Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Paris Air Show 2015: Mehr Strom für Flugzeugküchen

02.06.2015

Flugzeugküchen sind Stromfresser, doch die Energie im Flieger ist begrenzt. Aggregate könnten künftig helfen: In einem Trolley in den Küchen untergebracht, liefern sie zusätzlich Strom – und entkoppeln somit die Energieversorgung der Kabine und der Küchen von der des restlichen Flugzeugs. Auf der Messe Paris Air Show vom 15. bis 21. Juni wird die neue Technologie präsentiert (Halle 1, Stand G316).

Flugzeuge haben ein langes Leben: Sie sind meist mehrere Jahrzehnte im Einsatz. Die Inneneinrichtung in den Kabinen wird im Laufe eines Flugzeuglebens mehrmals modernisiert, ebenso wie die Küchen. Das birgt allerdings ein Problem:


In einem Trolley ist die zusätzliche Stromversorgung für Flugzeuge untergebracht.

© Fraunhofer ICT - IMM

Die neue Ausstattung braucht meist mehr Energie als die alte, sei es durch leistungsfähigere Küchengeräte, sei es durch kleine Fernseher in jeder einzelnen Sitzlehne. Doch die Energie, die im Flugzeug zur Verfügung steht, ist begrenzt – sie wird während des Flugs von Turbinen erzeugt.

Zu Zeiten, in denen die Turbinen nicht laufen – also beim Ein- und Aussteigen der Passagiere – sorgt ein Hilfsstromaggregat für den nötigen Strom. Ein weiteres Manko: Wenn man elektrische Verbraucher im Passagierteil nachträglich einbaut, muss das Energiesystem des kompletten Flugzeugs wieder neu zugelassen werden, denn neue Geräte könnten die Stromversorgung stören und schlimmstenfalls lahmlegen.

Zusätzlicher Stromversorger in den Küchen

Ein zusätzlicher Stromaggregat, als schiebbarer Trolley jeweils in den Küchen installiert, stellt Energie bereit. Entwickelt wird das System von Forschern des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT, Institutsteil ICT – IMM, zusammen mit dem Unternehmen Diehl Aerospace GmbH und der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt DLR.

»Mit dem neuen Stromversorger lässt sich das Energie-Defizit schließen«, sagt Prof. Dr. Gunther Kolb, Abteilungsleiter am ICT-IMM. Auch das Zulassungsprozedere dürfte sich durch den Trolley vereinfachen: Da die Energieversorgung der Küchen und Kabinen unabhängig von der des Flugzeugs ist, braucht diese nicht nach jeder Modernisierung eine neue Zulassung.

Reformer und Brennstoffzelle

Die Forscher setzen bei ihrer Neuentwicklung auf Brennstoffzellen: Diese erzeugen den Strom nicht nur effizient, sondern auch leise. Was den Brennstoff angeht, ist der Einsatz in der Luft jedoch nicht einfach. Denn Wasserstoff lässt sich nur in Druckbehältern mit rund 800 bar lagern – im Flugzeugbauch ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Auch brennbare Flüssigkeiten wie Benzin scheiden aus.

»Wir verwenden Propylenglykol«, verrät Kolb. Der Vorteil: Diese Substanz ist flüssig – man braucht also keinen Druckbehälter – ist mit Wasser gemischt nicht brennbar und zudem ungiftig. Außerdem wird sie bei Flugzeugen bereits als Kühl- und Enteisungsmittel eingesetzt.

Das Propylenglykol besteht aus Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff. Eine chemische Anlage, der Reformer, zerlegt die Flüssigkeit und zieht den Wasserstoff heraus, der direkt in die Brennstoffzelle strömt und sie antreibt. Da das Kohlenstoffmonoxid, das bei der Wasserstofferzeugung entsteht, weder für Bordpersonal und Passagiere noch für die Brennstoffzelle gesund wäre, wandelt der Reformer es in ungiftiges Kohlendioxid um.

Das System stammt aus den Fraunhofer-Laboren: Die Mitarbeiter haben nicht nur die darin vorhandenen, nötigen Katalysatoren entwickelt, sondern auch dafür gesorgt, dass das Gerät möglichst wenig kostbaren Platz einnimmt. »Die Bauteile, die das Kohlenstoffmonoxid abbauen, konnten wir im aktuellen Reformer 90 Prozent platzsparender gestalten als mit herkömmlicher Technik«, bestätigt Kolb.

Einen Mock-Up des Reformers, also ein maßstabsgetreu gefertigtes Modell, haben die Forscher bereits angefertigt, auch die Einzelkomponenten stehen. In den nächsten Monaten werden die Wissenschaftler den ersten Prototyp aufbauen und testen. Auf der Messe Paris Air Show vom 15. bis 21. Juni stellen sie ihre Technologie vor (Halle 1, Stand G316).

Dr. rer. nat. Stefan Kiesewalter | Fraunhofer ICT-IMM
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2015/Juni/mehr-strom-fuer-flugzeugkuechen.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Digitalisierung von HR-Prozessen – tisoware auf der Personal Nord und Süd
21.03.2017 | tisoware Gesellschaft für Zeitwirtschaft mbH

nachricht Hochauflösende Laserstrukturierung dünner Schichten auf der LOPEC 2017
21.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie