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Nanopartikel besiegen Krebs

11.10.2000

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Künstliches Fieber läßt Tumorzellen absterben. Der Körper entsorgt sie dann selbst

BONN/SAARBRÜCKEN. Die Nanowerkstoffe des Leibniz-Instituts für Neue Materialien (INM) in Saarbrücken eröffnen jetzt auch für die Heilung von Krebs eine neue frappierende Perspektive. Sie sind der Grundstoff für eine neuartige Krebstherapie, die am Berliner Universitätsklinikum Charité entwickelt wurde und mit der bald verschiedene Tumorarten wirkungsvoller in Kombination mit Operation, Chemo- und Strahlentherapie geheilt werden können. Bereits im nächsten Jahr sollen die ersten Patienten mit bisher unheilbarem Gehirntumor in Berlin auf diese Weise behandelt werden.

Mit der chemischen Nanotechnologie lassen sich nur wenige Millionstel Millimeter große Teilchen ganz gezielt mit bestimmten Materialeigenschaften herstellen. Nanopartikel stellen eine besondere Zustandsform der Materie zwischen dem einzelnen Molekül und dem festen Körper mit neuen Eigenschaften dar. Sie sind nicht nur 10.000 Mal kleiner als der Durchmesser eines Menschenhaares, sie sind auch rund tausend Mal kleiner als rote Blutkörperchen und können deshalb beliebig durch die feinsten menschlichen Blutgefäße strömen und anschließend von Tumorzellen millionenfach aufgenommen werden.

Die von Dr. Andreas Jordan an der Charité entwickelte so genannte Magnetflüssigkeits-Hyperthermie beruht auf einem faszinierenden Prinzip: Durch Injektionen oder über die Blutbahn werden Nanopartikel aus Eisenoxid in die Krebsgeschwulst gebracht. INM-Direktor, Professor Helmut Schmidt, und seine Mitarbeiter können mit der von ihnen entwickelten Technologie solche Nanopartikel nicht nur in industriellem Maßstab herstellen, sondern es ist ihnen auch gelungen, sie an ihrer Oberfläche biochemisch so raffiniert zu gestalten, dass die gefräßigen Krebszellen sie als vermeintlichen Nährstoff in sich aufnehmen. Hat sich die gesamte Krebsgeschwulst schließlich mit Nanopartikeln "vollgefressen", schalten die Mediziner ein neu entwickeltes Magnetfeldtherapie-System ein. Das für den Menschen ungefährliche Magnetwechselfeld erwärmt nur die Nanopartikel - die Krebszellen bekommen gleichsam hohes Fieber und sterben ab. Für ihre Beseitigung sorgt dann der menschliche Körper selbst. Die Nanopartikel werden ausgeschieden und über den normalen Stoffwechsel abgebaut.

Seit gut einem Jahr sind die Nanopartikel des INM zigmal zwischen Berlin und Saarbrücken hin und her geschickt, ausprobiert und ihre Eigenschaften immer weiter optimiert worden, erläutert Schmidt. Mittlerweile sind sie so fortgeschritten, dass sie von den Krebszellen in hoher Zahl aufgenommen werden, ergänzt Jordan, der auch das spezielle Verfahren zur Testung der Teilchen an hochreinen menschlichen Krebszellen im Reagenzglas entwickelt hat.

Weitere Informationen bei Dr. Andreas Jordan, Medizinische Fakultät - Universitätsklinikum Charité, Strahlen- und Poliklinik, SFB 273, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin, Email: Andreas.Jordan@charite.de und Prof. Dr. Helmut Schmidt, Institut für Neue Materialien (INM), Im Stadtwald - Geb. 43, 66123 Saarbrücken, Tel. 0681/9300-313,
 Email: schmidt@inm-gmbh.de.

Informationen zum Thema Nanopartikel in der Medizin finden sich auch auf der Homepage des Nanochemie-Kompetenzzentrums, in dem sowohl das INM als auch die Arbeitsgruppe von Jordan Mitglied sind: http://www.cc-nanochem.de/medizinmf.htm.

Das INM gehört zusammen mit 77 anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (WGL). Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär. Sie sind von überregionaler Bedeutung, betreiben Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Näheres unter: http://www.wgl.de.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Frank Stäudner | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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