Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zu viele Patienten leiden unnötig - Studien zeigen: Akute Schmerzen sind ein vermeidbares Übel

12.09.2011
Akute Schmerzen sind oft ein vermeidbares Übel: So werden bei Kindern nach Operationen Schmerzmittel häufig unnötig unterdosiert, aus Angst vor Nebenwirkungen.

Auch Erwachsene müssen nach Operationen, aber auch bei internistischen und orthopädischen Erkrankungen noch zu oft leiden, und das unnötig, wie Studien zeigen.

Neue Techniken und Leitlinien sollen helfen, die Realität in den Krankenhäusern zu verbessern. Im „Global Year against Acute Pain“ stellt die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) das Thema Akutschmerz in den Mittelpunkt. Sie lädt am Vortag der Jahrestagung der Europäischen Schmerzgesellschaft EFIC in Hamburg (21.-24.9.2011) zum Satellitensymposium ein.

Auch beim Deutschen Schmerzkongress 2011 in Mannheim (5.-8.10.2011) werden neue Trends gegen akuten Schmerz vorgestellt.

Akuter Schmerz: Unnötig schlecht behandelt

Akute Schmerzen haben, anders als chronische, oft einen Sinn: Als Symptom einer Komplikation oder eines Krankheitsbildes kann Schmerz die Diagnosestellung erleichtern. „Das erklärt vielleicht, warum Studien dem Akutschmerz lange wenig Bedeutung beigemessen haben“, so Prof. Dr. Esther Pogatzki-Zahn, Mitglied der DGSS-Taskforce Global Year against Acute Pain. „Allerdings wissen wir heute, dass akute Schmerzen, z.B. nach einer Operation, Probleme bei der Genesung machen, Komplikationen hervorrufen und sogar chronisch werden können.“

Daher haben sich in den letzten Jahren internationale Wissenschaftler intensiv mit der Verbesserung der Akutschmerztherapie befasst. „Doch trotz vieler neuer Erkenntnisse und spezieller Leitlinien gibt es weiterhin eine schmerztherapeutische Unterversorgung von Patienten mit akuten Schmerzen“, so Prof. Pogatzki-Zahn.

Nicht stiefkindlich behandeln: Kinderschmerzen nach OPs

Beim Schmerzkongress widmen sich die Spezialisten dem bisher stiefkindlich behandelten Thema postoperative Schmerzen bei Kindern (Do. 6.10., 15-16.30 Uhr). Häufig werden z.B. Schmerzmedikamente aus Angst vor Nebenwirkungen unterdosiert, die Zeitintervalle zwischen den Medikamentengaben verlängert, nachts wird zu wenig oder gar nichts verabreicht, und „stark wirksame“ Substanzen wie Opioide werden ganz gemieden. Dabei ist der Einsatz von Opioiden bei Kindern nach Operationen prinzipiell einfach; effektive Wirkstoffe sind teils altbekannt, aber in Vergessenheit geraten. Das Symposium nimmt auch die Wirksamkeit und vermeintliche Sicherheit von Paracetamol im Kindesalter unter die Lupe. Neue Publikationen zeigen neben der bekannten Gefahr der Leberschädigung (auch in niedrigen Dosierungen) vor allem einen Zusammenhang zwischen der Gabe von Paracetamol und dem Auftreten allergischer Erkrankungen. Es stehen andere, zudem wirksamere Substanzen zur Verfügung.

Neue Trends und Ergebnisse: Wirksamkeitsunterschiede von Medikamenten

Ein Symposium des Schmerzkongresses befasst sich mit „Neuen Trends in der Akutschmerztherapie“ (Do. 6.10., 8.30 bis 10 Uhr). Es werden neue Regionalanalgesietechniken diskutiert, die nach einigen Operationsarten gleichzeitig effektiv und risikoarm zu sein scheinen. Ob und wann diese Techniken Vorteile, z.B. gegenüber einer Epiduralanalgesie, haben könnten oder zumindest gleichwertig sind, soll anhand der bisher vorhandenen Daten aus klinischen Studien diskutiert werden. Ebenso wollen die Spezialisten die Wirksamkeit verschiedener Nicht-Opiod-Analgetika (z.B. Paracetamol, Metamizol, NSARs, Coxibe) für Schmerzen nach Operationen und bestimmte Operationsarten differenziert bewerten. Daten aus mehr als 100 deutschen Kliniken deuten darauf hin, dass es deutliche Unterschiede in der Wirksamkeit der verschiedenen Medikamente gibt. Ob und inwieweit dies für Opioide gilt, wird ebenfalls diskutiert. Weiteres Thema: Psychologische Interventionen. Dazu gehört auch die Patienteninformation zum Schmerzmanagement vor Operationen. Sie dient u.a. der Wissenserweiterung, Verhaltenslenkung und Befindensbeeinflussung.

Herzschmerz, Schmerz in arabischen Ländern

Außerdem Thema beim Schmerzkongress: akute internistische und orthopädische Schmerzen (Fr. 7.10., 8.30 bis 10 Uhr). Speziell Angina pectoris-Schmerzen, akute Bauchschmerzen und Schmerzen nach Wirbelkörperfrakturen bei Osteoporose stehen auf dem Programm. Daneben finden sich im Programm anderer Symposien „versteckte“ Vorträge zum Akutschmerz wie „Akutschmerzdienste in arabischen Ländern – Welche Hindernisse müssen überwunden werden“ (Fr. 7.10., 15.30 Uhr) oder „Verbesserung der Qualität der Akutschmerztherapie – Welche Strukturen brauchen wir?“ (Fr. 7.10., 15.30 Uhr). „Diese Präsenz des Themas Akutschmerz auf dem Deutschen Schmerzkongress 2011 repräsentiert die Wichtigkeit, die die DGSS diesem Thema beimisst, nicht nur im Rahmen des ‚Globalen Jahres gegen den Akutschmerz‘“, unterstreicht Prof. Pogatzki-Zahn. „Letztlich kann nur die stete Thematisierung dazu beitragen, dass sich die Situation „vor Ort“ verbessert. Die Zukunft wird zeigen, ob diese und andere Aktionen die Therapie von Akutschmerz in der Praxis einen (Meilen-)Schritt weiterbringen können.“

Kontakt

Univ.-Prof. Dr. med. Esther Pogatzki-Zahn, Taskforce DGSS Global Year against Acute Pain, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin des UKM, Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude A 1, 48149 Münster, Tel. 0251-8347261, E-Mail: pogatzki@anit.uni-muenster.de

Kongresstermine

7th Congress of the European Federation of IASP® Chapters (EFIC®)
21.-24. September 2011
CCH – Congress Center Hamburg
DGSS-Satellitensymposium
Acute Pain Management: “Yes, we can?”
20. September 2011
Hotel Hafen, Hamburg,
http://www.dgss.org/fileadmin/pdf/GYAAP_HH_11-09-20.pdf
Deutscher Schmerzkongress 2011
5. bis 8. Oktober 2011
Congress Center Rosengarten Mannheim

Meike Drießen | idw
Weitere Informationen:
http://www.schmerzkongress2011.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie