Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartiger Schirmverschluss schützt vor Schlaganfall bei Vorhofflimmern

20.10.2009
MHH-Kardiologen bieten als einzige Klinik in der Region Hannover eine Alternative zur langfristigen Therapie mit Blutgerinnungsmitteln an
Patienten mit Vorhofflimmern und erhöhtem Risiko für einen Schlaganfall wurden bislang langfristig mit Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung behandelt wie zum Beispiel Marcumar®.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung im Erwachsenenalter und seine Verbreitung wird mit steigender Lebenserwartung der Bevölkerung weiter zunehmen. Allerdings haben die eingesetzten Medikamente zur Blutverdünnung erhebliche Nebenwirkungen, von Blutungskomplikationen bis zur Notwendigkeit engmaschiger Blutwertkontrollen beim Hausarzt.

Die Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bietet seit fünf Monaten eine neue Behandlungsmethode an. "Durch den Verschluss des linken Vorhofsohres mit einer Art Minischirm können Schlaganfälle ebenso effektiv verhindert werden wie mit Medikamenten", sagt Professor Dr. Gunnar Klein, Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie.

"Der Patient kommt nach dem katheterunterstützten Eingriff über die Leiste langfristig ohne die Einnahme von Blutgerinnungshemmern aus." Diese Ergebnisse wurden in einer großangelegten Studie (PROTECT AF, Lancet 2009; 374: S.534) bestätigt. Die MHH ist in der Region Hannover die einzige Klinik, die diese Methode anbietet.

Die Methode ist besonders für Patienten mit erhöhtem Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern geeignet, also Patienten, die älter als 75 Jahre sind, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben oder unter chronischer Herzschwäche, Diabetes oder Bluthochdruck leiden. Der 71-jährige Helmut Diederich, der Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung nehmen musste, war in der MHH wegen einer schweren Blutungskomplikation mit Einblutung in die Brusthöhle aufgenommen worden. Da er als Diabetiker und Patient mit Bluthochdruck ein erhöhtes Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern hatte, haben Professor Klein und sein Kollege PD Dr. Arnd Schaefer, ebenfalls Oberarzt der MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie, sich für die neue Behandlungsoption entschieden: Sie implantierten ein im Durchmesser etwa drei Zentimeter großes Schirmchen im linken Vorhofohr. Dieser Schirm wird über einen Herzkatheter, der über die Leiste eingeführt wird, in den Vorhof eingebracht. Dort wurde das sogenannte Herzohr mit Hilfe des Schirmchens verschlossen. Die Ursache für einen Schlaganfall bei Vorhofflimmern liegt bei vielen Patienten in einer Ansammlung von Blutgerinnseln in genau diesem Herzohr. Aus diesem Anhängsel des Vorhofes können sich die Blutgerinnsel ablösen und mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen, wo sie einen Schlaganfall verursachen. "Verschließt man das Vorhofohr mit dem Schirm, können keine Blutgerinnsel mehr aus dem Vorhofohr abschwimmen und einen Schlaganfall verursachen", betont Professor Klein.

Der Eingriff wird in lokaler Betäubung durchgeführt und dauert etwa 30 bis 45 Minuten. Nach sechs Stunden darf der Patient wieder aufstehen und herumlaufen und wird am nächsten Tag nach Hause entlassen.

"Wir sind davon überzeugt, dass wir vielen Patienten mit Vorhofflimmern, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, auf diese einfache und sichere Art und Weise helfen können, insbesondere den Patienten, die wegen eines erhöhten Blutungsrisikos oder anderer Nebenwirkungen keine blutverdünnenden Medikamente einnehmen wollen oder können", betont PD Dr. Schaefer. In den vergangenen fünf Monaten hat die MHH-Klinik fünf Patienten mit der neuen Methode versorgen können. Die Kosten für die neue Behandlungsmethode übernehmen die Kassen. "Neben dem Gewinn an Lebensqualität -wir müssen die Patienten nicht mehr künstlich zu Blutern machen - fallen hohe lebenslange jährliche Therapiekosten für die blutverdünnenden Medikamente weg", ergänzt der Oberarzt.

Weitere Informationen erhalten Sie bei
Professor Klein und PD Dr. Schaefer über das Sekretariat der Klinik,
Telefon (0511) 532-6626 oder über Klein.Gunnar@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neues DaVinci-OP-System: Universitätsmedizin Mainz erweitert Spektrum an robotergestützten OP´s
03.02.2017 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Deutschlandweit erste Installation: Kompakter Roboter assistiert bei MRT-geführter Prostatabiopsie
02.02.2017 | Universitätsklinikum Leipzig AöR

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften