Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Training als Therapie - Körperliche Aktivität nach Prostata-OP

22.02.2012
Körperliche Aktivität verkürzt Zeit der Inkontinenz nach Prostata-OP
Eine umfangreiche Studienanalyse der Deutschen Sporthochschule Köln mit über 2.500 Prostatakrebspatienten belegt, dass Schließmuskeltraining unter besonderer Berücksichtigung des Beckenbodens den Männern ihren „Halt“ zurückgibt.

Durch ein gezieltes Schließmuskel- und Beckenbodentraining lässt sich das Risiko und die Dauer einer Inkontinenz als Folge einer Prostatakrebs-Operation senken. Dies konnten Dr. Freerk Baumann und Diplom-Sportwissenschaftlerin Eva Zopf (Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Abt. Molekulare und Zelluläre Sportmedizin) bei der Analyse der vorliegenden Studiendaten nachweisen.

Durch professionelle bewegungstherapeutische Interventionen verbessern sich nicht nur die Lebensqualität und das allgemeine Wohlbefinden von Krebspatienten; auch Nebenwirkungen der Tumortherapie, wie zum Beispiel das Erschöpfungssyndrom (Fatigue), können gezielt beeinflusst werden. Was lange eine Vermutung war, konnte nun durch die Analyse der Daten aus 25 randomisierten kontrollierten Studien erstmalig wissenschaftlich belegt werden.

Der Sportwissenschaftler Dr. Freerk Baumann untersuchte in seinem systematischen Review die Auswirkungen körperlicher Aktivität bei Patienten mit einer Prostatakrebserkrankung, sowohl während als auch nach der medizinischen Therapie. „Männer, die regelmäßig trainieren, sind gegenüber Männern ohne gezieltes körperliches Training klar im Vorteil. Das betrifft die Parameter Inkontinenz, Fatigue, Muskelkraft, Lebensqualität und Fitness“, so Baumann. Im Idealfall beginnt ein Patient bereits vor der OP mit Übungen für Schließmuskulatur und Beckenboden. Auch nach der OP gilt: „Je früher der Patient startet, desto schneller regeneriert sich der Patient“. Daher sollte bereits 48 Stunden nach der Entfernung des Katheters mit dem Training begonnen werden. „Die Patienten werden durch einen unmittelbaren Trainingsbeginn schneller wieder kontinent und bleiben es dann auch“, so der Sportwissenschaftler. Jedoch müssen Patienten und Therapeuten geduldig sein, denn nicht selten treten Besserungen erst nach 6 Monaten regelmäßigen Trainings auf.

Die besten Erfolge stellen sich dann ein, wenn ein Patient unter Anleitung eines geschulten Therapeuten trainiert. Das gilt für die allgemeine Fitness, aber insbesondere für die Inkontinenz. Laut Baumann „hilft es wenig, wenn Patienten nach einer kurzen Einführung oder anhand eines Flyers für sich alleine trainieren“. Um therapeutische Erfolge zu erzielen, bedarf es eines langfristigen und angeleiteten Trainings. „Untersuchungen zeigen, dass inkontinente Patienten ein reduziertes Aktivitätsniveau haben. Die Folgen sind psychosoziale Isolation und Bewegungsmangelsymptome und damit wiederum die Gefahr einer weiteren stationären Behandlung. Behandlungskosten, die vermieden werden können, wenn die Patienten Zugang zu bewegungstherapeutischen Programmen haben. Hier muss das Gesundheitssystem reagieren, denn nicht jeder Prostatakrebspatient nimmt an qualitativ hochwertigen bewegungstherapeutischen Angeboten teil.

Zur Wirksamkeit weiterer Therapiemethoden, wie Biofeedback oder Elektrostimulation, können die Wissenschaftler aufgrund der vorliegenden Daten keine Angaben machen: „Die Ergebnisse der verschiedenen Studien waren widersprüchlich, so dass wir derzeit keine eindeutigen Empfehlungen aussprechen können.“ Auch bezüglich der Übungsauswahl im Hinblick auf die Übungseffektivität sind weitere Untersuchungen nötig.

KONTAKT:
Dr. Freerk T. Baumann
Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin
Abteilung für molekulare und zelluläre Sportmedizin
Am Sportpark Müngersdorf 6
50933 Köln
Tel: 0221 4982-4821
Fax: 0221 4982-8370
Mail: f.baumann@dshs-koeln.de
PUBLIKATION:
Freerk Baumann, Eva M Zopf, Wilhelm Bloch. Clinical exercise interventions in prostate cancer patients - a systematic review of randomized controlled trials. Supportive Care in Cancer. 2012; 20; 212-233

Sabine Maas | idw
Weitere Informationen:
http://www.dshs-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise