Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weniger grauer Star, weniger Demenz: Statine nicht nur gut für das Herz

02.09.2013
Eine Senkung der Blutfette mit Statinen reduziert auch das Risiko, einen grauen Star (Katarakt) oder eine Demenz zu entwickeln.

Das ist das Ergebnis aktueller Studien aus den USA und Taiwan, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam präsentiert wurden. Eine der Arbeiten zeigt, dass die Einnahme von Statinen die Gefahr grauen Stars um 20 Prozent reduziert. Eine andere Untersuchung weist darauf hin, dass Statine vor Demenzerkrankungen schützen dürften – wobei höhere Dosierungen einen ausgeprägteren Effekt haben.

Statine, die weltweit vielen Millionen Menschen zur Senkung der Blutfette verschrieben werden, standen in Verdacht, Grauen Star sogar verursachen oder zumindest begünstigen zu können. Jetzt kann offenbar Entwarnung gegeben werden. Die in Amsterdam vorgestellte Metanalyse umfasst Daten aus 14 Studien mit 2.399.200 Patienten.

Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 61 Jahre, die mittlere Behandlungsdauer 54 Monate. Die Reduktion des Katarakt-Risikos unter Statin-Therapie um 20 Prozent war signifikant. Wurde die Statinbehandlung schon bei jüngeren Patienten (ab 40) begonnen und länger durchgeführt, reduzierte sich das Risiko sogar um 50 Prozent, berichtete Prof. John B. Kostis vom Robert Wood Johnson University Hospital in New Jersey, USA.

„Es scheinen nun die Bedenken ausgeräumt zu sein, dass eine konsequente Statin-Therapie das Katarakt-Risiko erhöhen könnte“, sagt Prof. Dr. Eckart Fleck (Deutsches Herzzentrum Berlin), Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). „Die Daten sprechen dafür, dass die Gefahr eines Grauen Stars sogar sinkt.“

Eine taiwanesische Forschergruppe untersuchte den Zusammenhang zwischen Statin-Einnahme und dem Auftreten von Demenzerkrankungen. Dabei zeigte sich, dass das Demenz-Risiko unter Statin-Therapie sinkt. Und das umso mehr, je höher ein Statin dosiert wird. Auch im Falle der Demenz waren in den letzten Jahren Befürchtungen laut geworden, dass diese unter Statintherapie vermehrt auftreten könnte.

Aus insgesamt etwa einer Million Versicherter der staatlichen taiwanesischen Krankenversicherung wurden vor mehr als zehn Jahren 57.669 Personen im Alter über 65 identifiziert und beobachtet. Von diesen entwickelten 5.516 eine Demenzerkrankung im Sinne der Studienkriterien, vaskulär bedingte Demenzen waren ausgeschlossen. Im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe verhielt sich das Demenz-Risiko umgekehrt proportional zur Statindosis: Je mehr Statin ein Patient nahm, desto geringer war sein Risiko, an einer senilen oder präsenilen Demenz zu erkranken. In der Gruppe mit der höchsten täglichen Statindosis betrug die Erkrankungswahrscheinlichkeit im Vergleich zu Personen, die überhaupt keine Statine nahmen, weniger als die Hälfte. Betrachtet man die Gesamtdosis, berücksichtigt also auch, wie lange Statine genommen wurden, so verkleinert sich das Risiko auf ein Drittel.

„Wir haben hier erstmals eine große Untersuchung zur Wirkung von Statinen auf das Demenzrisiko“, kommentiert der Pressesprecher der DGK, Prof. Dr. Eckart Fleck die Untersuchung. „Bemerkenswert ist auch, dass die vaskulären Demenzen in dieser Studie ausgenommen wurden. Denn gerade diese Erkrankungen werden ja durch Veränderungen an den Gefäßen verursacht und es wäre daher besonders naheliegend, dass sie durch Statine beeinflusst werden können. Der Ausschluss dieser Formen von Demenz verleiht der Studie noch mehr Brisanz.“

Quelle: ESC Abstract 833 - Statins prevent cataract: A meta analysis; ESC Abstract 1609 - The Statin Use and the Incidence of Dementia

Kontakt:
Pressesprecher der DGK
Prof. Dr. Eckart Fleck
E-Mail: presse(at)dgk.org
B & K Kommunikationsberatung, Dr. Birgit Kofler: Mobil: 0043 676 6368930;
Büro Berlin: 030 700159676
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8200 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien.

Prof. Dr. Eckart Fleck | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive