Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tiefe Hirnstimulation erfolgreich bei Parkinson

26.03.2014

Methode zur Therapie von Bewegungsstörungen am Knappschaftskrankenhaus

Eine Verlangsamung der Bewegungsabläufe, eine erhöhte Muskelsteifheit und unkontrollierbares Zittern: Schätzungen der Deutschen Parkinson Vereinigung zufolge leiden bundesweit rund 300.000 Menschen unter einem Morbus Parkinson, einer Erkrankung des Nervensystems.

Eine von davon ist die 50-jährige Dagmar Bürger, die nun als erste Patientin seit 2008 wieder mit der Tiefen Hirnstimulation am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum behandelt wurde. Bereits vier Tage nach der Operation geht es ihr spürbar besser:

Sie kann aus dem Bett aufstehen, gehen ohne dass ihre Bewegungen einfrieren und ihre Handschrift ist auch wieder fast wie früher. "Ich habe mir nicht vorstellen können, dass man mit diesem Eingriff solche Erfolge erzielen kann", sagt sie erleichtert.

Bei der Tiefen Hirnstimulation werden feine Elektroden in einer mehrstündigen Operation in das Gehirn eingesetzt. Diese übertragen in der Folge dauerhaft elektrische Impulse in bestimmte Regionen des Gehirns und bringen die Funktion von erkrankten Hirnstrukturen wieder ins Gleichgewicht.

Um die Elektroden implantieren zu können, wird der Kopf während der OP mit einem Rahmen fixiert, damit er sich nicht bewegt, und dann lokal betäubt. Der Patient ist während des Eingriffs bei Bewusstsein und kann sich mit dem Ärzteteam unterhalten.

Das ist wichtig, damit der Patient während der OP präzise untersucht werden kann. Nur so können die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen der Stimulation überprüft und ein optimales Behandlungsergebnis erzielt werden. Nach der Implantation der Elektroden wird unter Vollnarkose ein Schrittmacher unter dem Schlüsselbein eingebracht.

Mittels eines unter der Haut und hinter dem Ohr verlaufenden Kabels wird die Verbindung zu der Hirnelektrode geschaffen. In den Tagen nach dem Eingriff erfolgt die Feinjustierung des so genannten "Hirnschrittmachers". Fortan gibt er dauerhaft eine individuell eingestellte Menge elektrischer Impulse ab, um die "im falschen Takt" arbeitenden Hirnareale zu synchronisieren.

"Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass dabei keine dauerhaften Schäden an Gehirnstrukturen verursacht werden und die Wirkung der Stimulation auch im späteren Krankheitsverlauf individuell angepasst werden kann", erklärt Dr. Yaroslav Parpaley, Funktionsoberarzt in der Neurochirurgischen Klinik am Knappschaftskrankenhaus.

Auch wenn die Tiefe Hirnstimulation keinen Einfluss auf den natürlichen Verlauf der Parkinson-Erkrankung hat, so sind die Symptome in den meisten Fällen dank des Hirnschrittmachers besser beherrschbar und es reicht die Verabreichung eines Bruchteils des vorher eingenommenen Medikamentes aus. In internationalen Studien sind die Verbesserung der Beweglichkeit und die Steigerung der Lebensqualität von Parkinson-Patienten über einen längeren Zeitraum bewiesen.

Zur Durchführung dieses Eingriffs konnte im Oktober des letzten Jahres mit Dr. Yaroslav Parpaley ein Experte für Stereotaxie und Neuromodulation gewonnen werden, der seitdem das Verfahren der Tiefen Hirnstimulation in enger Zusammenarbeit mit Priv.-Doz. Dr. Sabine Skodda, Leitende Oberärztin der Neurologischen Klinik, wieder in Bochum als effektive Therapie von Bewegungsstörungen etabliert hat.

Eine solche Art der integrierten Versorgung der Patienten durch spezialisierte Neurochirurgen und Neurologen innerhalb eines Hauses wird im Ruhrgebiet derzeit nicht angeboten. Viele Wege von Abteilung zu Abteilung bleiben dem Betroffenen so erspart. "Wir setzen auf eine nahtlos ineinandergreifende Betreuung und vor allem auf Qualität", erklärt Dr. Parpaley.

Denn die Behandlung ist nicht mit der Operation abgeschlossen, sondern mit umfassender neurologischer und neurochirurgischer Vor- und auch Nachsorge verbunden. Dazu gehören beispielsweise die regelmäßige Stimulationsanpassung und die medikamentöse Optimierung. Um eine patientenorientierte Betreuung gewährleisten zu können, plant das Expertenteam am Knappschaftskrankenhaus künftig zehn bis 20 Patienten jährlich mit der Tiefen Hirnstimulation zu behandeln.

Weitere Informationen: Dr. Yaroslav Parpaley, 0234 / 299-80265.

Download der Pressemitteilung als PDF:

http://www.kk-bochum.de/Inhalt/Aktuelles/Presse-_und_Oeffentlichkeitsarbeit/_

Dateien_2014/03_18_Tiefe_Hirnstimulation.pdf

Bianca Braunschweig M.A.

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Fon: +49 (0)234 / 299-84033

Fax: +49 (0)234 / 299-4089

Mail: bianca.braunschweig@kk-bochum.de  

Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum GmbH

In der Schornau 23-25

D-44892 Bochum

www.kk-bochum.de

www.uk.rub.de 

Direkt-Link: www.kk-bochum.de/Inhalt/Aktuelles/Presse-_und_Oeffentlichkeitsarbeit/index.asp

Bianca Braunschweig | KK Bochum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Präzisionsbestrahlung bei Prostatakrebs: HYPOSTAT-Studie wird ausgeweitet
11.12.2017 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Neues Verfahren für die Erkennung von Brustkrebs etabliert
06.12.2017 | Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften