdgas die vorherrschenden Rohstoffe der chemischen Industrie. Doch schon bald könnte sich das grundlegend ändern: Die Zukunft gehört nach Meinung von Experten den nachwachsenden Rohstoffen.

Dies ist einer der zentralen Befunde der Roadmap Bioraffinerien, die die Bundesregierung am Montag auf der Fachmesse für chemische Technik ACHEMA in Frankfurt am Main vorgestellt hat. 30 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft haben das umfangreiche Papier erstellt.

„Bioraffinerien werden die zentralen Produktionsanlagen einer künftigen Bioökonomie sein“, sagte Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Damit die pflanzliche Biomasse verarbeitet und in eine Vielzahl von Produkten verwandelt werden kann, sind technische Multifunktionsanlagen gefragt, so genannte Bioraffinerien. Einige Pilotanlagen gibt es bereits in Deutschland.

Staatssekretär Schütte stellte ein weiteres zentrales Ergebnis des Expertenpapiers vor: „Damit Bioraffinerien die Pflanzen möglichst vollständig nutzen können, brauchen wir noch viel Forschung und Entwicklung. Nur so kann es gelingen, dass die Bioökonomie einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz und zur Ressourceneffizienz leistet.“

Die Roadmap Bioraffinerien ist Teil des Aktionsplans der Bundesregierung zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe, der 2009 beschlossen wurde. Die Roadmap ist unter Federführung vom Forschungs- und Landwirtschaftsministerium und mit enger Einbindung von Umwelt- und Wirtschaftsministerium entstanden.

Um den Strukturwandel zu einer bio-basierten Industrie zu beschleunigen, sind neue Formen der Zusammenarbeit von Forschern und Industriepartnern gefragt. Deshalb hat das BMBF die „Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie“ aufgelegt. Die Förderung ist Teil der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“. Aufgefordert zur Bewerbung sind strategische Allianzen unter Federführung eines Wirtschaftsunternehmens. Dabei sollen bevorzugt Partner aus verschiedenen Industriezweigen zusammenfinden, die bisher wenig kooperiert haben.

Auf der ACHEMA wurden nun die ersten Allianzen vorgestellt. „Die zur Förderung ausgewählten strategischen Allianzen haben das Zeug dazu, unsere Industrie nachhaltig zu verändern“, sagte Schütte. „Wir fördern hier Vorzeigeprojekte, die wegweisend für die Bioökonomie sind.“

Die Allianz Zero Carbon Footprint wird vom Energiekonzern RWE Power AG koordiniert. Die 21 Partner aus Forschung und Industrie aus dem ganzen Bundesgebiet haben sich vorgenommen, kohlenstoffreiche Abfallströme wie Abwässer oder Rauchgas aus Kohlekraftwerken biotechnologisch zu verwerten. Die Partner suchen nach Mikroorganismen, die zum Beispiel Kohlendioxid aus Abgasen in hochwertige Produkte wie etwa Biokunststoffe umwandeln können.

Das Gesamtvolumen der Forschungsprojekte, die von der Allianz in den nächsten neun Jahren vorgesehen sind, beläuft sich auf bis zu 46 Millionen Euro. Die Fördermittel des BMBF betragen die Hälfte des Gesamtvolumens einer Allianz.

Die Allianz Funktionalisierung von Polymeren wird von einer mittelständischen Biotechnologie-Firma geleitet: der evocatal GmbH aus Düsseldorf. Zu den Partnern der Allianz gehört der Bauchemieproduzent SIKA, der Betonverflüssiger auf der Basis nachwachsender Rohstoffe herstellen will.

Der ebenfalls beteiligte Hersteller von Textilgarnen Coats ist an neuartigen Funktionalisierungen von Polymerfasern interessiert, während der Waschmittelhersteller Henkel an Reinigungsenzymen für solche Fasern arbeitet. Die Allianz will in den nächsten fünf Jahren rund 8 Millionen Euro in Forschungsprojekte investieren. Die Hälfte kommt auch hier vom BMBF.

Die Allianz „NatLifE“ wird ebenfalls von einer mittelständischen Biotechnologie-Firma angeführt: der B.R.A.I.N. AG aus dem hessischen Zwingenberg. Die Allianz entwickelt Inhaltsstoffe für Lebensmittel und Kosmetika aus natürlichen Quellen. Innerhalb von neun Jahren sind rund 30 Millionen Euro für Forschungsprojekte vorgesehen.

Das BMBF ist auf der ACHEMA vom 18. bis 22. Juni 2012 in Frankfurt am Main mehrfach vertreten: In der Halle 9.2 „Forschung und Innovation“ ist das Ministerium sowohl mit einem Messestand als auch in der Ausstellung „Schaufenster bio-basierte Wirtschaft“ präsent. Im „Schaufenster bio-basierte Wirtschaft“ werden Exponate aus Förderinitiativen des BMBF und anderer Fördermittelgeber gezeigt.

Silvia von Einsiedel | BMBF Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht COMPAMED 2016 vernetzte medizinische Systeme und Menschen
23.11.2016 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

nachricht Kompakter und individuell einstellbarer Schutz für alle Anwendungen
18.11.2016 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

ICTM Conference 2017: Production technology for turbomachine manufacturing of the future

16.11.2016 | Event News

Innovation Day Laser Technology – Laser Additive Manufacturing

01.11.2016 | Event News

#IC2S2: When Social Science meets Computer Science - GESIS will host the IC2S2 conference 2017

14.10.2016 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie