Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Versorgungsengpass bei Radionukliden gefährdet Gesundheit tausender Patienten

04.09.2008
Der Ausfall mehrerer Reaktoren hat europaweit zu einem Versorgungsengpass für radioaktive Isotope geführt. Tausende Patienten sind dabei betroffen, zum Teil mit lebensbedrohenden Folgen.

Ohne radioaktive Isotope können nuklearmedizinische Untersuchungen und Behandlungen nicht durchgeführt werden. "Im schlimmsten Fall bedeutet der Ausfall der Reaktoren den nahezu völligen Versorgungsausfall mit radiopharmazeutischen Präparaten", so Prof. Dr. Frank Grünwald, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.

"Es sollten daher seitens der Politik dringend Maßnahmen getroffen werden, um in der Zukunft solche Situationen zu verhindern und gegebenenfalls auch Importe von medizinischen Radionukliden aus dem nicht EU-Ausland besser zu regulieren."

Die nuklearmedizinische Diagnostik findet beispielsweise Anwendung vor und während Brustkrebsoperationen, bei Chemotherapien, vor und nach Transplantationen, zur Vorbereitung bei Herzoperationen und bei der Diagnostik und Behandlung von Tumoren.

Für einen erheblichen Teil der Patienten bedeutet der Versorgungsengpass eine akute Gefahr für ihre Gesundheit. Besonders bei schnell wachsenden Tumoren kann eine fehlende Therapiemöglichkeit lebensbedrohend sein.

In Deutschland werden jährlich etwa drei Millionen Szintigrafien mit Radionukliden durchgeführt sowie mehr als 100.000 Radionuklidtherapien. Das bedeutet, dass etwa 60.000 Untersuchungen pro Woche und rund 2.000 Therapien nicht mehr durchgeführt werden können.

Durch den Versorgungsengpass können nuklearmedizinische Kliniken und Praxen einen Großteil ihrer diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen nicht mehr durchführen. Sie sind dringend auf die regelmäßige und zeitgenaue Lieferung von Radiopharmaka angewiesen. Der Versorgungsengpass betrifft in erster Linie das Isotop Molybdän-99, aus dem Technetium-99m gewonnen wird, welches bei Szintigrafien ganz überwiegend eingesetzt wird. Eine Bevorratung mit Molybdän-99 ist aufgrund der geringen Überlebensdauer der Substanz von rund drei Tagen nur für kurze Zeit möglich.

Derzeit sind weltweit die meisten großen Reaktoren für die Produktion radioaktiver Isotope außer Betrieb. Diese zum Teil über 40 Jahre alten Anlagen produzieren normalerweise nahezu den gesamten Bedarf an Radionukliden. In Europa betrifft dieser Ausfall alle drei Reaktoren, in Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Voraussichtlich können die Reaktoren die Produktion erst wieder in etwa drei bis vier Wochen aufnehmen.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.
Pressereferat, Julia Schilling
Hospitalstraße 7, D-37073 Göttingen
Tel. 0551.48857-402, info@nuklearmedizin.de.

Julia Schilling | idw
Weitere Informationen:
http://www.nuklearmedizin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie