Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erkennen Sie die Melodie?

19.02.2002


Musiksuche leicht gemacht: Man muss nur eine Melodie vorspielen oder -singen, und schon wird das gewünschte Lied herausgesucht.
© Fraunhofer AEMT


Wer ein bestimmtes Musikstück sucht, aber den genauen Titel des Liedes nicht weiß, hat es schwer. Fraunhofer-Forscher stellen auf der CeBIT (13.-20. März in Hannover) Systeme vor, die helfen die Wunschmusik zu finden.

Wer kennt das nicht: Man hört im Radio ein paar Takte eines Liedes und schon geht einem die Melodie nicht mehr aus dem Kopf. Doch leider hat der Radiomoderator weder den Titel noch den Interpreten angesagt. So ist es leider fast unmöglich, sich das Musikstück als CD zu besorgen. Auf das vorgesummte Lied reagieren die Plattenverkäufer mit verständnislosem Kopfschütteln. Wie praktisch wäre es, man könnte online auf eine Datenbank zugreifen, singt ein paar Takte und schon wird das gesuchte Lied, samt Informationen über Titel, Interpret und Komponist auf die Festplatte geladen.

Ferne Zukunftsmusik? Nicht für die Wissenschaftler der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie AEMT aus Ilmenau. Die Arbeitsgruppe des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS, Bereich Angewandte Elektronik beschäftigen sich mit einem System zur Melodieerkennung durch »Query by Humming« (frei übersetzt: Anfragen durch Summen). Benutzer müssen nur ein Lied ins Mikrofon singen und schon sucht die Software das Stück heraus. Ähnlich wie bei Internetsuchmaschinen liefert das

System eine Ergebnisliste. Das Lied, das der gesungenen Melodie am ähnlichsten ist, steht an erster Stelle. Der Interessent erhält Informationen über Titel, Sänger, Komponist, Liedtext, Aufnahmejahr und -ort des gesuchten Liedes. »Um das gesuchte Lied zu finden, werden die durch die gesungene Melodie hervorgerufenen Schallwellen von einem Computer zu einer Notensequenz resynthetisiert. Die gefundenen Tonhöhen und Zeitinformationen werden quasi wieder in Noten zurückübersetzt«, erläutert Dr. Frank Klefenz vom AEMT das Prinzip der Melodieerkennung. Mit Hilfe eines leistungsfähigen Algorithmus wird dann das passende Musikstück aus der Datenbank herausgesucht.

Auf der Messe stellen Experten des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen noch ein weiteres System zur Musikerkennung vor. AudioID ist ein Verfahren zur automatischen Identifikation von Audio-Daten. Dazu wird ihm eine Aufnahme (CD, Kassette, MP3-Datei o.ä.) des Musikstücks vorgespielt. Bereits nach einer »Zuhörzeit« von wenigen Sekunden erkennt das System das gespielte Tonmaterial sicher und kann dabei auch problemlos zwischen verschiedenen Versionen des gleichen Songs unterscheiden. In der Lernphase werden die besonderen Merkmale eines Stücks extrahiert und als Zusatzinformation zu dem Musikstück abgespeichert. »AudioID entnimmt dem Lied sozusagen einen Fingerabdruck«, erläutern Dr. Jürgen Herre und Gerad Moser vom IIS. Mittlerweile haben die Wissenschaftler eine Datenbank mit ca. 100 000 Musikstücken angelegt. Neben dem jeweiligen »Fingerabdruck« sind immer auch Informationen zum Interpreten, Komponisten, Titel des Songs sowie zur Aufnahme abgespeichert. Die Fingerabdruck-basierte Technologie eröffnet eine Vielzahl von neuen Anwendungen, unter anderem in den Bereichen Musikverkauf, Rundfunkbeobachtung sowie zum Schutz musikalischer Urheberrechte.

Was mit Musik geht, funktioniert auch mit Sprachdaten. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Medienkommunikation IMK entwickeln Methoden, die gesprochene Dokumente wie Nachrichten oder Bundestagsdebatten automatisch segmentieren, klassifizieren und nach bestimmten Themen und Stichworten in einer Datenbank ablegen. »Dazu setzen wir vorhandene Spracherkennungssysteme ein«, erläutert Dr. Joachim Köhler vom IMK. Den Beiträgen werden bestimmte Schlagworte sowie Informationen zum Redner als Metadaten zugeordnet. Mit dem System können zum Beispiel alle Bundestagsreden zum Thema »Bundeswehreinsatz in Afghanistan« herausgesucht werden. Es zeigt automatisch an, welche Abgeordneten sich zu der Thematik geäußert haben. Auf Wunsch kann sich der Interessent den entsprechenden Redemitschnitt vorspielen lassen.

Mit ihren Arbeiten haben die Experten des IIS, AEMT und IMK auch einen Beitrag zum neuen internationalen Standard MPEG-7 geleistet. Der Standard legt eine gemeinsame Beschreibungssprache für Multimedia-Daten fest. Er soll in Zukunft das Finden von Audio- und Videodaten im Internet so leicht machen wie die Textrecherche.

Gerald Moser | Presseinformation

Weitere Berichte zu: AEMT IMK

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Digitalisierung von HR-Prozessen – tisoware auf der Personal Nord und Süd
21.03.2017 | tisoware Gesellschaft für Zeitwirtschaft mbH

nachricht Hochauflösende Laserstrukturierung dünner Schichten auf der LOPEC 2017
21.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise