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Katheter erreicht kleinste Verästelungen am Herzen

06.02.2007
Stereotaxie-Anlage am Universitätsklinikum Mannheim zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Das Universitätsklinikum Mannheim verfügt seit dem Jahreswechsel über eine der europaweit modernsten Behandlungseinrichtungen zur Therapie von Herzrhythmusstörungen.

Die Stereotaxie-Anlage ermöglicht es, einen Katheter über die Blutbahn besonders präzise in das Herz vorzuschieben, um dort die Herzrhythmusstörung zu behandeln. Besonders augenfällig sind zwei etwa Hüpfball-große Magnete an der Anlage, mit deren Hilfe der Arzt die metallene Spitze des dünnen, schlauchartigen Katheters in bisher nicht erreichbare kleinste Verästelungen der Blutgefäße im Herzen lenken kann - daher auch der Begriff Stereotaxie, also eine von zwei gegenüberliegenden Seiten aus eingesetzte räumliche Fernsteuerung. Das zur Therapie der Gesundheitsstörung eingesetzte Verfahren ist die so genannte Katheterablation: Die Metallspitze wird durch einen von dem Kardiologen ausgelösten Impuls erhitzt und verödet Herzgewebe, das bis dahin durch überaktive Reizleitungen die Herzrhythmusstörungen ausgelöst hat.

Das einschließlich der erforderlichen Umbauten rund 3,5 Millionen Euro teure Gerät ist zum Jahreswechsel 2006 / 2007 in der auf Herzerkrankungen spezialisierten I. Medizinischen Universitätsklinik in Betrieb genommen worden. Klinikdirektor Professor Dr. Martin Borggrefe und die Oberärzte Privat-Dozent Dr. Tim Süselbeck und Privat-Dozent Dr. Christian Wolpert sehen in der Investition einen großen Nutzen für die Patienten: "Durch die fein abgestimmten Veränderungen des Magnetfeldes ist es möglich, mit dem biegsamen Katheter in bislang nahezu unerreichbare Winkel und Areale der Herzkranzgefäße zu gelangen. Durch die Navigation mit den zwei großen Magneten können wir die Katheterspitze an jede Position stufenweise heranführen, indem diese Magnete unterschiedlich ausgerichtet werden."

Die Navigation erfolgt anhand einer Computersimulation: Das zuvor mit einem Computertomographen erstellten Aufnahmen des Herzens werden in einer dreidimensionalen Darstellung abgebildet. An dieser Abbildung auf dem Bildschirm orientiert sich der Arzt beim Vorschieben des Elektrodenkatheters. Die Durchleuchtung des Brustraums ist zunächst nur beim Start der Untersuchung nötig, kann aber jederzeit zur Kontrolle erneut aktiviert werden. Angenehme Folge für die Patienten und die behandelnden Ärzte: Sie sind weniger Röntgenstrahlen ausgesetzt als bisher.

Außer im Mannheimer Universitätsklinikum steht diese Technologie mit dem Namen Niobe II derzeit europaweit nur zehn Zentren zur Verfügung. Die behandelten Patienten können zumeist nach einer Nacht, die sie zur Überwachung im Klinikum verbleiben, wieder nach Hause. Der Zeitaufwand für die Behandlung liegt meist bei drei bis vier Stunden pro Patient.

Ziel von Katheterablationen ist es, Art und Mechanismus der vorliegenden Herzrhythmusstörungen festzustellen und zu therapieren. Sobald die Diagnose der Herzrhythmusstörung feststeht, kann der Arzt in vielen Fällen sofort eine Verödung des erkrankten Bereichs mit Hochfrequenzstrom oder Kälte durchführen. Die Katheterablation ist eine unter örtlicher Betäubung durchgeführte Behandlungsmethode, die vor zwanzig Jahren entwickelt und seither immer weiter verfeinert wurde. Mit dieser Methode konnte man erstmals Unregelmäßigkeiten des Herzschlags ohne eine Operation am offenen Brustkorb behandeln, außerdem mit deutlich weniger Risiken als mit den zum damaligen Zeitpunkt verfügbaren Verödungstechniken. Im Juni 1986 hatten Professor Dr. Martin Borggrefe und Professor Dr. Günther Breithardt die weltweit erste Hochfrequenzstrom-Kathetherablation durchgeführt. Nach den ersten Behandlungen in Deutschland hat diese Therapie in den vergangenen Jahren über Europa und die USA einen weltweiten Siegeszug angetreten: Dies dokumentiert nicht zuletzt die Zahl von rund 20.000 Ablationsbehandlungen, die pro Jahr allein in Deutschland vorgenommen werden.

Unser Herz schlägt am Tag durchschnittlich etwa 100.000 mal, doch keineswegs immer in regelmäßigen Abständen. Jeder Mensch hat in seinem Leben gelegentlich Herzrhythmusstörungen - Unregelmäßigkeiten des normalen Herzschlags in Form von Geschwindigkeitsänderungen, kurzen Unterbrechungen oder zusätzlichen Herzschlägen. In der Regel sind diese Unregelmäßigkeiten harmlos. Treten sie allerdings häufiger auf, sollten sie ärztlich untersucht werden. Die Kardiologen am Mannheimer Universitätsklinikum verfügen übrigens noch über ein zweites komplett eingerichtetes elektrophysiologisches Labor, in dem Herzerkrankungen mit Kathetern behandelt werden können.

Klaus Wingen | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum-mannheim.de

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