Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der OP-Tisch wird zum intelligenten Assistenten

30.08.2007
BMBF-Projekt orthoMIT: "Schonendes Operieren mit innovativer Technik"

Der Arzt sieht sich im Operationssaal immer mehr mit komplizierter Technik konfrontiert, die seine Aufmerksamkeit vom Patienten ablenkt. Einfache und bedienungsfreundliche Handhabung ist deshalb eine unabdingbare Voraussetzung im OP-System der Zukunft.

Im vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt orthoMIT widmen sich Mediziner und Ingenieure der RWTH Aachen in Kooperation mit anderen Forschungsinstituten, Kliniken und Industrieunternehmen aus ganz Deutschland dem schonenden Operieren mit innovativer Technik. Bis 2010 konzentriert sich einer von mehreren Schwerpunktbereichen dieses in Aachen koordinierten, fast 13 Millionen Euro umfassenden Projekts auf die ergonomische Gestaltung und Gebrauchstauglichkeit der Medizintechnik.

Wie sieht die Schnittstelle von Mensch und Maschine im Operationssaal aus? An welcher Stelle entstehen aus welchen Gründen Fehler? Wo ergeben sich unnötige Belastungen für Patient und OP-Team? Und wie müssen die Systeme gestaltet oder angeordnet sein, damit eine möglichst flexible, fehlerfreie Bedienung möglich ist und der Operateur unter optimalen Bedingungen arbeiten kann. Diese Fragen treiben das Team um Univ.-Prof. Dr. med. Fritz-Uwe Niethard von der Orthopädischen Klinik im Universitätsklinikum Aachen und Univ.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Radermacher vom Lehrstuhl für Medizintechnik der RWTH Aachen an, wenn sie im Rahmen von orthoMIT den chirurgischen Arbeitsplatz der Zukunft planen. "Wenn der Arzt bei seinen Eingriffen beispielsweise über lange Zeit hinweg eine ungünstige Körperhaltung einnehmen muss, so beeinträchtigt dies auch die Präzision und Effizienz seiner Arbeit. Langfristig schädigt es unter Umständen sogar seine Gesundheit und er wird selbst zum Patienten. Ein angepasster Arbeitsplatz trägt somit zur Qualitätssicherung bei, von der vor allem der Patient und der behandelnde Arzt, letztlich jedoch auch das ganze Gesundheitswesen profitiert", schildert Prof. Radermacher.

... mehr zu:
»Medizintechnik »RWTH

Einen konkreten Schritt in diese Richtung stellt zum Beispiel der wissensbasiert einstellbare Operationstisch dar. Die Körpermaße von Patient und Arzt werden in das System eingegeben, ebenso der beabsichtigte Eingriff. Der rechnergestützte Assistent weiß außerdem um die Abläufe der vorgesehenen Operation sowie um die technische Ausstattung des Raumes mit den Ausmaßen der einzelnen Geräte und um deren Einsatzfolge während der OP. Der Operationstisch der Zukunft empfiehlt daraufhin eine jeweils ergonomisch optimierte Tischeinstellung und passt die Lagerung des Patienten auf Wunsch des Operateurs den jeweils aktuellen Bedürfnissen an. Darüber hinaus hilft ein intelligentes Navigationsmodul, die Bewegungen von Operationstisch und Röntgengerät während der Operation so zu koordinieren, dass exakte Kontrollaufnahmen mit minimaler Strahlenbelastung erstellt werden können. Erste Tests mit diesem System haben gezeigt, dass die Zahl der Röntgenaufnahmen um 60 bis 80 Prozent reduziert werden könnte. Dies würde sowohl für den Patienten als auch für das Operationsteam eine deutlich reduzierte Strahlenexposition bedeuten.

Um diesen intelligenten OP-Tisch zu entwickeln, werden derzeit im Rahmen einer Dissertation aus Analysen zu Körperhaltungen und Arbeitsabläufen bei Operationen Optimierungsstrategien abgeleitet. Auf der Grundlage der bisherigen Erkenntnisse haben Prof. Radermacher und seine interdisziplinäre Mannschaft inzwischen einen ersten Prototypen eines rechnergesteuerten Operationstisches entwickelt, der zur Zeit gemeinsam mit Medizinern und Industriepartnern evaluiert wird.

"Der Trend geht ganz deutlich in die Richtung einer intelligenten OP-Umgebung", ist Prof. Radermacher überzeugt. "Der wissensbasierte OP-Tisch ist nur der Anfang. Damit verbunden ist eine flexible und modulare Kommunikationsfähigkeit der Technik. Sprach- und Gestenerkennung, interaktive Navigationssysteme, sensorengesteuerte Miniaturroboter und vieles mehr machen aus dem OP-Saal einen intelligenten Assistenten, der sich ganz den Bedürfnissen von Arzt und Patienten anpasst."

Toni Wimmer

Weitere Informationen erhalten Sie bei Univ.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Radermacher, Lehrstuhl für Medizintechnik im Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik der RWTH Aachen, Pauwelsstraße 20, 52074 Aachen, Telefon 0241/80-23873, E-Mail radermacher@hia.rwth-aachen.de.

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Medizintechnik RWTH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen
24.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht Deutschlandweit erstes Gerät für hoch fokussierten Ultraschall bei Tremor und Parkinson
11.04.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics