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Deutsche Spitzentechnologie auf der IATI-BioMed 2013

04.06.2013
Medizintechnik und Biowissenschaften werden immer bedeutender und überschneiden sich zunehmend mit Informationstechnik und Ingenieurswissenschaften – auch in Deutschland, das zu den wichtigsten Produzenten hochwertiger Medizintechnik weltweit gehört.

Mit einem Welthandelsanteil von 14,6 Prozent liegt die deutsche Medizintechnikbranche direkt hinter dem Spitzenreiter USA. Bei den wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Medizintechnik kommen – je nach Themengebiet – zwischen 5 und 20 Prozent aus Deutschland.

Chirurgen nutzen intelligente Tumortracking-Software zur Operationsplanung und Therapieverfolgung oder erhöhen mit Plasmatechnik und nanoskaligen Coatings die Biokompatibilität, also Verträglichkeit, von Implantaten. Geräte zur atemunabhängigen Bestrahlung von Lungentumoren nutzen die Time-of-Flight-Technik oder andere 3D-Oberflächenmessverfahren aus dem Automobil- oder Gaming-Bereich. Molekulare Marker spüren krankes Gewebe im Körper auf, während funktionelle Bildgebung Vorgänge wie Stoffwechsel oder Blutfluss in vivo sichtbar macht. All das ist möglich durch das hohe wissenschaftliche und technologische Know-how und die interdisziplinäre Zusammenarbeit deutscher Forscherinnen und Forscher, die die Medizintechnik in Deutschland zu einem Innovationsmotor mit internationalem Renommee gemacht haben.

Die "12th National Life Science & Technology Week IATI-BioMed" in Tel Aviv bietet vom 10. bis 12. Juni 2013 eine ideale Plattform, um die neuesten Entwicklungen im Bereich der Medizintechnik und Biotechnologie im Partnerland Israel mit seiner hochmodernen Life-Science-Branche zu präsentieren. Vier deutsche Forschungsnetzwerke sind in der konferenzbegleitenden Ausstellung an einem Gemeinschaftsstand (Stand 44A) und mit Vorträgen hochrangiger Experten aus ihren Reihen im Hauptprogramm der IATI-BioMed vertreten.
Unterstützt werden sie dabei vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung, das mit seiner 2012 gestarteten internationalen Themenkampagne "Germany – Partner for Medical Technology" ausgewählte Forschungsprojekte in zukunftsweisenden Themenfeldern vorstellen und interdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungskooperationen initiieren möchte. Die vier auf der IATI-BioMed vertretenen renommierten deutschen Forschungsnetzwerke beschäftigen sich mit zukunftsweisenden Verfahren etwa im Bereich der Bildgebenden Verfahren oder der Plasmamedizin: BioNanoMedTech aus Münster (Nordrhein-Westfalen), Molecular Imaging Network aus Kiel (Schleswig-Holstein), PlasmaMedicine aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) und 3-D Imaging in Medicine aus Erlangen (Bayern).

Im Netzwerk BioNanoMedTech forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Universitäten und Unternehmen an nanoskaligen Strukturen für die Diagnostik, für die medizinische Bildgebung oder für neue Therapien. Zu den medizinischen Anwendungen in der Nanotechnologie gehören dabei allerkleinste Verkapselungen von Arzneimitteln oder mit Nanopartikeln beschichtete Implantate. Auf diagnostischer Seite konzentriert man sich auf die Erfassung und Auswertung nanoskaliger Zell-Anatomie und auf miniaturisierte Systeme zur in-vitro-Diagnostik. Zusammen mit dem Einsatz pluripotenter Stammzellen erschließen sich im Bereich der regenerativen Medizin damit völlig neue Möglichkeiten.

Kleinste Teilchen in der medizinischen Bildgebung stehen auch für das Netzwerk Molecular Imaging Network (MOIN) im Mittelpunkt der Forschungsarbeit, das neue bildgebende Verfahren zur Diagnostik und Therapie in der Tumor- und Entzündungsforschung entwickelt und erforscht. Molekulare Marker spüren krankes Gewebe auf, indem sie an krankhaften Zellen andocken und sie so sichtbar machen. Im präklinischen MOIN-Forschungszentrum wird das "Molecular Imaging" in der Kleintierbildgebung eingesetzt. Neue Therapieansätze und Medikamente können durch molekulare Marker tierschonender und effektiver im lebenden Organismus getestet werden. Zusammen mit der molekularen In-vitro-Diagnostik eröffnet die molekulare In-vivo-Bildgebung völlig neue Wege in Forschung und Entwicklung, Diagnostik und Behandlung.

Das Forschungsnetzwerk 3-D Imaging in Medicine rund um das Zentralinstitut für Medizintechnik ZiMT an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg beschäftigt sich mit der Aufbereitung hochauflösender medizinischer Aufnahmen in dreidimensionaler Perspektive. Ein spezieller 3D-Brust-Röntgen-Computertomograf für die weibliche Brust, kurz Brust–CT, ermöglicht neben größerem Patientenkomfort auch höhere Sensitivität in der Brustkrebsfrüherkennung. In der Therapie soll durch Integra¬tion unterschiedlicher 3D-Aufnahmemodalitäten wie Time-of-Flight oder strukturiertem Licht die bislang vor allem bei Computerspielinteraktion und im Automobilbau eingesetzt werden, zudem eine Bewegungskompensation ermöglicht werden. So kann eine atemunabhängige Bestrahlung von Tumoren im Lungengewebe ebenso erreicht werden wie beispielsweise Aufnahmen des schlagenden Herzens.

Das Forschungscluster Plasma Medicine arbeitet an der Grundlagenforschung und Nutzung medizinischen "kalten" Plasmas, das unter anderem antimikrobielle und regenerationsanregende Wirkung zeigt. Medizinische Plasmen könnten deswegen in Zukunft in der Vorbehandlung von Implantaten und der Wundbehandlung in der Zahnheilkunde und Dermatologie Anwendung finden. Einen ersten großen Schritt dahin hat das Forschungsnetzwerk mit der Entwicklung des kINPen MED getan, welcher derzeit für die Anwendung in der Dermatologie bei erregerbedingten Hauterkrankungen zugelassen wird.

Für alle Forschungsnetzwerke ist der Auftritt im Ausland und das Zusammenkommen mit internationalen Experten unverzichtbar, denn wissenschaftliche Innovationen werden in unserer globalisierten Welt nicht mehr in einem einzelnen Land erreicht, sondern in der Zusammenarbeit und im Austausch führender Wissenschaftler weltweit. Israel mit seiner innovationsstarken Forschungs- und Startup-Landschaft in den Biowissenschaften ist deswegen für deutsche Forscher und Entwickler ein wichtiges Partnerland.

Sandra Brouwers | idw
Weitere Informationen:
http://www.research-in-germany.de

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