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electronica 2002 als Technologie-Trendsetter

08.11.2002


* Wearable electronics - Elektronik zum Anziehen vor dem Durchbruch
* Zahlreiche sinnvolle Anwendungsgebiete in Nachrichtentechnik & Kommunikation, Logistik, Medizin & Gesundheit oder Spiel, Sport & Fun * Schmuck meets Mikroelektronik, oder wie man mit einem Ring Türen öffnet

Schon seit Jahren wird versucht, PCs und andere elektronische Geräte so zu konzipieren, dass man sie ganz einfach am Körper tragen und benutzen kann. Sprach man vor noch nicht allzu langer Zeit nur von "Wearable Computers" und verstand damit eine neue Generation portabler Rechner, die am Körper getragen, bzw. am Handgelenk, am Gürtel, in einem Rucksack oder auch in Kleidungstücke eingebaut werden können, so zeigt die electronica 2002, dass man heute schon einen ganz entscheidenden Schritt weiter ist. Denn unter "Wearable Electronics" oder auch "Smart Textiles" (intelligente Textilien) versteht man nicht nur den Einbau von miniaturisierten Endgeräten, sondern die vollständige Integration elektronischer Komponenten mit geringster Leistungsaufnahme direkt in das textile Gewebe. Die Grundlagentechnologie, mit der Chips und sehr kleine Sensoren in speziellen Gehäusen auf die textilen Gewebe aufgebracht werden können, während in den Stoff eingewebte feine Leiterbahnen für die elektrischen Verbindungen sorgen, wurde von der Münchener Halbleiterschmiede Infineon Technologies entwickelt. Erste denkbare Anwendungen werden auf der diesjährigen electronica in Form einer täglich stattfindenden High-Tech-Modenschau in Halle A5, Stand 506, präsentiert. Unter anderem ist eine Jacke mit einem sprachgesteuerten MP3-Player zu sehen, dessen Elektronik - bestehend aus Audio-Chip-Modul, abnehmbarem Batterie-/Multimediacard(MMC)-Modul, Kopfhörer/Mikrofon und flexibler Sensor-Tastatur - direkt in den Stoff des Kleidungsstückes eingearbeitet wurde und so verpackt ist, dass sogar ein Waschen schadlos überstanden wird. Die Waschanleitung könnte in Form eines ebenfalls waschmaschinenbeständigen elektronischen Etiketts eingewebt und von der "intelligenten" Waschmaschine der Zukunft berührungslos gelesen werden. Weitere "Wearable"-Anwendungsfelder sind Thermogeneratoren, die aus Körperwärme Energie gewinnen sowie Lösungen für die Pflege betagter und kranker Menschen. Der Einsatz der Thermogeneratoren ist derzeit auf Chipsysteme mit extrem geringem Leistungsverbrauch beschränkt, bietet aber einen viel versprechenden Ansatz für zukünftige Anwendungen, auch im Bereich der Medizin. Es könnten etwa Vitaldaten, die über Sensoren in der Kleidung gemessen werden, an Übertragungsgeräte gesendet werden. Damit ist die Fernbeobachtung Pflegebedürftiger durch den behandelnden Arzt oder eine Einsatzstelle möglich; auf Unregelmäßigkeiten kann schneller reagiert, durch rechtzeitiges Eingreifen Leben gerettet werden. Dazu Infineon-Pressesprecher Reiner Schönrock: "Zu der Vielzahl denkbarer Wearable-Electronics-Anwendungen gehören neben Infotainment und Kommunikation speziell auch die Felder Logistik, Medizin und Sicherheit. Zur Zeit sind wir mit über 200 verschiedenen Unternehmen im Gespräch, wobei das Spektrum von großen Textilfabrikanten bis hin zu weltweit bekannten Markenartikel-Herstellern reicht. So gibt es konkrete Ansätze unter anderem im Bereich der funktionellen Berufskleidung oder bei der Kleidung für den Gesundheits- und Pflegebereich. Die electronica 2002 ist eine großartige Plattform, dieser neuartigen Technologie zum Durchbruch zu verhelfen."

Ob es nun der Freizeitpulli mit integriertem MP3-Player und digitaler Kamera ist, der Business-Anzug mit integriertem PDA oder ein anderes "smartes" Kleidungsstück mit integrierter Mobiltelefon-, GPS- oder Bluetooth-Funktionalität für Kommunikations-, Ortungs- und Sicherheits-Aufgaben: In nicht allzu ferner Zukunft wird in vielen Haushalten zu hören sein: "Liebling, welchen Elektronik-Pulli soll ich Dir heute rauslegen?"

Zu den weiteren Anbietern, die auf dem Gebiet von "Wearable Electronics" tätig sind und auf der electronica 2002 ausstellen, gehören unter anderem Hitachi (A4.125), Philips, vertreten durch Spoerle Electronics (A4.225), IBM Microelectronics, vertreten durch Acal (B5.660), Seiko Instruments (A6.520) und einige Fraunhofer-Institute (A5.101, A5.142). Außerdem hat schätzungsweise jeder vierte Aussteller zumindest in Teilbereichen wie z.B. in der flexiblen Schaltungstechnik, in Display-Technologien oder im Power-Management, Berührungspunkte mit dieser Zukunftstechnologie.

Schmuckring als elektronischer Schlüsselbund

Eine weitere Elektronik-Innovation, die der Mensch als passendes elektronisches Accessoire zur kommunikativen MP3-Weste der Zukunft anlegen kann, stammt von Coreta (Halle B1, Stand 333). Die findigen Entwickler elektronischer Schliesstechnik aus Dresden haben sich zum Ziel gesetzt, alle alltäglichen Schließ- und Zugangsfunktionen mit dem Fingerring ausführen zu können. Dem individuellen Schmuckring kann ein Außenstehender nicht ansehen, dass sich in seinem Inneren ein Chip verbirgt, der alle persönlichen Codes wie Passwörter oder PINs sowie die Zugangsdaten zu jeglichen anderen elektronischen Schlössern, ob Tür-, Schrank- oder Vorhängeschloss, verwaltet. Das Verlustrisiko ist im Vergleich zu anderen (losen) Schlüsseln, elektronischen Schlüsselanhängern oder Chipkarten gering; der Ring am Finger ist jederzeit sofort verfügbar, ob im Dienst oder in der Freizeit. Ein kurze Berührung des Fingerringes an der Gegenkontaktplatte der jeweiligen Anwendung genügt und der Code wird innerhalb weniger Millisekunden übertragen. Stimmt der Code, erhält man Zugang. Dazu Coreta-Geschäftsführer Dr. Claus Rein: "Die Codeübertragung erfordert eine Berührung, sie ist somit eindeutig und sie ist abhörsicher, weil keine elektromagnetischen Wellen abgestrahlt werden. Niemand kann, wie bei Tastaturen oder Zahlencodeeingabegeräten leicht möglich, über die Schulter schauen und Passwort oder PIN ausspähen."

Anwendungen, wie die elektronische Signatur, elektronische Ausweise und elektronisches Bezahlen sind in einen Fingerring integrierbar. Die Vision vom Schlüsselbund, der Brieftasche und der Geldbörse im Fingerring ist realisierbar - technisch gesehen nur eine Frage des verwendeten Chips.



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Angela Präg

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