Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikroelektroden und Neurochips

01.10.2010
Wie belebte und unbelebte Natur kommunizieren
Richard E. Schneider*)
Das NMI Reutlingen (Naturwiss.-Med. Institut), ein spin-off der Uniklinik Tübingen, veranstaltete vom 29.6 bis 2.7. seine im zweijährigen Turnus stattfindende wissenschaftliche Tagung zu MEAs (Mikroelektroden-Arrays) in der Reutlinger Listhalle. Über 200 internationale Anwender und Entwickler aus Unis und privaten Forschungslabors stellten neue Ergebnisse und Entwicklungstrends zum Einsatz von MEAs in der Pharmakologie und Toxikologie vor.

Mikroelektroden sind um vieles kleiner als z.B. Schweiß-Elektroden und erfüllen Messfunktionen. Sie befinden sich auf kleinen Glasplatten, meist in Reihen von 8 x 8 oder 6 x 10 angeordnet und bieten auf kleinstem Raum (Abstand ca. 200 µm) bis zu 1000 Messstellen zur Abnahme von elektrischen Spannungen in Zell- oder Nervengewebe-Kulturen. MEAs sind präziser und vielfältiger einsetzbar als andere Messmethoden, sie ermöglichen mehr Aufschluss über physiologische Vorgänge, messen auch Mikro-Volt-Spannungen und Mikro-Impedanzen in neuen Biomaterialien. Überhaupt stellen MEAs eine früher nicht für möglich gehaltene Kommunikationsstelle zwischen Natur und Technik dar, weil sie die althergebrachte, für unüberbrückbar gehaltene Grenzlinie zwischen belebt und unbelebt aufheben.

Dr. Alfred Stett, Stellvertretender Direktor des NMI, sagte in Reutlingen: ¿Hier treffen sich Biologen mit Ingenieuren und Physikern, um aktuelle Ergebnisse und neue Entwicklungen zu diskutieren. Der aktuelle Trend geht zu noch mehr Messtellen für eine Probe.¿ Ein Großteil der aus China, Japan, Südkorea oder den USA angereisten Wissenschaftler arbeitet und forscht an inzwischen über 500 elektrophysiologischen Instituten mithilfe von MEAs, die das NMI herstellt und die sein Industriepartner MCS (Mulit-Channel-Systems), Reutlingen, mit der nötigen Software ausstattet und vertreibt.

In jüngerer Zeit interessierten sich auch Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen für die neuen elektrophysiologischen Methoden. In der Pharmaforschung genutzt werden MEAs bei der Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Alzheimer, Schlaganfall, Schizophrenie oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In den entsprechenden Zellkulturen aus diesen Geweben lassen sich Nebenwirkungen von pharmakologischen Wirkstoffen früh erkennen. Ausgewählte Substanzen werden hinsichtlich ihrer Wirkung und Nebenwirkung auf Ionenkanäle und Rezeptorsysteme in neuronalen Systemen und im Herz-Kreislauf-System untersucht. Neue Substanzen zur Behandlung von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen können ebenfalls mit MEAs gefunden und getestet werden.

Firmen-Neugründungen angestoßen
Das NMI Reutlingen, eine Stiftung öffentlichen Rechts, die 1985 mit der Herstellung der ersten Mikroelektroden-Arrays begann und sich inzwischen zu über 80 % aus Auftragsforschung für KMUs finanziert, hat noch einen anderen Trumpf in der Hand: Es befördert die Gründung neuer Biotech-Firmen. Inzwischen gehen zwölf Firmen-Gründungen auf Forschungsergebnisse der gegenwärtig 160 Mitarbeiter zurück. Letzter Erfolg war am 22.3.2010 die Gründung der Cellendes GmbH, die synthetische Hydrogele für dreidimensionale Zellkulturen herstellt. Das NMI bemüht sich, bei Erreichung eines Forschungsziels auch gleich die passenden Ingenieure, Wissenschaftler und Finanzexperten für solche spin-offs zu interessieren. Im Jahr 2009 generierten die NMI-Wissenschaftler einen Gesamtumsatz von 13,8 Mio. Euro ihres Instituts. Vor wenigen Monaten sagte Baden Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister 375000 Euro Zuschuss für das neue Innovationszentrum, einen 5 Mio. Euro teuren, fünfstöckigen Erweiterungsbau, zu.

| LABO
Weitere Informationen:
http://www.labo.de/produkt-innovationen/Life-Sciences-Innovations---Mikroelektroden-und-Neurochips.htm

Weitere Berichte zu: MEAs Mikroelektroden Mikroelektroden-Arrays NMI Neurochip Wirkstoffe Zellkultur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten
23.03.2017 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

nachricht Herzultraschall: Die dritte Dimension
21.03.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen