Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Expo zeigt Wellness für die Milchkuh

11.08.2015

Das Zentrum für Integrierte Milchwirtschaftliche Forschung (CIDRe) der Universität Bonn ist Forschungspartner der ARGE Deutscher Pavillon bei der EXPO 2015 in Mailand. Anhand der von den Wissenschaftlern zur Verfügung gestellten Exponate wird im Deutschen Pavillon gezeigt, wie eine ausgewogene und nachhaltige Milchwirtschaft der Zukunft aussehen kann. Messsensoren zeichnen automatisch Herzfrequenz, aufgenommene Futter- und Wassermenge sowie weitere Vitalparameter der Milchkühe auf. Mit diesen Daten können die Forscher frühzeitig feststellen, wenn sich ein Tier nicht wohlfühlt.

Gilette trottet zum Trog, frisst in aller Ruhe vom Futter, macht einen kleinen Umweg zur Bürste, die ein Bewegungsmelder automatisch in Rotation versetzt. Gilette genießt es sichtlich, wenn die Borsten ihr Fell striegeln. Dann geht es zum Saufen an den Wassertrog.


Neugieriger Blick einer Milchkuh aus dem Futterwiegetrog. Hier wird automatisch die tierindividuelle Futteraufnahme erfasst.

(c) Foto: Volker Lannert/Uni Bonn


Prof. Dr. Wolfgang Büscher im High-Tech-Kuhstall auf Gut Frankenforst, eine Lehr- und Forschungsstation der Universität Bonn.

(c) Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Eigentlich verhält sich Gilette wie jede andere Milchkuh auch. Das Tier produziert aber – ohne es zu bemerken – Tag für Tag eine gigantische Menge Daten. Zahlreiche Sensoren registrieren die gefressene Futtermenge, wie viel Wasser aufgenommen wurde, ob das Herz schnell oder langsam schlägt. Darüber hinaus entgeht den Schrittzählern und den im Stall installierten Videokameras keine Bewegung.

Wissenschaftler erforschen die Milchkuhhaltung der Zukunft

... mehr zu:
»CIDRe »Expo »Milchkuh »Sensordaten

Insgesamt rund 60 Milchkühe beherbergt der High-Tech-Kuhstall auf Gut Frankenforst, eine Lehr- und Forschungsstation der Universität Bonn. Die Wissenschaftler vom Zentrum für Integrierte Milchwirtschaftliche Forschung (CIDRe) erheben die vielen Daten, um die Tierhaltung der Zukunft zu erforschen:

Wie muss ein Stall gestaltet sein, damit sich die Kühe rundum wohl fühlen und die beste Milch geben? Wie viel und welches Futter benötigen die Tiere gerade in der kräftezehrenden Phase nach dem Kalben? Wie kann man aus den Sensordaten frühzeitig herauslesen, ob eine Kuh krank wird?

In den Rechnern der Agrarwissenschaftler der Universität Bonn laufen die Sensordaten zusammen, für jedes Tier werden die Ergebnisse einzeln ausgewertet. „Wie wohl sich eine Kuh fühlt, lässt sich nicht so ohne Weiteres aus den Messdaten herauslesen, da jedes Tier unterschiedlich tickt“, erklärt CIDRe-Sprecher Prof. Dr. Wolfgang Büscher. Denn bei manchen Kühen schlägt zum Beispiel das Herz schneller als bei anderen. Die Forscher müssen deshalb zunächst eine ganze Zeit lang Daten erheben, um die individuellen Muster zu kennen. „Dann können wir Abweichungen vom Normalzustand erkennen“, berichtet Tierärztin Dr. Susanne Plattes vom CIDRe.

Die Videokameras liefern zusätzliche Anhaltspunkte: Was macht die Kuh gerade: steht oder liegt sie, läuft oder rangelt sie mit einer Artgenossin? „Durch die Auswertung der Bilder können wir die Sensordaten zum Beispiel zum Herzschlag noch besser interpretieren“, sagt die Tierärztin. Selbst im Melkstand werden Daten zum Milchfluss der Kühe automatisch erfasst. „Gibt eine Kuh weniger Milch, können wir daran unter anderem erkennen, ob sich zum Beispiel eine Euterentzündung abzeichnet“, sagt Dr. Plattes. Dann wird das Tier frühzeitig behandelt, bevor es zu einer schwerwiegenderen Erkrankung kommt.

Das CIDRe ist ein Zusammenschluss aus verschiedenen Instituten

Anfang 2012 startete das CIDRe, das viele Projekte unter seinem Dach vereint. Der einzigartig ausgestatte Hightech-Stall auf dem Versuchsgut Frankenforst nimmt eine zentrale Stellung ein, doch ist CIDRe ein virtueller Zusammenschluss aus 20 Professuren sowie wissenschaftlichen Mitarbeitern unterschiedlichster Disziplinen der Universität Bonn, die mit der Freien Universität Berlin und anderen Institutionen kooperieren.

So untersuchen zum Beispiel Ökonomen, unter welchen Voraussetzungen künftig wirtschaftlich Milch produziert werden kann. Am Standort Riswick der Landwirtschaftskammer NRW bei Kleve wird zudem erforscht, wie sich durch optimierte Futtermischungen Treibhausgasemissionen aus den Mägen der Wiederkäuer minimieren lassen. Welche Inhaltsstoffe liefert Milch für die Ernährung des Menschen? Durch die Beteiligung von Mikrobiologen und Ernährungswissenschaftlern der Universität Bonn wurde die Forschung rund um das Lebensmittel Milch ausgedehnt.

Das CIDRe bei der EXPO 2015 in Mailand

Das Zentrum für Integrierte Milchwirtschaftliche Forschung der Universität Bonn ist Forschungspartner der ARGE Deutscher Pavillon bei der Weltausstellung EXPO 2015 in Mailand, die am 1. Mai eröffnet wurde. Besucher können sich noch bis 31. Oktober 2015 im deutschen Pavillon über verschiedene wissenschaftliche Projekte informieren, wie sie auch im Hightech-Stall Frankenforst durchgeführt werden.

Die Beteiligten

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hat die Messe Frankfurt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Pavillon EXPO 2015 Mailand (ARGE) mit der Realisierung des Deutschen Pavillons betraut. Die ARGE verantwortet als Generalübernehmer die Planung und den Bau des Deutschen Pavillons sowie die Ausstellung. Dabei zeichnet Schmidhuber aus München für das räumliche Konzept, Architektur und Generalplanung verantwortlich, Milla & Partner aus Stuttgart für das inhaltliche Konzept sowie für die Gestaltung von Ausstellung und Medien. Nüssli aus Roth bei Nürnberg übernimmt das Projektmanagement und die Bauleistung.

Kontakt für die Medien:

Dr. Susanne Plattes
CIDRe (Center of Integrated Dairy Research)
Universität Bonn
Tel: 0228/739418 oder 06552/6009915
E-Mail: cidre@uni-bonn.de

Weitere Informationen:

http://bit.ly/milchkuh Video-Podcast zum Thema
http://www.CIDRe.uni-bonn.de Zum Projekt der Uni Bonn
http://www.expo2015-germany.de Zum deutschen Pavillon
http://en.expo2015.org Zur Expo

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: CIDRe Expo Milchkuh Sensordaten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Digitalisierung von HR-Prozessen – tisoware auf der Personal Nord und Süd
21.03.2017 | tisoware Gesellschaft für Zeitwirtschaft mbH

nachricht Hochauflösende Laserstrukturierung dünner Schichten auf der LOPEC 2017
21.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie