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Gegensound ist kein Aprilsscherz

05.03.2002


Zwei geradezu sensationelle Exponate präsentiert die Bergische Universität Wuppertal vom 12. bis 20. März 2002 auf der CeBIT in Hannover: Wie man mit Hilfe einer neuen Software aktiven Lärmschutz bewirken kann und wie ein Blindenmonitor funktioniert .

Die Technik des aktiven Lärmschutzes hat durch die Entwicklung der Mikroelektronik wesentliche Fortschritte gemacht und ist immer häufiger eine praktikable Alternative zu passiven Lärmminderungsmaßnahmen. Das von Professor Dr.-Ing. Detlef Krahé vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik gemeinsam mit Dipl.-Ing. Mattias Trimpop vom Instiut für Lärmschutz, Düsseldorf, entwickelte System funktioniert so: Eine örtlich begrenzte Geräuschquelle, beispielsweise eine Druckmaschine, wird von einem Kreis von Mikrophonen und Lautsprechern umringt. Die Mikrophone nehmen den Schall auf und geben ihn an einen Computer weiter. Mittels der speziellen Software analysiert der Computer den Lärm und wirft ihn in geeigneter Art und Weise durch den Lautsprecherkreis auf die Geräuschquelle zurück, d. h. - kein vorgezogener Aprilsscherz! - er macht "Gegensound". Der zurückgeworfene Lärm bewirkt, dass die ursprüngliche Störquelle in Ihrer Intensität gedämpft oder gar auslöscht wird, so dass das menschliche Ohr das Störgeräusch im Idealfalle gar nicht oder nur als sanftes Säuseln vernimmt. Der Schall lässt sich bei räumlich begrenztem Verursacher also erfolgreich einsperren!

Aber selbst bei größeren Störquellen wie dem Straßenverkehr kann man das Verfahren von Prof. Dr.-Ing. Krahé anwenden: Durch Umdrehen der Mikrophone und Lautsprecher wird der Schall in solchen Fällen ausgesperrt. Somit können "Inseln der Ruhe" erzeugt werden, was besonders für Menschen interessant ist, deren Schlafzimmer an einer stark befahrenen Straße liegt.

Mit TIM ("Taktiler Interaktions Monitor") beginnt für Blinde ein neues Zeitalter computergestützter Kommunikation. Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schlingensiepen vom Fachbereich Maschinentechnik der Uni Wuppertal entwickelte den Monitor in Kooperation mit Gunnar Matschulat von der Wuppertaler Firma ABTIM: Bildhafte Informationen und Texte werden auf dem TIM-Display erstmalig ertastbar. Das in Echtzeit arbeitende Display beinhaltet 256 aufrecht stehende Taststifte, die durch ein 4 x 4 cm großes Lochraster gehoben oder gesenkt werden. Das TIM-Display ist eine neue Kommunikationsschnittstelle, dessen Darstellungen mit den Fingern leicht "lesbar" sind. Blinde lernen mit zahlreichen bildhaften Informationen umzugehen, die ihnen bislang weitgehend unzugänglich waren. Um Inhalte auf dem TIM-Display ertastbar zu machen, müssen sie vorher durch elektronische Bildverarbeitung vereinfacht werden. Farbige Darstellungen werden zum Beispiel auf schwarz/weiß reduziert oder durch - ebenfalls neu entwickelte - Vibrationstechniken umgesetzt.

Die Anwendung von TIM ermöglicht eine Früherziehung von Blinden. Dabei wird auch erstmalig die PC-Spielewelt der Sehenden für Blinde erschlossen. Beispielsweise lassen sich auf dem Tastfeld interaktive Videospiele (z.B. Tischtennis, Tetris) darstellen. Als Informationsquelle für den Blindenmonitor TIM werden PC- und Video-Anbindung genutzt. Bei der PC-Anbindung ("PC-TIM") bewegt sich der Blinde mit dem tastbaren "Fensterausschnitt" durch Steuerfunktionen über ein virtuell größeres Bild. Die Video-Anbindung ("VideoTIM") ist die Live-Übertragung eines Videobildes auf das Tast-Display.

Die Anwendungsbereiche und Zielgruppen des Blindenmonitors TIM: Früherziehung blind geborener Kinder, z.B. mit interaktiven Fühlspielen, integrative Beschulung, z.B. mit Geometrie-, Formel- und Noten-Darstellungen und Blinden-Arbeitsplätze, z.B. mit Akten, Organigrammen, PC-Grafiken und Text-Layouts. TIM eröffnet blinden Menschen aber auch größere Selbstständigkeit, z.B. einen Fahrplan oder einen Kassenbon abzulesen. Späterblindete können mit TIM ohne Kenntnis der "Braille"-Blindenschrift wieder lesen und auch mit Neuen Medien umgehen, z.B. mit GPS-Stadtplänen, SMS und WAP.


(CeBIT, 12. bis 20. März 2002, HannoverMesse, Halle 11, Gemeinschaftsstand Forschungsland Nordrhein-Westfalen, Stand Nr. D26.)

Michael Kroemer | idw

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