Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH implantiert ersten MRT-fähigen Defibrillator

23.11.2011
Mehr Sicherheit, mehr Lebensqualität: Neues Gerät übermittelt Herzdaten telemedizinisch

Kardiologen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben am 22. November 2011 im Rahmen einer Studie weltweit erstmals einem Patienten einen Defibrillator (ICD) der neusten Generation implantiert.

„Bislang konnte bei Patienten mit einem ICD keine Magnetresonanztomographie-Untersuchung sicher durchgeführt werden, da das starke Magnetfeld des Geräts die Funktion des ICD und der Elektroden dauerhaft schädigen kann“, sagte Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie. Der von der Firma Biotronik entwickelte Defibrillator Lumax 740 lässt nun aber solche MRT-Untersuchungen zu und ist zudem noch Telemedizin-tauglich.

„Dies sind wichtige Weiterentwicklungen in der immer breiter eingesetzten ICD-Therapie und erhöhen die Sicherheit und Lebensqualität der Patienten“, betont Professor Bauersachs. Die Entwicklung werde dazu führen, dass in einigen Jahren möglicherweise alle elektrisch aktiven Implantate in der Kardiologie MRT-fähig seien.

Patienten mit einer schweren Herzschwäche und Patienten mit überlebtem plötzlichem Herzversagen erhalten neben einer medikamentösen Herzschwächetherapie einen Kardioverter-Defibrillator (ICD) implantiert. „Der operative Eingriff ist heutzutage Standardtherapie“, erläutert Professor Dr. Gunnar Klein, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und Angiologie und Leiter der Rhythmologie/Elektrophysiologie. Die Operation ist komplikationsarm, dauert zwischen 30 und 90 Minuten und wird in lokaler Betäubung durchgeführt.

Der Defibrillator überwacht permanent den Herzrhythmus. Im Fall lebensbedrohlicher, bösartiger Herzrhythmusstörungen, wie zum Beispiel beim sogenannten Kammerflimmern, gibt der Defibrillator einen lebensrettenden Stromstoß ab und bringt somit das Herz der schwerkranken Patienten wieder in Rhythmus „Allerdings ist etwa bei jedem zweiten Patient, der einen ICD trägt, irgendwann im Laufe des Lebens eine Magnetresonanztomographie notwendig“, sagt Professor Bauersachs, „zum Beispiel zur genaueren Untersuchung des Gehirns, des Rückenmarkes, der Bauchorgane oder der Gelenke.“

Bislang implantierte Defibrillatoren können durch die starken Magnetfelder einer Kernspintomographie dauerhaft geschädigt werden oder schmerzhafte, inadäquaten Stromstößen verursachen. Die neuste ICD-Generation ist für die meisten MRT-Untersuchungen geprüft und zugelassen. Doch damit nicht genug: „Mit der neusten Gerätegeneration können wir die Herzfunktion jetzt direkt über den ICD messen“ erläutert Professor Klein, und via Handy werden die Daten direkt zum betreuenden Arzt übertragen.“ Dafür misst das Gerät den Widerstand zwischen einer an der rechten und einer an der linken Herzkammer gelegenen Elektrode und schätzt so die Herzfunktion ab, insbesondere die Menge an geförderter Blutleistung. „Der betreuende Arzt kann gegebenenfalls frühzeitig erkennen, ob bei seinem Patienten eine Verschlechterung der Herzschwäche eingetreten ist, und mit stärkeren Medikamenten oder einer anderen Behandlung frühzeitig gegensteuern.“ Ziel dieser neuen Widerstandsmessung im Herzen ist eine Reduktion von Krankenhausaufenthalten und damit eine verbesserte Lebensqualität für die Patienten.

Das in der MHH weltweit erstmals implantierte MRT-fähige ICD-System wird im Rahmen einer europaweiten, prospektiven und multizentrischen Studie untersucht, die Professor Klein leitet.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Bauersachs und Professor Klein unter den Mailadressen bauersachs.johann@mh-hannover.de und klein.gunnar@mh-hannover.de sowie telefonisch unter (0511) 532-3840. Informationen über die Studie erhalten Sie unter http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01454050.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Deutschlandweit erstes Gerät für hoch fokussierten Ultraschall bei Tremor und Parkinson
11.04.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Nuklearmedizinische Herzuntersuchungen – Neue Techniken, größere Präzision
09.04.2018 | Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Netzspannung und Lastströme live und präzise im Blick

24.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Poröse Salze für Brennstoffzellen

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestände des invasiven Kalikokrebses reduzieren und heimische Arten schützen

24.04.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics