Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weniger ist besser! Reduzierung der Chemotherapie für Patienten mit fortgeschrittenem HodgkinLymphom

04.04.2012
Wissenschaftler der Uniklinik Köln zeigen in einem heute "Online First" publizierten Artikel der Zeitschrift "The Lancet", dass Patienten mit fortgeschrittenem Hodgkin Lymphom effektiver und nebenwirkungsärmer behandelt werden können, wenn man die bisherige Standardchemotherapie BEACOPPeskaliert von acht auf sechs Zyklen reduziert.
Dies zeigte die Auswertung der HD15-Studie der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG). Sie ging der Frage nach, wie die Toxizität der Behandlung bei gleichbleibender Tumoreffektivität vermindert werden kann.

Das Hodgkin Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems, an der in Deutschland jedes Jahr rund 2.100 Menschen neu erkranken und die unbehandelt zum Tod der Patienten führt. Mit Heilungsraten von über 80 % gehört das Hodgkin Lymphom aber zu den sehr gut therapierbaren Krebserkrankungen. Um auch Patienten in fortgeschrittenen Stadien effektiv behandeln zu können, erhalten diese meist acht Zyklen einer intensiven Chemotherapie-Kombination (BEACOPPeskaliert). Unklar war bislang, wie intensiv diese Chemotherapie tatsächlich sein muss und ob eine zusätzliche Bestrahlung erforderlich ist.

In der HD15-Studie der GHSG wurden 2.126 Patienten nach einem Zufallsverfahren drei verschiedenen Therapiegruppen zugewiesen. 705 Patienten erhielten die Standardtherapie mit acht Zyklen BEACOPPeskaliert im Abstand von drei Wochen (8xB-esc). In den beiden Therapiegruppen mit reduzierter Dosis erhielten 711 Patienten alle drei Wochen 6 Zyklen BEACOPPeskaliert (6xB-esc) und weitere 710 Patienten 8 Zyklen BEACOPP in der Grunddosierung – nun allerdings im Abstand von 14 Tagen (8xB-14). Einige Patienten, die nach der Chemotherapie nicht vollständig auf die Therapie ansprachen, wurden abhängig vom Befund einer Positronenemissionstomografie (PET) zusätzlich mit 30 Gy bestrahlt.

Die Auswertung ergab, dass beide dosisreduzierten Behandlungsgruppen der intensiv therapierten Gruppe nicht unterlegen waren: Der Anteil der Patienten, bei denen es nach fünf Jahren nicht zu einem Therapieversagen gekommen war (Freedom from Treatment Failure = FFTF) betrug in der 8xB-esc-Gruppe 84 %, gegenüber 89 % in der 6xB-esc-Gruppe und 85 % in der BEACOPP-14-Gruppe. Das Gesamtüberleben betrug in den drei Gruppen 92 % (8xB-esc), 95 % (6xB-esc) und 95 % (8xB-14) – ein Unterschied, der zwischen den Gruppen mit 6-maliger und 8-maliger Gabe von BEACOPPeskaliert signifikant war. Gleichzeitig gab es in der 6xB-esc-Gruppe mit 5 % weniger therapieassoziierte Todesfälle als in den beiden anderen Gruppen (beide 8 %). Ein Vergleich der beiden dosisreduzierten Therapiegruppen untereinander zeigte außerdem, dass mit 8xB-14 weniger langanhaltende Remissionen erzielt wurden als mit 6xB-esc.

Die Autoren der aktuell publizierten Studie sprechen deshalb eine deutliche Empfehlung aus: "Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Behandlung mit sechs Zyklen BEACOPPeskaliert gefolgt von einer PET-gestützten Radiotherapie hinsichtlich der Tumorkontrolle effektiver und mit Blick auf die Nebenwirkungen weniger toxisch ist als acht Zyklen der gleichen Therapie", sagte der Leiter der GHSG und Erstautor des Artikels Prof. Dr. Andreas Engert, Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln. "Aus diesem Grund sollte 6x BEACOPPeskaliert für Patienten mit fortgeschrittenem Hodgkin Lymphom zukünftig die Therapie der Wahl sein." Zuversichtlich äußerte sich der Arzt und Wissenschaftler auch über die Bestrahlung: "Diese zusätzliche Therapie könnte nach einer PET-Untersuchung auf eine kleine Minderheit von Patienten beschränkt werden."

In einem Kommentar zu dieser Studie bewerten die beiden renommierten französischen Lymphomforscher Dr. Olivier Casasnovas (Dijon) und Dr. Bertrand Coiffier (Lyon) die aktuellen Ergebnisse als wichtigen Schritt, um eine Balance zwischen der Wirksamkeit der Behandlung einerseits und der Toxizität andererseits herzustellen. Dennoch seien zukünftig weitere Anstrengungen erforderlich, um festzustellen, welche Patienten möglicherweise weniger als 6 Zyklen BEACOPPeskaliert benötigen. Genau diese Frage wird in der aktuellen GHSG HD18-Studie für Hodgkin Patienten in fortgeschrittenen Stadien untersucht.

Literatur:

A Engert, H Haverkamp, C Kobe et al. Reduced-intensity chemotherapy and PET-guided radiotherapy in patients with advanced stage Hodgkin's lymphoma (HD15 trial): a randomised, open-label, phase 3 non-inferiority trial. The Lancet. Published online April 4, 2012. DOI:10.1016/S0140-6736(11)61940-5

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(11)61940-5/abstract

O Casasnovas, B Coiffier. Escalated BEACOPP in advanced Hongkin’s Lymphoma. The Lancet. Published online April 4, 2012. DOI: 10.1016/S0140-6736(12)60153-6
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(12)60153-6/fulltext

Ansprechpartner zu Hodgkin-Studien:
Prof. Dr. Andreas Engert
Klinik I für Innere Medizin
Uniklinik Köln, D-50924 Köln
Tel. +49 (0)221 478-5966
a.engert@uni-koeln.de
Ansprechpartner für die Presse:
Silke Hellmich
Information & Kommunikation
Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.
Uniklinik Köln, D-50924 Köln
Tel.: +49 (0)221 478-7405
silke.hellmich@uk-koeln.de

Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation
Uniklinik Köln, D-50924 Köln
Telefon: +49 (0)221 478-5548
presse@uk-koeln.de

Die Deutsche Hodgkin Studiengruppe (GHSG) ist an der Uniklinik Köln angesiedelt und Mitglied im Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V., einem Zusammenschluss führender deutscher Lymphom-Studiengruppen und Versorgungseinrichtungen. www.ghsg.org, www.lymphome.de und www.uk-koeln.de

Silke Hellmich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie