Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IFA 2011: Wenn das Internet ins Fernsehen kommt

26.08.2011
Im Werbespot fährt das Traumauto über den Bildschirm und mit nur einem Klick verwandelt sich der Fernseher in ein virtuelles Autohaus: Es erscheinen Preislisten, Kontaktdaten und ein Modell des Wagens, das der Kunde nach seinen Wünschen variieren kann. Auf der IFA 2011 in Berlin vom 2. bis 7. September in Halle 11.1, Stand 8 zeigen Fraunhofer-Forscher, wie mit HbbTV die Werbung der Zukunft aussehen kann.

Der klassische Fernsehabend sah bisher so aus: Der Zuschauer sitzt vor seinem Gerät, entspannt bei einem Film und zappt sich ab und an durch die Kanäle. Aber das war einmal. Eine neue Generation von Fernsehern ermöglicht Mitmach-Fernsehen.

Hybrid-TV oder Smart-TV genannte Geräte verfügen über den offiziellen Standard Hybrid Broadcast Broadband TV, kurz HbbTV. Dieser verbindet das lineare Fernsehen mit der interaktiven Welt des Internets. Dabei geht es aber nicht nur darum, vom Fernseh-sessel aus im Internet zu surfen. Vielmehr ermöglicht diese Verbindung vollkommen neue Werbe- und TV-Formate. Mit HbbTV kann der Zuschauer sein Programm interaktiv gestalten, etwa indem er während eines Werbespots zusätzliche Informationen im Internet abruft. Einige Beispiele, die auf dieser Technologie basieren, gibt es bereits:

Den HD-Teletext der zusätzliches Audio- oder Filmmaterial enthält, oder die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender. Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin hat in Kooperation mit Volkswagen und SevenOne Media, dem Vermarkter der ProSiebenSat.1 Group, eine neue Anwendung entwickelt: Den interaktiven Car Configurator. Mit ihm kann der Fernsehzuschauer das Auto aus der aktuell laufenden Werbung selbst gestalten und verändern oder sich mit der Fernbedienung durch ergänzende Infos klicken.

Mitmachen statt Zuschauen

Wer also gerade ein neues Auto sucht und im Fernsehen sein Wunschmodell sieht, muss sich nicht mehr Markenname oder Nummer merken und zum Computer laufen. HbbTV bringt Informationen und zusätzliche Animationen oder Videos direkt auf den Fernsehbildschirm. Gibt es zu einem Werbespot noch ein Zusatzangebot, wird eine entsprechende Information eingeblendet. Denn der Sender überträgt zusätzlich zum Werbespot einen kleinen Datenstrom, den Link zur HbbTV-Werbeintegration. Der Großteil der Zusatzinhalte, die der Werbekunde, in diesem Fall VW, bereitstellt, liegt online bereit. Ein Tastendruck auf den roten Knopf auf der Fernbedienung aktiviert den Link und schon landet der Zuschauer in einer interaktiven Umgebung. Während parallel in einem kleineren Fenster das reguläre Programm weiterläuft, kann man sich vom Sofa aus sein persönliches Wunschauto zusammenstellen, verschiedene Modelle und Preise vergleichen oder gleich die Probefahrt beim Händler in seiner Nähe buchen. Videos, Animationen, Fotoslideshows – alles ist möglich und lässt sich mit der Fernbedienung steuern. Ist das Auto perfekt und der Kunde zufrieden, genügt ein weiterer Knopfdruck um ins normale Programm zurückzukehren.

Persönlich und interaktiv

Für Werbetreibende bietet ein solches Konzept neue Möglichkeiten, an den Kunden heranzutreten und sich über besondere, personalisierte Inhalte sein Interesse zu sichern. Außerdem lässt sich über die Zahl der Zugriffe schnell messen, wie gut die Kampagne ankommt. Für den Wissenschaftler Robert Seeliger vom FOKUS liegt der Reiz dieser Entwicklung im Zusammenspiel der unterschiedlichen Medientechnologien: »Wir bringen hier verschiedene Welten zusammen und machen Fernsehen interaktiv. Es ist eine spannende Herausforderung mehrere unterschiedliche Systeme zu verbinden.« Die Aufgabe der Fraunhofer-Forscher ist, dafür zu sorgen, dass Webinhalte auf dem Fernseher dargestellt und bedient werden können und die Eingaben der Nutzer auch ihren Weg zurück ins Netz finden. Dabei müssen sie sowohl die unterschiedliche Bauart der Programme, als auch die Umgebung und das veränderte Nutzerverhalten berücksichtigen.

Indem sie die unterschiedlichen Technologien in einer für das Fernsehen optimierten Weise zusammenführen, ermöglichen die Entwickler neue Anwendungen. Bisher konnte man entweder im Web surfen oder einen Fernsehfilm schauen. Inzwischen gibt es aber einen einheitlichen Standard um spezielle Online-Angebote für den Fernseher aufzubereiten und Empfänger, die beide Signale verarbeiten können. Um die HbbTV-Angebote nutzen zu können, braucht der Kunde ein Gerät, das über eine Internetfunktion verfügt und einen Sender, der das Angebot mit seinem Programm kombiniert verschickt. Momentan gibt es den Car Configurator nur für Demozwecke, aber Werbetreibende, TV-Sender und Gerätehersteller schaffen derzeit die technischen Grundlagen, um interaktive Werbung als neuestes hybrides TV-Angebot schon in den kommenden Monaten live zu schalten.

Den Möglichkeiten sind in Zukunft noch lange keine Grenzen gesetzt. »Im Prinzip schaffen wir spezielle Webseiten für den Fernseher, mit denen wir das gewöhnliche Programmangebot erweitern«, erklärt Seeliger. Je mehr der Zuschauer selbst aktiv gestalten kann, desto persönlicher wird das TV-Programm. Der allabendliche Streit um die Fernbedienung könnte sich also bald darum drehen, wer sich mit dem roten Knopf durch interaktive Werbung drücken darf.

Robert Seeliger | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/20/interaktive-werbung-hbbTv.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht COMPAMED 2016 vernetzte medizinische Systeme und Menschen
23.11.2016 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

nachricht Kompakter und individuell einstellbarer Schutz für alle Anwendungen
18.11.2016 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie