Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Große Lungenoperation – kleine Schnitte

16.06.2010
Neues Operationsverfahren am Lungenzentrum des Klinikums der J.W. Goethe-Universität Frankfurt

Im Lungenzentrum des Klinikums der J.W. Goethe-Universität wurde ein neues Operationsverfahren erstmals angewendet: die Entfernung eines ganzen Lungenlappens bei Lungenkrebs durch eine Schlüssellochoperation. Dieses Verfahren erfordert, neben dem Einsatz modernster Technologie wie HD-Videoübertragung und neuer Klammernahtapparate zur Durchtrennung der Blutgefäße und Bronchien, eine große chirurgische Erfahrung der Operateure.

Die Durchführung von Operationen mit kleinen Hautschnitten, auch genannt Schlüssellochchirurgie, gehört zu den inzwischen fest etablierten Techniken der modernen Chirurgie. Auch bei Lungenoperationen kommen diese endoskopischen Verfahren seit Jahren zur Anwendung, meist zur Entnahme von Gewebeproben oder bei anderen kleineren Eingriffen an Lunge oder Brustwand. Nun aber ist es dem Operationsteam des Lungenzentrums gelungen, diese Technik auch für einen sehr aufwendigen Eingriff, der Entfernung eines Lungenlappens, zu nutzen.

„Mit der Einbindung des in der minimal-invasiven Operationstechnik erfahrenen Chirurgen Dr. Mauricio Soriano in unser Team ist es uns gelungen, die endoskopische Lungenlappenentfernung in unserem Zentrum zu etablieren“, erklärt Prof. Dr. Peter Kleine, Leiter der Thoraxchirurgie des Lungenzentrums. Die bisher operierten Patienten erholten sich schneller und schmerzfreier von dem Eingriff, was die Vorteile der Operationstechnik klar bestätigt. Eine Entlassung aus der stationären Behandlung war bereits nach einigen Tagen möglich, insbesondere aufgrund der Schmerzfreiheit und der geringen körperlichen Beeinträchtigung bei normalen Alltagsbelastungen.

Die Entfernung eines Lungenlappens ist das Standardverfahren bei operablem Lungenkrebs. Es wird verbunden mit einer Entfernung der Lymphknoten im Brustraum. Auch diese ist ohne Einschränkung durch die minimal-invasive Operation durchführbar. Die Planung der für den individuellen Patienten optimalen Operationstechnik ist durch die Weiterentwicklung der Röntgenverfahren, zum Beispiel der PET-Computertomografie, immer sicherer geworden. Hier ist die enge Zusammenarbeit der Thoraxchirurgie mit insbesondere Prof. Dr. Thomas Vogl und Prof. Dr. Volkmar Jacobi vom Universitären Zentrum für Radiologie für die Planung von entscheidender Bedeutung. Nicht allen Lungenkrebs-Patienten kann die Schlüssellochoperation angeboten werden, insbesondere große Tumoren und eine ausgedehnte Ausbreitung des Tumors erfordern nach wie vor eine Öffnung des Brustraums. „Die Entscheidung über das beste Verfahren erfolgt im Team, auch in Zusammenarbeit mit unseren Kollegen der Anästhesie und der Lungenheilkunde“, hebt Prof. Dr. Kleine die notwendige Teamarbeit hervor. „Derzeit führen wir die Operation bereits einmal wöchentlich durch, mit steigender Erfahrung erwarten wir eine weitere Zunahme.“

Die neue videogesteuerte Operationstechnik erfordert genaue Planung und Vorbereitung. Das Lungenzentrum kann sich hier auf die Kooperation im Universitären Centrum für Tumorerkrankungen UCT verlassen, das seit dem letzten Jahr durch die Deutsche Krebshilfe gefördert wird. „Die Behandlung von Lungenkrebs gehört zu unseren wichtigsten Aufgaben der Zukunft, da eine Zunahme der Erkrankungen leider wahrscheinlich ist“, betonen Prof. T.O.F. Wagner und Prof. Dr. Hubert Serve vom UCT. Das minimal-invasive und auf Heilung zielende Operationsverfahren ist auch für ältere Patienten sowie Betroffene mit schweren Begleiterkrankungen geeignet.

Mit der Etablierung der endsokopischen Lungenlappen-Entfernung wurde ein weiterer Schritt in Richtung schonender Krebstherapie am Universitätsklinikum vollzogen. Das Operationsverfahren wird an allen Standorten des Lungenzentrums angeboten, im Klinikum der J.W. Goethe-Universität, im St. Elisabethen-Krankenhaus Frankfurt und im Ketteler-Krankenhaus Offenbach.

Frankfurt am Main, 16. Juni 2010

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Peter Kleine
Leiter des Schwerpunkts Thoraxchirurgie
Klinik für Thorax- Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fon: (0 69) 63 01 – 49 76
Fax: (0 69) 63 01 – 46 17
E-Mail: peter.kleine@kgu.de
Ricarda Wessinghage
Recht/Öffentlichkeitsarbeit/Presse
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fon: (0 69) 63 01 – 77 64
Fax: (0 69) 63 01 – 8 32 22
E-Mail: ricarda.wessinghage@kgu.de

Elisabeth Behringer | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken
28.03.2017 | Technische Universität Braunschweig

nachricht Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten
24.03.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten