Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cyberknife Cologne eröffnet - Uniklinik Köln bietet innovative Strahlentherapie

23.11.2011
Seit heute (23.11.2011) steht an der Uniklinik Köln ein Cyberknife zur strahlentherapeutischen Behandlung vor allem von Krebs-Patienten zur Verfügung.

Bei dem Gerät handelt es sich um einen robotergestützten Linearbeschleuniger, der mit höchster Genauigkeit Tumoren bestrahlen kann, ohne umliegendes Gewebe zu schädigen. Mit der Eröffnung des Cyberknife Cologne steht diese einzigartige, interdisziplinäre Spitzenmedizin nun erstmalig auch an einer Uniklinik im Westen Deutschlands zur Verfügung.


Das Cyberknife
Foto: MFK

Zu Beginn der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung des Cyberknife Cologne sagte Prof. Dr. Edgar Schömig, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor der Uniklinik Köln: „Die Eröffnung des Cyberknife Cologne ist ein wichtiger Tag für die Strahlentherapie an der Uniklinik Köln. Für Patientinnen und Patienten aus der gesamten Region und aus dem Ausland werden wir zum Anlaufpunkt für eine weitere, innovative Tumor-Therapie.“

Des Weiteren betonte er die Rolle der Universitätsmedizin für eine patientenzentrierte, wissenschaftsnahe und innovative Medizin. Diese erfordere auch Technik auf dem neuesten Stand – wie das Cyberknife Cologne. Besonders betonte er die Einbindung des neuen High-Tech-Gerätes in die Strukturen des 2004 gegründeten Centrums für Integrierte Onkologie Köln/Bonn (CIO Köln/Bonn). Hier arbeiten alle Kliniken und Institute zusammen, die an der Betreuung von Patienten mit der Diagnose Krebs beteiligt sind.

Ziel ist hierbei die konsequente und stetige Verbesserung der Behandlung und Betreuung von Krebspatienten. Prof. Schömig sagte: „Für die angestrebte bestmögliche Behandlung unserer Patienten ist das neue Cyberknife Cologne ein großer Gewinn, vor allem für diffizile onkologische Fragestellungen im Rahmen unseres interdisziplinären CIO Köln/Bonn.“

Günter Zwilling, Kaufmännischer Direktor der Uniklinik Köln, betonte in seinem Beitrag die Rolle der Finanzierung: „Durch das Konjunkturpaket II des Bundes ist es für uns möglich geworden, das Gebäude der Strahlenklinik insgesamt zu modernisieren und auszuweiten sowie das Cyberknife anzuschaffen.“ Bezogen auf die Kosten sagte er: „Die Gesamtinvestition für das Gebäude sowie die medizintechnischen Geräte beträgt circa 15 Millionen Euro.“

Prof. Dr. Volker Sturm, Direktor der Klinik für Funktionelle Neurochirurgie und Stereotaxie, hat in den 1980iger Jahren gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Schlegel, Prof. Dr. Günther Hartmann und Dipl.-Ing. Otto Pastyr am Deutschen Krebsforschungszentrum erstmals Linearbeschleuniger für die Verwendung in der Stereotaxie entwickelt.

Bereits 1983 nahm er mit seinem Team die weltweit erste Bestrahlung dieser Art vor. Nach seinem Ruf an die Uniklinik Köln brachte er die Technik gemeinsam mit Prof. Müller zur Perfektion: „Die stereotaktische Radiochirurgie blickt auf eine über 40-jährige Geschichte zurück. In der Entwicklung des Cyberknifes sind alle unsere Erfahrungen integriert und zu höchster Perfektion gebracht worden.“

Als wesentlichen Vorteil des neuen Cyberknifes nannte er die Behandlungsmöglichkeit von Tumoren, die so im Körper sitzen, dass ihre Bestrahlung mit herkömmlichen Methoden innere Organe, das Gehirn oder umliegendes Gewebe stark schädigen würde.

Dies sei zum Beispiel bei Wirbelsäulenmetastasen bisher der Fall gewesen. „Das Cyberknife ermöglicht hingegen fraktionierte, stereotaktische Bestrahlungen mit höchster Präzision. Dies schafft die Voraussetzungen zur Behandlung von Tumoren, die wegen ihrer Größe bislang strahlenchirurgisch nicht angegangen werden konnten.“

Prof. Dr. Rolf-Peter Müller, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie, erklärte in seinem Beitrag zuerst den Aufbau des neuen Gerätes: „Das Cyberknife ist ein leichter, kompakter Linearbeschleuniger, der auf einem Roboter montiert ist, wie man ihn aus der Automobilindustrie kennt. Dieser kann sich in sechs Freiheitsgraden bewegen, so können alle Körperregionen für eine optimale Bestrahlung erreicht werden. Gekoppelt ist der Roboter mit einem Bildortungssystem, mit dem das Cyberknife jeden Tumor während der gesamten Behandlung erfassen und kontrollieren kann.“

Zur Funktionsweise führte Prof. Müller aus: „Das Cyberknife gibt nacheinander zahlreiche, hochenergetische Strahlen aus unterschiedlichen Richtungen auf ein definiertes Gebiet innerhalb des Körpers ab. Jeder einzelne Strahl kann keine Schädigung des Gewebes bewirken – dafür ist er schlicht zu schwach. Aber die Bündelung aller Strahlen im Ziel führt zu einer Zerstörung des Tumorgewebes. Gesundes Gewebe in der Umgebung des Tumors wird hierbei jedoch geschont.“

Durch eine spezielle Technik ist das Cyberknife außerdem in der Lage, Bewegungen des Körpers während der Strahlentherapie auszugleichen und so sicherzustellen, dass nur das vorgegebene Zielgebiet in Anpassung an die Körperbewegung bestrahlt wird.

Prof. Müller: „Man kann durchaus sagen – das Cyberknife atmet mit.“ Die Mediziner haben so die Möglichkeit, auch Tumoren der Lunge, des Abdomens, des Beckens sowie Bereiche der Wirbelsäule mit extremer Genauigkeit und höchster Schonung für den Patienten zu bestrahlen. Die Behandlungen werden in aller Regel ambulant durchgeführt, sind schmerzfrei und haben nur geringe Nebenwirkungen.

Außerdem bietet das Cyberknife zusätzlich einen Zeitgewinn für den Patienten. Es besteht die Möglichkeit, die Strahlendosis als Einzeit-Bestrahlung durchzuführen oder in zwei bis fünf kleinere Dosen aufzuteilen (Hypofraktionierung). Dies verkürzt die Behandlungszeit von drei bis neun Wochen bei herkömmlicher Bestrahlung auf nur ein bis fünf Tage.

Für Rückfragen:

Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de

Christoph Wanko | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Virtual Reality in der Medizin: Neue Chancen für Diagnostik und Operationsplanung
07.12.2016 | Universität Basel

nachricht Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten
06.12.2016 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie