Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zuckerkrankheit wird aufgrund neuester genetischer Erkenntnisse besser vorhersagbar

29.06.2010
Durchbruch in der Diabetes-Vorhersage insbesondere für junge Risikopatienten: Einem internationalen Forscherteam, dem auch Prof. Dr. Bernhard O. Böhm, Leiter des Schwerpunkts Endokrinologie, Diabetes und Stoffwechsel an der Klinik für Innere Medizin I, angehört ist es gelungen, insgesamt zwölf Diabetes-Gene zu identifizieren, die eine wichtige Rolle zur näheren Bestimmung der genetischen Grundlagen für Diabetes Typ 2 spielen. Über diesen Erfolg berichtet auch das renommierte Wissenschaftsmagazin Nature Genetics in seiner aktuellen Ausgabe.

„Die häufigste Diabetesform, der Typ 2 Diabetes mellitus, betrifft nach neuesten Daten etwa zehn Prozent der Bevölkerung in Baden-Württemberg. Und es ist bekannt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung relativ hoch ist“, erläutert Prof. Böhm. „In Zusammenarbeit mit Genomforschern vom Helmholtzzentrum in München konnten wir bei 34.412 Menschen mit Typ-2-Diabetes im Vergleich zu 59.925 gesunden Probanden nicht nur signifikante sondern auch neue so genannte Genassoziationen bestätigen bzw. entdecken.“

Die neu entdeckten Diabetes-Gene spielen eine wichtige Rolle in der Funktion der Insulin produzierenden ß-Zellen, deren Aufgabe die Blutzuckerkontrolle ist. „Wir konnten zudem Genvarianten finden, die das Zellwachstum kontrollieren“, sagt Prof. Böhm und ergänzt: „Die insgesamt zwölf identifizierten Merkmale tragen einzeln nur relativ wenig zur Vorhersage des individuellen Risikos bei. Wir können jedoch sagen, dass durch eine Kombination aller zwölf Merkmale sich die Vorhersagewahrscheinlichkeit insbesondere für Menschen mit einem sehr früh festgestellten Typ-2-Diabetes erstmals erheblich erhöhen lässt. Das ist für die klinische Medizin und damit für Patienten äußerst relevant.“

WEITERE INFORMATIONEN

Internationales Forscherteam:
Die Erkenntnisse sind das Ergebnis eines internationalen Konsortiums (DIAGRAM+), in dem das Team um Prof. Bernhard O. Böhm aus der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm zusammen mit Wissenschaftlern des Münchener Helmholtzentrums schwerpunktmäßig zur Diabetesforschung tätig ist. Fördermittel wurden durch das Land Baden-Württemberg (Exzellenzzentrum Stoffwechselkrankheiten) und den National Instituts of Health der Vereinigten Staaten von Amerika bewilligt. Die neuen Erkenntnisse publiziert das renommierte Wissenschaftsmagazin Nature Genetics in seiner aktuellen Ausgabe vom Juli 2010.
Was ist Diabetes/Diabetologie?
Die „Zuckerkrankheit“ wird als Diabetes mellitus bezeichnet. Man spricht von einem Diabetes mellitus, wenn die Blutzuckerspiegel unangemessen erhöht sind. Nüchternblutzucker über 108 mg/dl sind nicht mehr normal. Bei einem Nüchternblutzucker über 125 oder einem Wert im Tagesverlauf von 200 mg/dl liegt ein Diabetes mellitus vor. Ein Diabetes mellitus führt zu Folgeerkrankungen, die Augenhintergrund, Niere und Nervensystem betreffen, sowie insbesondere zu Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose) führen können. Patienten mit Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Durchblutungsstörungen.

Diabetologen sind Ärzte/Spezialisten für den Diabetes mellitus, die sich mit der Behandlung der Zuckerkrankheit und ihrer Folgen beschäftigen. Ziel der Diabetologie ist letztlich durch die Behandlung das Auftreten von Folgeerkrankungen zu verhindern oder zumindest zu verzögern und das Risiko der Diabetiker für Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verringern. Die klinische Diabetologie und Diabetesforschung sind traditionelle Schwerpunkte am Universitätsklinikum Ulm. Beispiele hierfür sind die „Ulmer Zuckeruhr“, das künstliche Pankreas und die Ulmer Schulkinderstudie.

Prof. Bernhard O. Böhm:
Ist seit 1993 Leiter des Schwerpunkts Endokrinologie, Diabetes und Stoffwechsel an der Klinik für Innere Medizin I. Er wurde 1959 im hessischen Gelnhausen geboren und studierte Humanmedizin sowie Sportwissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Immungenetik, bei Autoimmunopathien (Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, entzündliche Darmerkrankungen) sowie in der Definition neuer Risikomarker für Folgerkrankungen bei Diabetes mellitus und in der Definition neuer Risikomarker für die Entwicklung atheriosklerotischer Komplikationen bei Vorliegen von Stoffwechselstörungen.

Für Rückfragen steht Ihnen gerne Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Universitätsklinikum Ulm, unter der Rufnummer 0731 500-43043 zur Verfügung.

Jörg Portius | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verbesserte Heilungschancen durch individualisierte Therapie bei Hodgkin Lymphom
23.10.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie