Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biologischer Wundverband mit Laser

06.01.2006


InnoNet-Forschungspreis an Plastischen Chirurgen des RUB-Klinikums Bergmannsheil
Hilfe bei Druckgeschwüren, Verbrennungen, offenen Beinen

Ob offene Beine, Brandwunden oder diabetischer Fuß: Chronische Wunden sind schwierig zu behandeln, infizieren sich häufig und ziehen schwer wiegende Komplikationen nach sich. Eine neuartige Laserverklebung soll in solchen Problemfällen künftig helfen. Für sein Projekt zur Entwicklung der sog. lasermediierten Gewebeverklebung, das er in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik Aachen durchführt, wurde Juniorprofessor Dr. Lars Steinsträßer (RUB-Klinik für Plastische Chirurgie in den BG Kliniken Bergmannsheil, Direktor Prof. Dr. Hans-Ulrich Steinau) nun mit dem InnoNet-Forschungspreis des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) zur Förderung von innovativen Netzwerken ausgezeichnet. Die Fördersumme beträgt 200.000 Euro.

Undichte Stellen am Wundrand

Entscheidend für den Behandlungserfolg bei chronischen Hautdefekten wie etwa Druckgeschwüren (Dekubitus) und großflächigen Wunden wie Verbrennungen oder Abschürfungen ist die Qualität der Wundabdeckung. Sie sollte zum einen ein möglichst feuchtes Wundmilieu erzeugen, in dem sich schnell neue Hautzellen bilden können. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, wie lange ein steriler Verband auf der offenen Verletzung belassen werden kann - oft ein "wunder Punkt" in der Wundbehandlung: Herkömmliche Fixierungen z.B. mittels Klammern sind oft nicht haltbar genug. Es entstehen meistens undichte Stellen, die einen Wechsel der Wundauflage nach kurzer Zeit erfordern. Um eine gute Heilung zu erzielen, muss der Verband aber mindestens über drei bis vier Tage die Wunde bedecken. Häufige Folge des zu frühen Verbandwechsels sind Infektionen, die schließlich bis hin zur Amputation der betroffenen Gliedmaße oder schlimmstenfalls sogar zum Tod des Patienten führen können.

Kunsthaut mit der Haut verschweißen

Als Wundauflage werden derzeit Hautimplantate verwendet, die entweder aus eigener Haut (Spalthaut) des jeweiligen Patienten oder aus zellbesiedelten Kunststoffnetzen bzw. hochporösen Folien, so genannten Scaffolds, gewonnen werden. Die kunststoffbasierten Scaffolds sind idealerweise aus einem bioresorbierbaren, d.h. vom Körper abbaubaren, Material gefertigt. Da sie unmittelbar verfügbar sind und nicht wie Spalthaut erst in einer Operation gewonnen werden müssen, können die Scaffolds die Zeit bis zum Wundverschluss erheblich verkürzen. Sie ermöglichen eine feuchte Wundheilung und können mit Medikamenten behandelt sein, die den Wundbereich keimfrei halten oder die Wundheilung fördern. Ziel des Forschungsprojekts ist es nun, diese Kunsthaut mittels Laser mit dem Gewebe zu verkleben: Dazu soll der Laser Proteine in der Wundflüssigkeit so verändern, dass sie sich fest mit dem Gewebe verbinden und es so mit der eigenen transplantierten Haut oder dem Scaffold verschweißen.

Behandlungsdauer und -kosten verringern

Laser werden in der Chirurgie schon in vielfältiger Weise zum Entfernen und Schneiden von Gewebe (Photovaporisation) angewendet. Dabei werden CO2-Lasersysteme hauptsächlich zum Schneiden - oder in Verbindung mit schnell scannenden Strahlablenkeinheiten - zur Hautglättung (skin-resurfacing) eingesetzt. "Die klinische Bedeutung des Verfahrens liegt in seiner vielseitigen Anwendbarkeit: Das gezielte, schonende Verbinden von Gewebe im feuchten Milieu wäre für alle chirurgischen Bereiche ein enormer Fortschritt", erklärt Dr. Steinsträßer. Eine verbesserte Behandlung von großflächigen Verletzungen der Haut in Folge von Verbrennungen, Abschürfungen oder chronischen Hautdefekten, könnte den Therapiezeitraum, die Verweildauer, die Behandlungskosten und nicht zuletzt die Belastung der Patienten und ihres sozialen Umfelds erheblich verringern.

Weitere Informationen

Juniorprofessor Dr. Lars Steinsträßer, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, BG Kliniken Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Bürkle-de-la-Camp Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-3442, Fax: 0234/302-6379, E-Mail: lars.steinstraesser@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Chirurgie Laser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Einfacher Schieltest mit neu entwickelter Strabismus-Video-Brille
19.07.2017 | UniversitätsSpital Zürich

nachricht Kunstherz auf dem Prüfstand
13.07.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten